Wolfsangriffe: Müssen wir uns um Familienhunde sorgen?

Laurin Zaugg
Laurin Zaugg

Chur,

In Italien hat ein Wolf kürzlich einen Familienhund getötet. Wie gross ist die Gefahr für Schweizer Familienhunde? Nau.ch hat bei Experten nachgefragt.

Wolf
In Italien tötete ein Wolf kürzlich einen Familienhund. Ist das auch in der Schweiz denkbar? - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Wolf hat in Italien vor rund einem Monat einen Familienhund getötet.
  • Auch in der Schweiz können solche Angriffe nicht ausgeschlossen werden.
  • Nau.ch hat bei Experten nachgefragt, wie gross die Gefahr in der Schweiz ist.

Ende Juli sorgte ein Wolfsangriff aus Italien für Aufsehen. Während eines Grillabends sei ein Wolf durch ein offenes Tor in den Innenhof eines Bauernhauses gelangt. In der Folge habe der Wolf den Familienhund der Bewohner des Hauses getötet.

In der Schweiz gab es in der Vergangenheit bereits ähnliche Fälle, so beispielsweise Ende 2023 im Graubünden. Damals wurde ein entlaufener Familienhund von einem Wolf getötet, wie das kantonale Amt für Jagd und Fischerei bestätigt.

Während Angriffe auf Herdenschutzhunde mehr oder weniger regelmässig vorkommen, sind Familienhunde nur in Einzelfällen betroffen. Könnte sich das bald ändern?

Arno Puorger vom kantonalen Amt für Jagd und Fischerei im Graubünden sagt: «Dass Wölfe auch Haushunde angreifen können, ist grundsätzlich keine neue Erkenntnis.»

Hat es in der Schweiz Platz für den Wolf?

Der Fall aus 2023 ist der bisher einzige bestätigte Fall, so Puorger. Um weitere Fälle zu vermeiden, rät das Amt, Hunde unter persönlicher Kontrolle zu halten und im Zweifel anzuleinen.

Bündner Bauernverband kennt das Problem

Auch Sandro Michael vom Bauernverband des Kantons Graubünden kennt das Problem: «Wir erhalten zunehmend Rückmeldungen von Landwirten, dass Wölfe ihre Scheu gegenüber menschlichen Siedlungen und entsprechend auch Hunden verlieren.»

Dabei müsse jedoch zwischen Einzelfällen und einer generellen Verhaltensänderung unterschieden werden. «Mit der zunehmenden Wolfspopulation steigt zwangsläufig auch die Wahrscheinlichkeit von Begegnungen mit Hunden», so Michael.

Akzeptanz des Wolfes könnte abnehmen

Bereits jetzt ist der Wolf gemäss einer Umfrage der Bündner Zeitung «Südostschweiz» Sorge Nr. 1 der Bündnerinnen und Bündner.

Laut Sandro Michael könnte die Akzeptanz des Wolfes zusätzlich belastet werden. Dies, sofern «die Sorge entsteht, dass Spaziergänge oder Wanderungen mit dem Hund nicht mehr unbeschwert möglich sind.»

Im Tessin verschwinden Familienhunde

Auch beim Tessiner Bauernverband kennt man das Problem, wie Sem Genini bestätigt: «Ab und zu passierte es, dass Familienhunde im Wald einfach verschwinden und man weiss nicht, warum.»

Zu Beginn des Jahres sei in Sessa TI zudem eine Person von einem Wolf angegriffen worden. Sie sei gerade im Wald mit dem Hund am Spazieren gewesen. «Dieser Wolf wurde dann zum Abschuss freigegeben, weil er zu aggressiv war», so Genini.

Wolf
Ein Wolf, der im Tessin einen Menschen angegriffen haben soll, wurde laut dem Bauernverband zum Abschuss freigegeben. - keystone

Er sagt, in Italien seien Hunderte von Fällen bekannt, wo Wölfe Hunde angegriffen und dann auch getötet haben. Die Wölfe seien frecher geworden. Sie «müssen essen und greifen an, was sie finden», so Genini.

«Es ist Zeit, von der Ideologie zur Realität zu wechseln»

Es bestehe definitiv Handlungsbedarf: «Es ist Zeit, von der Ideologie zur Realität zu wechseln und endlich gegen den Wolf zu handeln.»

Anders sieht es David Gerke von der Gruppe Wolf Schweiz.

Er findet, die Verantwortung liege bei den Hundehaltern: «Es gibt in der Schweiz 450'000 Personen, die Hunde halten. Diese Personen müssen wissen, wie sie sich mit ihrem Hund im Wolfsgebiet verhalten»

Wer ist dafür verantwortlich, dass der Wolf keine Hunde angreift?

Mit dem richtigen Verhalten sei ein sorgenfreier Hundespaziergang in der Natur weiterhin möglich.

Das Verhalten von Wölfen habe sich diesbezüglich nicht verändert: «Dass freilaufende Hunde ohne Begleitung von Menschen als Eindringlinge betrachtet werden können, ist weder neu noch unnatürlich.»

Es hänge damit zusammen, dass Wölfe und Hunde zur selben Tierart gehören: «Wolfsrudel sind territorial und verteidigen ihr Revier gegen Artgenossen, weshalb Hunde als Eindringlinge wahrgenommen werden können», sagt Gerke.

Kommentare

User #6070 (nicht angemeldet)

Das ist der Lacher am Morgen: "Schweizer Familienhunde".

User #3043 (nicht angemeldet)

Hier im Wallis haben wir genug vom Wolf! Es gibt nur eine Lösung. Die totale Ausrottung!

Weiterlesen

Wolf
52 Interaktionen
Nutztiere gerissen
Wolf
227 Interaktionen
Dank Abschüssen?
Wolf Schwyz
51 Interaktionen
Fünf Welpen
Weiterbildung
1 Interaktionen
Weiterbildung

MEHR AUS GRAUBüNDEN

Alpabzug Wochenende
Flims
Domat/Ems
Feuerverbot
Scuol GR