Zermatterin muss nach 16 Jahren raus – aus Wohnung wird Airbnb
Eine Frau, die in Zermatt arbeitet, wird wegen Eigenbedarfs aus ihrer 1,5-Zimmer-Wohnung geworfen. Um dann zu merken, dass ein Airbnb daraus entstanden ist.

Das Wichtigste in Kürze
- Preisgünstiger Wohnraum ist immer weniger vorhanden. Vor allem in Ferien-Destinationen.
- Viele Wohnungen von Einheimischen oder Saisonniers fallen Airbnb und Co. zum Opfer.
- So geschehen einer Frau, die 16 Jahre in einer Wohnung in Zermatt VS lebte.
«Das darf doch nicht sein!»
Eine Zermatterin macht ihrem Ärger auf Facebook Luft. Sie schreibt: «Da wurde einem die Wohnung nach 16 Jahren wegen Eigenbedarf gekündigt, und wird dann auf Airbnb vermietet. Kein Wunder, findet man keine Wohnungen in Zermatt mehr!»
Dazu postet sie einen Screenshot von Airbnb, der eine «Sonnige 1,5-Zimmer-Wohnung» bewirbt. Preis für sechs Nächte im April: 2243 Franken.
Wäre die Wohnung weiter als Jahres- oder Saisonwohnung vermietet worden, wäre ihr das noch egal gewesen, schreibt die Userin weiter. Aber so...
In den Kommentaren läuft die Diskussion darüber heiss, ob das in der Schweiz überhaupt erlaubt ist.
Fabian Gloor, Jurist beim Mieterinnen- und Mieterverband Schweiz, schafft Klarheit: «Eigenbedarf ist ein legitimes Kündigungsmotiv», sagt er zu Nau.ch.
Eine Kündigung sei dann missbräuchlich, wenn der Eigenbedarf nur vorgeschoben wird. Dabei ist klar: «Airbnb ist kein Eigenbedarf», stellt Gloor klar.
Was wiederum bedeutet: Die Kündigung wäre missbräuchlich. Aber: «Die Kündigung muss innerhalb von 30 Tagen bei der Schlichtungsbehörde angefochten werden, ansonsten gilt sie als akzeptiert», erklärt Gloor.
Im Nachhinein – wenn man die Wohnung Monate später auf Airbnb entdeckt – sei es schwierig, noch etwas zu erreichen.
Gemeinde Zermatt sagt, «Herausforderung» sei erkannt
In Zermatt ist das wohl einer von vielen solchen Fällen.
Die Destination Zermatt – Matterhorn sei sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst. Das schreibt Gemeindepräsidentin Romy Biner-Hauser auf Anfrage von Nau.ch. «In diesem Kontext ist die Herausforderung des knappen bezahlbaren Wohnraums für Einheimische und Mitarbeitende in Zermatt seit längerer Zeit erkannt.»
Alle Verantwortlichen seien bestrebt, bezahlbaren Wohnraum zufriedenstellend zur Verfügung zu stellen. Denn dieser sei auch eine entscheidende Grundlage für den Tourismus, die Lebensader von Zermatt.

Eine Studie zum Wohnraum-Bedarf sei in Auftrag, so Romy Biner weiter. Zudem sei eine Genossenschaft für bezahlbaren Wohnraum gegründet worden.
Die Gemeinde könne die strukturellen Probleme aber nicht alleine lösen. «Eine nachhaltige Lösung kann nur gelingen, wenn alle Akteure – Private, Unternehmen – ihren Beitrag leisten», so Biner-Hauser.
Eigenbedarf wird oft vorgeschoben
Die Situation mit der Wohnung in Zermatt sei lange kein Einzelfall, sagt Fabian Gloor vom Mieterverband. «Wir erleben es regelmässig, dass Eigenbedarf vorgeschoben wird.»
Der Klassiker sei, dass der Vermieter bei einem Streit mit dem Mieter zu diesem Mittel greife. Dies, um den Streit und somit den Vermieter auf diese Weise loszuwerden. Später aber dann doch nicht selber in die Wohnung ziehe.
Wie im Fall der Zermatter Wohnung, die nun teuer an Touristen vermietet wird, führt Airbnb zum Verlust von preisgünstigem Wohnraum.
Wohnen werde immer teurer, weil preisgünstiger Wohnraum schlicht nicht mehr vorhanden sei, beklagt Gloor.
Zum Glück habe sie eine andere Wohnung gefunden, schreibt die Hotel-Angestellte aus Zermatt. Denn das ist bei der aktuellen Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt lange nicht selbstverständlich.

















