Zeitangabe auf Wegweisern fehlt – das ist der Grund
Aus finanziellen Gründen wird oft auf die Zeitangabe bei Wanderwegweisern verzichtet. Das führt bei Wandernden zu Unsicherheiten und Ärger.

Das Wichtigste in Kürze
- Eine Wanderin ist erstaunt, dass nicht alle Wanderwegweiser Zeitangaben haben.
- Das hat wirtschaftliche Gründe: Wegweiser mit zusätzlichen Zeitangaben kosten rund zehnmal mehr als solche ohne.
- Das Schweizer Wanderwegnetz umfasst über 65’000 Kilometer. An rund 750’000 Standorten gibt es Wegweiser und Markierungen.
Isabelle* steht tief unten im Tobel und schaut auf die Uhr. Noch eine halbe Stunde, dann fährt oben das Postauto. Es ist der letzte Bus des Tages.
Vor ihr ein Wanderwegweiser – doch von der Zeit, die sie bis nach oben braucht, steht dort nichts. Isabelle kennt den Weg nicht. Sie sieht nur, dass er sich steil durch den Wald den Hang hinauf schlängelt.

Ein Blick auf Google Maps hilft ihr auch nicht weiter. Die Karte zeigt zwar, wohin der Weg führt. Aber nicht, wie anstrengend der Aufstieg wird oder ob sie das Postauto in 30 Minuten tatsächlich noch erwischt.
Warum fehlt bei vielen Wanderwegen die Zeitangabe?
Wegweiser mit Zeitangaben «bis zehnmal teurer»
Patricia Cornali vom Verband Schweizer Wanderwege erklärt gegenüber Nau.ch, dass diese Zeitangaben im Handbuch «Signalisation Wanderwege» geregelt sind.
Darin heisst es: Nicht jede Kreuzung, so Cornali, braucht einen Wegweiser mit Zeitangaben. Solche Wegweiser gehören nur an Ausgangspunkte, Endpunkte und wichtige Zwischenziele.
«An weniger bedeutenden Kreuzungen genügen Wegweiser ohne Zeitangaben oder einfache Richtungszeiger.»
Dabei spielen auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle. Cornali erklärt: «Im Vergleich zu einfachen Richtungszeigern ohne jegliche Angaben sind Wegweiser mit Orts- und Zeitangaben bis zu zehnmal teurer.»
Wanderwegnetz ist länger als der anderthalbfache Erdumfang
Das Schweizer Wanderwegnetz ist riesig und umfasst zahlreiche Wegweiser. Cornali beschreibt dies bildlich: «Das Wanderwegnetz in der Schweiz umfasst über 65’000 Kilometer – mehr als der anderthalbfache Erdumfang.»
An rund 50’000 Standorten stünden Wegweiser mit jeweils mehreren Schildern mit Orts- und Zeitangaben. Daneben gebe es zusätzlich noch ungefähr 250’000 Zwischenmarkierungen.
«Es wäre nicht sinnvoll und kaum finanzierbar, auch an diesen Orten Wegweiser mit Ziel- und Zeitangaben aufzustellen», sagt Cornali.

Zudem liessen sich Wegweiser ohne Angaben einfacher an anderen Orten wiederverwenden.
Gibt es immer weniger Wegweiser mit Zeitangaben?
Isabelle, die auf ihrer Wanderung die Zeitangaben vermisst hat, denkt, es habe früher mehr dieser Wegweiser gegeben. Cornali sagt: «Das ist möglich. Es gibt jedoch schlüssige Gründe dafür.»
Es könne sein, dass ein Wegweiser im Zuge einer Weg-Revision oder bei einer Änderung des Streckenverlaufs ersetzt werden müsse. Wenn dabei festgestellt werde, dass die Bedingungen für die Zeitangabe nicht oder nicht mehr erfüllt seien, würde diese weggelassen.
Cornali ergänzt: «Wegweiser mit Zeitangaben werden jedoch nie nur aus dem einzigen Grund ersetzt, weil neu auf die Zeitangaben verzichtet werden soll.»
Und: «Es ist uns bewusst, dass Wanderzeiten einem grossen Bedürfnis der Wandernden entsprechen. Deshalb werden Zeitangaben auch weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Wanderweg-Signalisation in der Schweiz bleiben.»
Für Isabelle ging die Wanderung übrigens auch ohne Zeitangabe gut zu Ende. Sie war sogar noch zu früh an der Bushaltestelle, wie sie erzählt.
*Name der Redaktion bekannt.












