Weil Stadt sinkt: Forscher denken schon an Verlagerung von Venedig
Die beliebte italienische Lagunenstadt Venedig sinkt. Forschende prüfen deshalb die kostspielige Verlagerung einzelner Bauten und Bereiche.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Stadt Venedig sinkt wegen des steigenden Meeresspiegels.
- Nun prüfen Forschende unter anderem die Verlagerung von Teilen der Stadt.
- Die Option wäre mit hohen Kosten und einschneidenden Folgen verbunden.
Venedig sinkt. Das ist längst kein Geheimnis mehr. Die weltberühmte Lagunenstadt kämpft seit Jahren mit einem steigenden Meeresspiegel. Zusätzlich sinkt der Boden immer weiter ab.
Um die Stadt vor Überschwemmungen zu schützen, wurde 2022 das Sperrwerk «MOSE» errichtet. Dabei handelt es sich um bewegliche Barrieren am Eingang der Lagune.
Droht Hochwasser, werden die Tore angehoben und blockieren das Wasser, bevor es in die Stadt gelangt.
Doch das System stösst zunehmend an seine funktionalen Grenzen. Das zeigt eine Studie, die in der Fachzeitschrift «Scientific Reports» veröffentlicht wurde.
Ein internationales Forschungsteam bringt deshalb sogar eine drastische Option ins Spiel: Die Verlagerung von Teilen der Stadt.
«Verlagerung von Teilen der Stadt ist technisch möglich»
Einzelne Gebäude oder besonders gefährdete Bereiche würden demnach an andere Orte gebracht werden. «Die Verlagerung von Teilen der Stadt ist technisch möglich, aber nur als äusserste Option denkbar», schreiben die Forschenden.
Auch andere Massnahmen stehen zur Diskussion. Etwa Ringdeiche rund um die Stadt oder eine dauerhaft abgeschlossene Lagune. Ein Ringdeich ist eine Art Damm, der rund um ein Gebiet gebaut wird, damit kein Wasser eindringen kann.
Das heisst: Venedig würde stärker vom Meer getrennt. Das hätte weitreichende Folgen für Natur und Stadtbild.
Eines wird dabei klar: Eine perfekte Lösung gibt es nicht.
Jede Massnahme hätte einschneidende Konsequenzen. Entweder für die historischen Bauten oder für das Ökosystem der Lagune. Und auch finanziell wäre der Aufwand enorm.
«MOSE» kostete umgerechnet rund 5,5 Milliarden Franken. Eine Verlagerung einzelner Bauwerke könnte laut der Studie bis zu 92 Milliarden Franken verschlingen.
Barrieren behindern Schiffsverkehr
Ganz so weit ist es allerdings noch nicht. Die Forschenden gehen davon aus, dass sich die Lebensdauer von «MOSE» mit zusätzlichen Massnahmen verlängern lässt.
Doch ein zentrales Problem bleibt: Mit dem steigenden Meeresspiegel muss das System immer häufiger eingesetzt werden.
Das hat Folgen. Denn jede Schliessung der Barrieren greift in das empfindliche Gleichgewicht der Lagune ein.
Der Schiffsverkehr wird behindert, die Wasserqualität verändert sich. Auch die Technik wird stärker belastet.
Warum versinkt Venedig?
Die Ursachen für den langsamen Untergang der Stadt sind vielschichtig.
Venedig liegt nur knapp über dem Meeresspiegel. Besonders tief liegt der Markusplatz, der regelmässig überschwemmt wird. Gleichzeitig sinkt der Boden unter der Stadt weiter ab, derzeit um ein bis zwei Millimeter pro Jahr.
Das klingt nach wenig, verstärkt die Folgen des steigenden Meeresspiegels aber erheblich. Setzt sich diese Entwicklung fort, könnte Venedig schon ab dem Jahr 2300 versinken.

















