Bis Anfang der 1980er-Jahre wurden Menschen gegen ihren Willen in die Zwangsarbeitsanstalt Gmünden interniert. Nun wurden Ergebnisse einer Studie präsentiert.
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Justitia - AFP/Archiv

Das Wichtigste in Kürze

  • Bis Anfang der 1980er wurden Personen in die Zwangsarbeitsanstalt Gmünden interniert.
  • Dies gegen ihren Willen.
  • Nun wurden Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie präsentiert.

In der ehemaligen Zwangsarbeitsanstalt Gmünden in Niederteufen AR sind bis Anfang der 1980er-Jahre 1252 Personen interniert worden. Darunter auch Frauen und Jugendliche, gegen ihren Willen. Am Freitag präsentierte der Kanton die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie.

Im Rahmen der politischen Aufarbeitung der sogenannten «fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen» wurde der Bund gesetzlich zur Aufarbeitung verpflichtet. Betroffene haben Anrecht auf einen Solidaritätsbeitrag als Zeichen der Anerkennung des zugefügten Unrechts.

Zeugen gesucht

Der Ausserrhoder Regierungsrat beauftragte die Beratungsstelle für Landesgeschichte (BLG) mit einem Forschungsprojekt. Dies um die Geschichte der ehemaligen kantonalen Zwangsarbeitsanstalt Gmünden wissenschaftlich aufzuarbeiten. Es wurden auch Zeitzeugen gesucht. Solche, die vor 1981 in der heutigen Strafanstalt arbeiteten, dort untergebracht waren oder mit der Institution zu tun hatten.

1884 nahm die Zwangsarbeits- und Strafanstalt Gmünden in Appenzell Ausserrhoden ihren Betrieb auf. Eingesperrt wurden hier gerichtlich Verurteilte und Personen, die ihre Bussen nicht bezahlen konnten.

In erster Linie war Gmünden jedoch für die administrative Versorgung von «liederlichen» und «arbeitsscheuen» Menschen bestimmt. Solche die der kommunalen Armenfürsorge «zur Last» fielen oder in den Armenhäusern «die Ordnung störten». Dies schreiben die Autorinnen und Autoren in der 357-seitigen Studie «Versorgt in Gmünden».

Administrative Einweisungen

Bis ins Jahr 1976 wurden in Gmünden insgesamt 1252 Menschen administrativ eingewiesen. Über die Hälfte (669) stammte aus dem Kanton Appenzell Ausserrhoden. Rund 200 Personen waren jünger als 20 Jahre, 120 Einweisungen betrafen Frauen.

Wer in Gmünden administrativ interniert wurde, büsste seine Freiheit für bis zu drei Jahre ein. Viele wurden zwei- oder mehrmals eingewiesen.

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Lebenslange Haft in Frankfurter IS-Prozess. (Symbolbild) - Pixabay

Zwar verzichtete der beschlussfassende Regierungsrat seit 1969 auf administrative Einweisungen von Kantonsbürgern, gestattete aber weiterhin administrative Versorgungen von Auswärtigen. Die administrative Versorgung als solche sei in Appenzell Ausserrhoden kaum umstritten gewesen. Kritische Stimmen hätten sich meist mit dem Regime im Innern der Anstalt befasst, heisst es weiter.

Die Akten zu Gmünden im Ausserrhoder Staatsarchiv geben laut den Autorinnen und Autoren überwiegend die Sicht der Anstalt wieder. Um den «Kosmos Gmünden» fassbarer zu machen, befragten die Macher der Studie auch einige Zeitzeugen. Wie zum Beispiel ehemalige Aufseher, Behördenmitglieder oder Seelsorger. Von den einst in Gmünden Internierten habe sich niemand auf den breit gestreuten Aufruf gemeldet.

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