Wegen Trockenheit: Lebensmittel werden nächstes Jahr viel teurer
Die anhaltende Hitze führt zu dürren Feldern und schlechteren Ernten. Den Preis dafür zahlen die Konsumenten – allerdings nicht sofort.

Das Wichtigste in Kürze
- Schlechte Ernten verteuern Brot, Öl und Gemüse, aber erst mit monatelanger Verzögerung.
- Die «Klimaflation» könnte die Inflation bald stärker beeinflussen als der Nahostkrieg.
- Die Zentralbank sucht nach neuen Antworten auf häufigere klimabedingte Preisschübe.
Hitze und Trockenheit haben in diesem Sommer europaweit Spuren in der Landwirtschaft hinterlassen. Beim Getreide sind die Ernten rund 10 Prozent tiefer ausgefallen als im Vorjahr.
Werden Güter knapp, steigen die Preise – das ist ein wirtschaftliches Grundprinzip.

Olivenöl wurde nach der letzten Dürre in Spanien um 50 Prozent teurer. Kakao kostete nach einer Hitzewelle in Westafrika plötzlich 280 Prozent mehr. Diese Zahlen zeigen, wie stark Wetterextreme die Preise im Alltag beeinflussen können.
Erste Schätzungen zur Landwirtschaft in der Schweiz will das Bundesamt für Statistik im November veröffentlichen. Viele Ernten laufen noch oder stehen erst bevor.
Preisschub droht im nächsten Jahr
Die Auswirkungen auf die Preise im Laden spürt man deshalb nicht sofort. Es dauert meist einige Monate, bis sich schlechte Ernten auf die Preise für Brot, Speiseöl oder Gemüse auswirken.
Ökonom Tomas Dvorak vom Beratungsunternehmen Oxford Economics erklärt gegenüber SRF: «Was die Preise in diesem Jahr bestimmt, sind die Ereignisse des letzten Jahres.»

Noch zeigt sich ein gegenteiliger Effekt: Weil die Ernten 2025 vergleichsweise gut ausfielen, sinken die Preise für Kakao oder Kaffee derzeit sogar. Doch diese Entwicklung täuscht über die eigentliche Lage hinweg.
Experten rechnen spätestens im nächsten Jahr mit einem deutlichen Anstieg der Lebensmittelpreise.
Klimawandel belastet die gesamte Wirtschaft
Wie stark der Klimawandel die Preise in die Höhe treiben kann, zeigte der Rekord-Sommer 2022: Die Hitze liess die Nahrungsmittelinflation in Europa laut der Europäischen Zentralbank um 0,67 Prozentpunkte steigen. Das klingt nach wenig, ist wirtschaftlich jedoch eine erhebliche Belastung.
Klimawissenschaftler Max Kotz vom Supercomputing Center in Barcelona, einem Forschungszentrum für Klimafragen, erwartet für das kommende Jahr noch stärkere Effekte.

Er sagt gegenüber SRF: «Es ist wahrscheinlich, dass dieser Sommer ähnliche oder sogar etwas stärkere Auswirkungen haben wird.» Grund dafür seien die nochmals höheren Temperaturen.
Zentralbanken suchen nach neuen Antworten
Ökonom Dvorak geht noch weiter. Er rechnet damit, dass der Klimawandel die Inflation bald stärker antreibt als die wirtschaftlichen Folgen des Kriegs im Nahen Osten.
Die sogenannte «Klimaflation», also der klimabedingte Anstieg der Preise, wird zu einem eigenständigen Wirtschaftsfaktor.
Zentralbanken peilen meist rund zwei Prozent Inflation an. Wenn allein die Klimaflation bereits 0,67 Prozentpunkte ausmacht, gerät dieses Ziel unter Druck. Die Geldpolitik steht vor neuen Herausforderungen.
Bisher stuften Notenbanken klimabedingte Preisschübe bei Lebensmitteln als vorübergehend ein. Doch mit häufigeren und heftigeren Extremwetterereignissen reicht das nicht mehr – neue Instrumente werden nötig.

















