Ein Zürcher Infektiologe erwartet, dass die Pandemie in der Schweiz im Sommer 2022 vorbei sein wird. In Ländern mit weniger Impfungen werde sie länger dauern.
Wie lang hält der Schutz der Corona-Impfung an? Neue Daten zeigen, dass der Schutz vor schweren Krankheitsverläufen auch ein halbes Jahr nach der Impfung noch sehr hoch ist. Foto: Oliver Berg/dpa/Symbolbild
Wie lang hält der Schutz der Corona-Impfung an? Neue Daten zeigen, dass der Schutz vor schweren Krankheitsverläufen auch ein halbes Jahr nach der Impfung noch sehr hoch ist. Foto: Oliver Berg/dpa/Symbolbild - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Huldrych Günthard rechnet mit dem Pandemie-Ende in der Schweiz in weniger als einem Jahr.
  • Voraussetzung sei aber, dass es genügend Immune geben, durch Impfung oder Ansteckung.
  • Er fordert auch, dass die Schweiz mit den Booster-Impfungen beginne.

Die Corona-Pandemie dürfte im nächsten Sommer nach Ansicht des Zürcher Infektiologen Huldrych Günthard überstanden sein. Voraussetzung dafür sei, dass sich noch mehr Leute impfen liessen und die nicht Geimpften infiziert würden.

Das gelte natürlich nicht weltweit, sondern nur für jene Länder, die eine Impfung zur Verfügung hätten, sagte Günthard der «SonntagsZeitung». Voraussetzung sei ferner, dass keine neuen Varianten aufträten, gegen die die Impfung nichts nütze.

Coronavirus Impfung
Infektiologe Huldrych Günthard vom Unispital Zürich. - Unispital Zürich

Weniger optimistisch ist Soumya Swaminathan, leitende Wissenschaftlerin bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie hoffe, dass schon bald 60 Prozent der Wegstrecke zurückgelegt seien. Aber es sei nicht auszuschliessen, dass ein weiterer unerwarteter Berg zu erklimmen sei, sagte Swaminathan zum «SonntagsBlick».

In gewissen Teilen der Welt sei ein hoher Anteil der Bevölkerung geimpft, nämlich rund 70 bis 80 Prozent. In anderen Staaten, so etwa in Afrika, seien weniger als 4 Prozent der Bevölkerung komplett immunisiert. Je länger die Menschheit diese Situation toleriere, desto grösser sei die Gefahr, dass neue Varianten entstünden.

Infektiologe widerspricht WHO und fordert Booster-Impfungen

Aus diesem Grund fordere die WHO, alle verfügbaren Dosen dafür einzusetzen, die Impfquote global zu erhöhen. Erst dann sollten Booster-Impfungen, also eine dritte Dosis ein Thema sein. Dem widerspricht Günthard. Der Schutz vor Neuinfektionen nehme mit der Zeit ab, er verstehe nicht, worauf die Welt noch warte.

Er befürchte, dass plötzlich wieder alles schnell gehen müsse. Es gebe schon jetzt immer mehr Impfdurchbrüche. «Es werden wieder grosse Personengruppen geimpft werden müssen, das braucht Zeit.» Dies sagte der stellvertretende Direktor der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am Unispital Zürich.

Das Universitätsspital Zürich erhalte ständig Anfragen von Ärzten und älteren Menschen, die eine dritte Impfung wollten. Beginne die Schweiz erst Ende Jahr mit Booster-Impfungen , schaffe das wieder enormen Stress für das Personal und die Impfzentren. Das dürfe sich nicht wiederholen.

Mehr zum Thema:

Coronavirus Stress WHO