Was ist ein Schweizer? «Schweizermacher» kommen nach Buchs
Der Theatervirus Buchs bringt «Die Schweizermacher» auf die Bühne. Die Frage, was «Schweizersein» eigentlich bedeutet, beschäftigt die Gesellschaft bis heute.

Im Mittelpunkt von «Die Schweizermacher» stehen mehrere Personen, die das Schweizer Bürgerrecht erwerben möchten: der deutsche Psychiater Dr. Helmut Starke mit seiner Frau Gertrud, der italienische Fabrikarbeiter Francesco Grimolli sowie die in der Schweiz geborene Tänzerin Milena Vakulic mit jugoslawischer Staatsbürgerschaft.
Über ihre Einbürgerung entscheiden der strenge Beamte Max Bodmer und sein neuer Assistent Moritz Fischer. Während die Bewerber observiert und auf ihre «Schweizertauglichkeit» geprüft werden, stellt sich zunehmend die Frage, wer eigentlich festlegt, was einen echten Schweizer ausmacht.
Herausforderung für die Inszenierung
Regisseur Jörg Bohn führt nach der grossartigen Zusammenarbeit mit dem Buchser Ensemble im Jahr 2024 bereits zum zweiten Mal Regie. Die Theaterfassung basiert auf dem Musical von 2010, das wiederum auf dem Film von 1978 beruht.

Gegenüber dem Film ist die Bühnenversion kompakter und verdichteter, die zahlreichen Schauplätze sind jedoch erhalten geblieben. Gerade die vielen Ortswechsel stellten das Produktionsteam vor Herausforderungen.
Wie diese gelöst wurden, möchte Bohn allerdings nicht verraten – das Publikum soll sich überraschen lassen. Besonders gereizt habe ihn neben dem Stück selbst die erneute Zusammenarbeit mit dem engagierten Ensemble.
Da er die Schauspielenden bereits kannte, sei die Rollenverteilung vergleichsweise einfach gewesen.
Zwischen Nostalgie und Gegenwart
Optisch wird das Publikum in die 1970er-Jahre zurückversetzt. Kostüme und Requisiten orientieren sich konsequent an dieser Zeit. Das Bühnenbild hingegen bleibt bewusst neutral und schlägt so eine Brücke zur Gegenwart.
Die Inszenierung verbindet Komödie mit gesellschaftlicher Reflexion und erzählt ein ernstes Thema auf humorvolle Weise. Wie schon im Film sind die Figuren leicht überzeichnet, was den satirischen Charakter zusätzlich unterstreicht.
Ein besonderes Element ist die Musik von Fredi Spreng. Passend zur Herkunft der Einbürgerungswilligen erklingen verschiedene Melodien aus Deutschland, Italien und dem ehemaligen Jugoslawien.
Sie spiegeln die Sehnsucht nach der Heimat wider und sorgen gleichzeitig für authentische 70er-Jahre-Atmosphäre. Spreng begleitet die Aufführung unter anderem auf einer originalen Farfisa-Orgel aus dem Jahr 1972 sowie auf der Handorgel.
Grosses Ensemble mit neuen Gesichtern
Nach dem Erfolg der letzten Produktion konnte der Verein vier neue Mitglieder gewinnen. Besonders erfreulich ist laut Co-Präsidentin Katja Stocker die Besetzung der Rolle des italienischen Fabrikarbeiters Francesco Grimolli mit einem italienischen Darsteller, welcher der Figur zusätzliche Authentizität verleiht.
Erstmals wirken zudem auch Kinder in der Produktion mit. Das grosse Ensemble stellt zwar organisatorisch eine Herausforderung dar, bietet aber auch Vorteile.

So können sämtliche Rollen passend besetzt werden, ohne dass einzelne Darstellende mehrere Figuren übernehmen müssen – ein Umstand, der bei kleineren Theatergruppen oft unvermeidlich ist.
Kinoatmosphäre und Austausch erwünscht
Das Bühnenbild orientiert sich an einem Kino: Schwarze Rahmen und eine zentrale, «besondere» Leinwand prägen das Erscheinungsbild. Auf ihr werden Szenenbilder projiziert; zudem hält das Bühnenbild weitere Überraschungen bereit.
Dem Team ist es wichtig, dass das Publikum nicht nur lacht, sondern sich auch mit dem Thema Einbürgerung auseinandersetzt. Die Aufführung soll Gespräche anregen und zum Nachdenken über Zugehörigkeit, Identität und gesellschaftliche Vorurteile einladen.
Mehr als ein Theaterabend
Für Jörg Bohn und Katja Stocker gibt es viele Gründe, die Produktion nicht zu verpassen: ein humorvolles und zugleich tiefgründiges Stück, ein engagiertes Ensemble, stimmungsvolle Live-Musik und eine Inszenierung, die Unterhaltung mit gesellschaftlicher Relevanz verbindet.
Abgerundet wird der Theaterabend durch das Theaterbistro, das die Gäste mit Grillspezialitäten, einem Kuchenbuffet, Glace und verschiedenen Drinks verwöhnt.
Die Spieldaten von «Die Schweizermacher» in der Alten Turnhalle Buchs sind vom 4. bis 6. und vom 9. bis 12. September, jeweils um 20 Uhr (ausser 6. September, 16 Uhr).
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Aarauer Nachrichten» erschienen.












