150 Lehrlinge in Bern bangen jetzt um ihre Stelle
Aus finanziellen Gründen muss die BiCT AG wohl schliessen. Die betroffenen Lernenden sollen an andere Firmen vermittelt werden.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Berner Berufsbildungs-Betrieb BiCT AG ist in finanzieller Schieflage. Über 150 Lernende sind betroffen.
- Bildungsdirektor Reto Müller vermittelt und hat die Informatik-Branche informiert.
- Gegenüber Nau.ch spricht der Geschäftsführer von einer «voraussichtlichen Schliessung».
Die private Berufsbildungsinstitution BiCT AG bietet Lehren in Informatik EFZ und Mediamatik EFZ an, sowie ein 10. ICT-Schuljahr. Ein in den letzten Jahren gefragter und stark gewachsener Berufszweig.
Doch nun müssen 135 Lehrlinge und 24 Personen in einer Ausbildungssituation um ihre Lehrstellen bangen. Dies geht aus einem Nau.ch vorliegenden Informationsschreiben an die Lernenden und deren Eltern hervor.
Prekäre finanzielle Situation
Darin schreibt BiCT-Geschäftsführer Armin Wyss: «Die BiCT AG befindet sich seit Monaten in einer wirtschaftlich anspruchsvollen Phase.» Lies: Es fehlt das Geld.
Auf Anfrage bestätigt Wyss: Er rechnet mit der «voraussichtlichen Schliessung des Bildungsanbieters BiCT AG».

Denn trotz zahlreicher eingeleiteter Massnahmen sei es bisher nicht gelungen, die finanzielle Situation nachhaltig zu stabilisieren. Offenbar bestehen die finanziellen Probleme schon seit mindestens Anfang Jahr. Wyss begrüsst gegenüber Nau.ch das Engagement des Kantons bei der Suche nach Lösungen für die Lernenden.
Corona und KI als Auslöser
Zu den Ausbildungspartnern der BiCT gehören die Postfinance, die Grossmolkerei Emmi, der Schweizerische Fussballverband und die Gewerkschaft Unia. Aber auch Informatik-KMUs, der Kursaal Bern, der Bund und die Stadt Thun gehören dazu. Sie profitieren davon, dass Informatik- und Mediamatik-Lernende bei BiCT die Basislehrjahre absolvieren konnten.
Armin Wyss führt eine Kombination von Gründen für die finanziellen Nöte der BiCT AG an. Zunächst habe man in der Corona-Zeit einige Praktikums-Betriebe entlastet, indem die Lernenden wieder in die BiCT integriert wurden. Sie konnten dann inhouse ausgebildet werden. Ein Corona-Kredit habe dabei geholfen, doch stehe dieser seitdem zur Abzahlung in der Buchhaltung.

Die Nachfrage nach dem BiCT-Basislehrjahr Informatik sei dann stark rückläufig gewesen und man habe es 2026 gar nicht mehr angeboten. Die Vermittlung der Lernenden an die Ausbildungspartner sei unter anderem wegen KI vollständig eingebrochen.
Nicht geholfen haben schliesslich auch der Wegfall eines Kurs-Mandats und die Sparmassnahmen, unter anderem beim Bund und der Post.
Kanton: «Sanierung ist ausgeschlossen»
Die Bildungs- und Kulturdirektion (BKD) von Regierungsrat Reto Müller bestätigt auf Anfrage: Ein erstes Gespräch habe stattgefunden. «Im Rahmen des runden Tischs wurden die jeweiligen Unterstützungsmöglichkeiten der Teilnehmenden diskutiert und gemeinsam die nächsten Schritte festgelegt.»

Aus den Antworten von Kommunikationschef Yves Brechbühler lässt sich aber auch schliessen: Man rechnet eher nicht mit einer «Rettung» der BiCT AG. «Für alle Teilnehmenden steht das Bestreben im Vordergrund, möglichst rasch tragfähige Anschlusslösungen für die Lernenden zu finden», so Brechbühler. Also ausserhalb der BiCT-Strukturen.
Denn: «Es gibt keine Vereinbarung zwischen dem Kanton und der BiCT AG. Die Sanierung eines Unternehmens von Seiten Kanton ist gemäss Wirtschaftsförderungsgesetz explizit ausgeschlossen.»
Lernende sollen bei anderen Betrieben unterkommen
Andere Pflichten hat der Kanton aber sehr wohl. Verantwortlich ist gemäss der Verordnung über die Berufsbildung, die Weiterbildung und die Berufsberatung das Mittelschul- und Berufsbildungsamt (MBA).
Dieses ist unter anderem zuständig für: «die Ergreifung von Massnahmen bei Schliessung von Lehrbetrieben, bei Mängeln im Lehrbetrieb oder wenn der Bildungserfolg in Frage gestellt ist.»
Ein nächster runder Tisch soll gemäss Armin Wyss noch Ende August stattfinden.
Potenzielle Mediamatik- und Informatik-Lehrbetriebe seien um ihre Unterstützung gebeten worden: Sie sollen BiCT-Lernende im 3. und 4. Lehrjahr übernehmen und ihnen die Fortsetzung ihrer Ausbildung ermöglichen.
«Die betroffenen Lernenden verfügen bereits über eine solide fachliche Vorbildung», so Wyss. «Sie können rasch produktiv eingesetzt werden.»
Für die beiden anderen Jahrgänge gibt sich Wyss ebenfalls zuversichtlich. «Mit all diesen vereinten, beispielhaften Bemühungen haben sich bis mittlerweile hoffnungsvolle Lösungsansätze mit einem Konstrukt zur Übernahme der Mediamatik-Lernenden des 1. und 2. Lehrjahres abgezeichnet.»
Im September sollen die Lernenden und ihre Eltern im Rahmen einer Informationsveranstaltung über die erarbeiteten Lösungen informiert werden.








