Wegen Sonnencreme: Forscherinnen fordern Badeverbot in Bergseen
Am Blauen See von Arolla steigen trotz Warnung viele ins Wasser. UV-Filter aus Sonnencremes können empfindliche Ökosysteme schädigen.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Blaue See von Arolla lockt viele Badende an, obwohl davon abgeraten wird.
- Sonnencremes bringen problematische UV-Filter in empfindliche Bergseen.
- Fachleute empfehlen Badeverbote, klare Regeln und weniger belastende Cremes.
Der Blaue See von Arolla im Wallis zieht an Hitzetagen Hunderte Ausflügler an. Viele baden im türkisfarbenen Bergsee auf 2090 Metern Höhe, obwohl das Tourismusbüro des Val d’Hérens davon abrät.
Es bittet darum, nicht im See zu baden, um Fauna, Flora und Wasserqualität zu schützen.
Fachleute des Schweizer Zentrums für angewandte Ökotoxikologie Ecotox gehen noch weiter: Sie halten ein Badeverbot in alpinen Seen aus Sicht der Bergsee-Ökosysteme für die beste Lösung, wie die Zeitung «La Liberté» berichtet.
Das Problem sind Sonnenschutzmittel. Wer mit Sonnencreme ins Wasser steigt, bringt chemische Stoffe in empfindliche Ökosysteme.
«Die am häufigsten genannten problematischen Inhaltsstoffe sind chemische UV-Filter», sagt Nathalie Chèvre, Ökotoxikologin an der Universität Lausanne. Einige stünden im Verdacht, hormonaktive Stoffe zu sein, etwa Octocrylen.
UV-Filter gelangen in Schweizer Seen
Cornelia Kienle und Alexandra Kroll, Expertinnen am Ecotox-Zentrum in Dübendorf, haben mehrere Schweizer Badeseen untersucht. Im Geschinersee im Wallis wurden 2022 sieben organische UV-Filter nachgewiesen, darunter Benzophenon-3 und Octocrylen.
Die Konzentrationen lagen laut den Expertinnen teilweise bei bis zu 800 Nanogramm pro Liter. Schädliche Effekte auf Wasserorganismen könnten deshalb nicht ausgeschlossen werden.
In der Schweiz sind rund 30 UV-Filter zugelassen, die für Wasserorganismen problematisch sein können. Studien zeigen mögliche Folgen für Algen, Muscheln, Korallen und Fische. Bei Fischen können solche Stoffe etwa Fortpflanzungsfunktionen stören.
Bergseen reagieren besonders empfindlich
Besonders verletzlich sind Bergseen. Sie sind kalt, biologisch wenig produktiv und ihr Wasser erneuert sich teils nur langsam.
Elodie Zanini vom Walliser Dienst für Umwelt sagt deshalb, jede Einleitung fremder Stoffe in solche Gewässer verdiene besondere Aufmerksamkeit.
Kienle und Kroll betonen ebenfalls: In Bergseen könnten schon wenige Besucherinnen und Besucher einen Einfluss haben, weil der Wasseraustausch relativ gering sei.
Wie gross das Problem in den Walliser Bergseen ist, weiss man nicht genau. Der Kanton misst diese Stoffe dort nicht systematisch.
Viele Badende erhöhen die Belastung
Studien in der Schweiz zeigen aber, dass Sonnenschutzmittel in Seen nachweisbar sind. Im Geschinersee im Wallis stiegen die Konzentrationen bestimmter UV-Filter im Lauf des Tages mit der Zahl der Badenden an.
Denn: Je mehr Menschen baden, desto mehr Rückstände von Sonnencreme gelangen ins Wasser. Entscheidend sind laut Kienle und Kroll auch die Aufenthaltsdauer im Wasser sowie die Menge und Frische der aufgetragenen Sonnencreme.
Auch im Greifensee im Kanton Zürich und in anderen Schweizer Gewässern wurden solche Stoffe gefunden, schreibt «La Liberté» weiter. Besonders fettlösliche UV-Filter wie Octocrylen können sich an der Wasseroberfläche und in Sedimenten anreichern.
Untersuchungen im Sommer 2024 zeigten: Im Greifen- und im Crestasee lagen die Werte von 2-Ethylhexylsalicylat und Octocrylen teils deutlich über vorläufigen Umweltqualitätskriterien.
Die Stoffe können sich in Sedimenten anreichern und langfristig Organismen schädigen.
Mineralische Sonnencremes können helfen
Falls ein Badeverbot nicht möglich ist, empfehlen die Ecotox-Expertinnen klare Regeln und bessere Sensibilisierung der Besucherinnen und Besucher.
Zudem sollten mineralische Sonnencremes ohne Nanomaterialien verwendet werden. Auch eine Regulierung besonders problematischer Inhaltsstoffe könne helfen..















