Zug: Mit neuen Cyber-Lehrstellen gegen die unsichtbare Gefahr
Mit neuen Informatik-Lehrstellen im Bereich Cyber Security investiert der Kanton Zug in den Schutz vor Cyber-Kriminalität.

Die Bedrohung kommt längst nicht mehr nur aus dunklen Gassen oder über klassische Einbrüche. Heute greifen Kriminelle über Tastaturen an. Sie legen Unternehmen lahm, stehlen Daten oder verschlüsseln ganze Systeme, um Lösegeld zu erpressen.
Cyber-Angriffe gehören inzwischen zu den grössten Risiken für Staaten, Unternehmen und öffentliche Institutionen. Der Kanton Zug reagiert darauf mit einer klaren Strategie: Er investiert in die Ausbildung junger Fachkräfte.
Mit neuen Informatik-Lehrstellen im Bereich Cyber Security will der Kanton nicht nur dem wachsenden Fachkräftemangel begegnen, sondern auch seine digitale Widerstandskraft stärken.
Die Initiative wird gemeinsam mit der Zuger Kantonalbank sowie dem Zuger Kantonsspital umgesetzt – drei Institutionen also, die täglich mit sensiblen Daten und kritischen digitalen Infrastrukturen arbeiten.

Damit entsteht in Zug ein Ausbildungsmodell, das über klassische Informatiklehren hinausgeht. Die Lernenden erhalten frühzeitig Einblicke in jene Bereiche, die künftig über Sicherheit und Stabilität digitaler Systeme entscheiden werden.
Ausbildung für eine neue Realität
Die Digitalisierung hat in den vergangenen Jahren beinahe alle Lebensbereiche verändert. Behörden arbeiten elektronisch, Spitäler speichern Patientendaten digital, Banken wickeln Millionen von Transaktionen online ab.
Gleichzeitig steigen die Risiken. Hackerangriffe auf Verwaltungen, Gesundheitseinrichtungen oder Finanzinstitute sorgen weltweit regelmässig für Schlagzeilen.
Der Schutz solcher Systeme verlangt hochqualifizierte Spezialistinnen und Spezialisten – doch genau diese fehlen vielerorts. Der Kanton Zug will deshalb nicht länger nur auf den Arbeitsmarkt hoffen, sondern selbst aktiv ausbilden.
Die neuen Lehrstellen setzen bereits während der Ausbildung einen klaren Schwerpunkt auf Cyber Security. Die Lernenden erwerben dabei nicht nur klassische Informatikkenntnisse, sondern beschäftigen sich vertieft mit Themen wie Netzwerksicherheit, Schutz sensibler Daten, Angriffserkennung oder sicheren IT-Infrastrukturen.
Noch befinden sich die angehenden Fachkräfte in ihrer Grundausbildung. Doch schon bald wird es ernst: Die ersten Lernenden wechseln im August für ihr drittes Lehrjahr direkt zum Amt für Informatik und Organisation des Kantons Zug. Dort sollen sie ihr Wissen nicht nur anwenden, sondern aktiv weiterentwickeln.
Für die jungen Talente eröffnet sich damit ein aussergewöhnlich praxisnahes Umfeld. Sie erleben hautnah, wie moderne Cyber-Abwehr in einer öffentlichen Verwaltung funktioniert und welche Verantwortung mit dem Schutz kritischer Systeme verbunden ist.
Ein Signal gegen den Fachkräftemangel
Der Schritt kommt nicht zufällig. Die Nachfrage nach Cyber-Spezialistinnen und -Spezialisten wächst seit Jahren rasant.
Unternehmen, Behörden und Organisationen konkurrieren zunehmend um qualifiziertes Personal. Gerade kleinere Regionen stehen dabei oft vor der Herausforderung, genügend Fachkräfte gewinnen zu können.
Mit dem Ausbau der Lehrstellen setzt Zug bewusst auf den eigenen Nachwuchs. Junge Menschen sollen bereits früh die Möglichkeit erhalten, sich in einem zukunftsorientierten Bereich zu spezialisieren – mit attraktiven Perspektiven und hoher gesellschaftlicher Relevanz.
Gleichzeitig verfolgt der Kanton damit auch ein strategisches Ziel. Wer eigene Fachkräfte ausbildet, schafft langfristig Know-how im eigenen System. Das Wissen bleibt in der Region, die Bindung an den Arbeitgeber steigt, und die Abhängigkeit vom angespannten internationalen Arbeitsmarkt sinkt.

Für Finanzdirektor Heinz Tännler ist die Initiative deshalb weit mehr als ein gewöhnliches Ausbildungsprojekt. Er sieht darin eine Investition in die Zukunft des Kantons: zusätzliche attraktive Lehrstellen für junge Menschen und gleichzeitig eine Stärkung der digitalen Sicherheit.
Die Aussage verdeutlicht, wie eng Bildung, Innovation und Sicherheit inzwischen miteinander verbunden sind. Cyber Security ist längst nicht mehr nur ein technisches Spezialgebiet. Sie wird zunehmend zu einem zentralen Standortfaktor.
Zusammenarbeit als Schlüssel
Bemerkenswert ist auch die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Bank und Gesundheitswesen. Dass der Kanton Zug, die Zuger Kantonalbank und das Zuger Kantonsspital gemeinsam an einem Ausbildungsmodell arbeiten, zeigt, wie stark das Thema Cyber Security inzwischen sämtliche Branchen betrifft.
Banken gehören seit Jahren zu den bevorzugten Zielen von Cyber-Kriminellen. Gleichzeitig sind Spitäler besonders verletzlich, weil ihre Systeme rund um die Uhr funktionieren müssen und hochsensible Gesundheitsdaten enthalten. Öffentliche Verwaltungen wiederum tragen Verantwortung für Bürgerdaten und zentrale Dienstleistungen.
Alle drei Partner verbindet deshalb ein gemeinsames Interesse: Sie müssen ihre digitalen Systeme schützen und benötigen dafür qualifizierte Fachkräfte.
Die Lernenden profitieren von dieser Zusammenarbeit gleich mehrfach. Sie erhalten Einblicke in unterschiedliche Branchen, lernen verschiedene Sicherheitsanforderungen kennen und sammeln Erfahrungen in hochrelevanten Bereichen der digitalen Infrastruktur.
Dadurch entsteht eine Ausbildung, die sich eng an der Realität moderner Cyber-Bedrohungen orientiert – praxisnah, vielseitig und zukunftsgerichtet.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in der «Zuger Woche» erschienen.








