Wegen Aggro-Passagieren: SBB schult jetzt Pendler
Ein Schuss in einem BLS-Zug, Aggressionen gegen das Bahnpersonal: Die Gewalt im öffentlichen Verkehr nimmt zu. Jetzt reagiert die SBB mit einem Erklärvideo.
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Das Wichtigste in Kürze
- Die Gewalt und Aggression im öffentlichen Verkehr nimmt zu.
- Nun sensibilisiert die SBB Passagiere mit einem Erklärvideo für den Ernstfall.
- Dass man als Fahrgast erstarre, sei in solchen Situationen normal.
Im öffentlichen Verkehr der Schweiz wird das Personal immer häufiger Ziel von Aggressionen. Beschimpfungen, Drohungen oder Schubser gehören für viele Mitarbeitende inzwischen zum Arbeitsalltag.
Wie die SBB Nau.ch mitteilt, kommt es täglich durchschnittlich zu rund zehn verbalen oder physischen Aggressionen gegen SBB-Personal.

Sprecherin Carmen Hefti sagt: «Die Anzahl solcher Vorfälle ist in den letzten Jahren zwar stabil geblieben; einzelne Vorfälle sind jedoch gröber geworden.»
Eine zunehmende Eskalation beobachtet auch die BLS. Zwar bewege sich die Zahl der Tätlichkeiten gegen das Personal seit mehreren Jahren auf einem ähnlichen Niveau.
«Zugenommen haben jedoch Beschimpfungen und Drohungen», sagte Mediensprecher Stefan Locher im Februar. Gleichzeitig würden die Vorfälle immer heftiger.
Mann gibt in BLS-Zug Schuss ab
Wie schnell die Lage ausser Kontrolle geraten kann, zeigt ein Vorfall vom vergangenen Samstag: In einem BLS-Zug zwischen Hasle-Rüegsau und Burgdorf BE eskalierte ein Streit derart, dass ein Mann eine Schusswaffe zog.
Dabei blieb es nicht: Der junge Mann gab einen Schuss in den Boden ab, wie die Kantonspolizei Bern am Wochenende mitteilte.
Zunächst soll es lediglich zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen sein. Einer der Beteiligten setzte anschliessend Pfefferspray ein, worauf ihn sein Gegenüber mutmasslich mit einem Messer bedrohte. Schliesslich fiel der Schuss.
Wie muss man sich als Fahrgast verhalten?
Solche Eskalationen beschäftigen die SBB. Das Bahnunternehmen erklärt Fahrgästen nun sogar in einem Video, wie sie sich verhalten sollen, wenn ein Mitreisender ausser Kontrolle gerät.
«Wir haben natürlich auch im öffentlichen Verkehr Menschen, die sich nicht spüren», sagt Chantal von der Transportpolizei im Video. Man unterscheide dabei zwischen verbaler und nonverbaler Aggression.
Manchmal reiche es schon, wenn man «Hey, Polizei» rufe. «In anderen Fällen muss man reingehen, die Leute auseinandernehmen, also voneinander trennen», erklärt die Polizistin.
Transportpolizei: Erstarren ist normal
Doch wie sollten sich Fahrgäste verhalten, wenn eine Situation eskaliert? Entscheidend sei, sich zunächst selbst in Sicherheit zu bringen, erklärt Chantal. Auch dass Menschen in einer solchen Situation erstarren, sei völlig normal.
«Man sollte versuchen sich zu entfernen und anschliessend die Polizei rufen», lautet die Empfehlung der Transportpolizei. Ob dafür die Notrufnummer der Transportpolizei (0800 117 117) oder jene der Polizei (117) gewählt werde, spiele keine Rolle.
Die Nummer der Transportpolizei, die auch in den Zügen vermerkt ist, verbinde Fahrgäste jedoch direkt mit der Einsatzzentrale. Diese könne den betroffenen Zug sofort lokalisieren.
«Wir verweisen auch immer gerne auf den Notfallknopf», sagt Chantal. Dieser verbinde den Fahrgast direkt mit der Einsatzleitzentrale der Transportpolizei.

Im Zweifelsfall gelte: «Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig anrufen.»
Kamerabilder werden 100 Tage sichergestellt
Eine wichtige Rolle spielt im Ernstfall auch die Beweissicherung. Im Informationsvideo weist die Transportpolizei auf die Überwachungskameras in den Zügen hin.
Nach einem Zwischenfall würden die Aufnahmen gesichert und ausgewertet. «Die Kamerabilder sind etwa 100 Tage bei der SBB sichergestellt», hält die Polizistin fest.

Zusätzlich zeichne auch die Bodycam der Transportpolizei wichtiges Bildmaterial auf. Gewalt und Aggression nähmen auch gegenüber dem Kundenpersonal zu, betont Chantal. Dabei handle es sich um Offizialdelikte, die von Amtes wegen verfolgt würden.
Wer eine Auseinandersetzung auf einem Perron beobachte, solle die Polizei deshalb möglichst rasch informieren. Auch dort könnten Kamerabilder entscheidend sein. «Je schneller das Material gesichert werden kann, desto besser», so die Transportpolizei.

















