Kontrolleur totgeprügelt: «Kann sich auch in der Schweiz ereignen»
In einem Regionalzug wurde ein Kondukteur der Deutschen Bahn totgeprügelt. Auch in der Schweiz leidet das Zugpersonal unter aggressiven Fahrgästen.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Kondukteur in Deutschland wurde von einem Fahrgast getötet.
- Der brutale Angriff ist kein Einzelfall.
- Aggressionen gegen Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter sind an der Tagesordnung.
- Der Personalverband transfair fordert Massnahmen.
Der alleinerziehende Familienvater Serkan C. wurde nur 36 Jahre alt. Der mutmassliche Täter hat dem Kondukteur am Montagabend in einem deutschen Regionalzug mehrmals heftig gegen den Kopf geschlagen.
Noch am Tatort musste Serkan C. reanimiert werden. Am Mittwoch starb der Mann schliesslich an einer Hirnblutung im Spital in Homburg, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.
Gewalt ist weitverbreitet
Der brutale Angriff ist kein Einzelfall. «Eine solche Tat kann sich leider überall ereignen, auch in der Schweiz», sagt Bruno Zeller. Er ist Branchenleiter Öffentlicher Verkehr vom Personalverband transfair.
So sind Gewalt und Aggressionen gegen Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter hierzulande an der Tagesordnung. «Täglich kommt es im Durchschnitt zu rund zehn verbalen oder physischen Aggressionen gegen Personal der SBB.» Das sagt Mediensprecher Reto Schärli gegenüber Nau.ch.
Bei 1,39 Millionen Reisenden täglich ergibt dies rund 3600 Fälle pro Jahr. Und Besserung ist nicht in Sicht – im Gegenteil. Aggressionen werden im Einzelfall gröber, erklärt Schärli weiter.
«Bedenkliche Entwicklung»
Diese Gewalteskalation beobachtet auch die BLS. Zwar bewegen sich Tätlichkeiten gegen das Personal seit mehreren Jahren auf gleichem Niveau.
«Zugenommen haben jedoch Beschimpfungen und Drohungen», sagt Mediensprecher Stefan Locher. Zudem werden die Vorfälle immer heftiger – ähnlich wie bei der SBB.
«Das ist eine bedenkliche Entwicklung», analysiert Locher. Darum hat die BLS reagiert – etwa mit Kursen zur Gewaltprävention oder grösseren Kontrollteams. «Zu Randzeiten oder bei besonderen Anlässen wird das Personal teilweise vom BLS-Sicherheitsdienst begleitet», ergänzt Locher.
Immer mehr Videoüberwachung
Sowohl die SBB als auch die BLS setzen bei der Bewältigung des Aggressionsproblems unter anderem auf technische Hilfsmittel. Ältere Züge werden etwa vermehrt mit Videotechnik nachgerüstet.
Bei den Schweizerischen Bundesbahnen trägt das Sicherheitspersonal zudem seit Herbst 2024 Bodycams. Die BLS prüft aktuell deren Einsatz beim Sicherheitsdienst.
Wegen fehlender Rechtsgrundlagen können Kundenbegleiterinnen und Kundenbegleiter selbst noch keine Kameras auf sich tragen.
Für den Personalverband transfair steht fest: Es braucht dringend weitere Massnahmen. Zeller sagt: «Es sollte dem Bund und den Kantonen als Besteller des ÖV nun wirklich klar sein, dass sie für die Sicherheit im ÖV den Transportunternehmen finanzielle Mittel zur Verfügung stellen müssen.»












