Silvan Widmer: «…dann ist der FC Aarau vielleicht ein Thema»
Silvan Widmer zieht sich aus der Schweizer Nati zurück. Der 33-Jährige erklärt, wie und wieso es nach der WM 2026 zum Entscheid kam.

Das Wichtigste in Kürze
- Silvan Widmer tritt zwölf Jahre nach seinem Debüt aus der Schweizer Nati zurück.
- Er habe sich lange Gedanken gemacht, erklärt der 33-Jährige am Montagabend.
- Rückblickend denkt Widmer: Den WM-Viertelfinal gegen Argentinien hätte man ohne Rote Karte gewonnen.
Nach 65 Einsätzen für die Schweizer Nati ist Schluss: Silvan Widmer wird fortan nicht mehr für die Schweiz auflaufen. Der 33-Jährige Verteidiger gibt am Montag den Rücktritt aus dem Nationalteam bekannt.
«Der Entscheid kam nicht von heute auf morgen», sagt Widmer am Montagabend in einer Online-Medienkonferenz. Er habe sich nach der WM 2026 viele Gedanken gemacht und sich dann die Zeit genommen und «viele Gespräche geführt».
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«Besonders in Erinnerung bleiben für mich die letzten fünf oder sechs Jahre», sagt Widmer. Mit den vier grossen Turnieren (zweimal WM und zweimal EM) ging seine Nati-Karriere erst nach 2020 so richtig los. Seither habe es Erlebnisse gegeben, «die ich nie vergessen werde» – gerade auch die WM 2026.
Als die wohl beste Erinnerung bezeichnet Widmer den EM-Viertelfinal im Jahr 2021 gegen Frankreich, den die Nati im Penaltyschiessen gewann. Dieser und der Erfolg gegen Kolumbien seien «natürlich unvergesslich», liess sich Widmer schon in der offiziellen Mitteilung zitieren.

«Körper sendete mir gewisse Signale»
Nau.ch fragt den Aussenverteidiger: Wie schwer hast du dir den Entscheid gemacht? Und wie lief der Prozess ab?
«Zuerst habe ich mir ‹im stillen Kämmerli› Gedanken gemacht», verrät der 33-Jährige. Dann habe er mit seiner Frau und schliesslich auch mit Trainer Murat Yakin und Assistenztrainer Davide Callà gesprochen.
«Ich habe mir sehr viel Zeit genommen für diesen Entscheid», offenbart Widmer. Eine Zeit lang habe er nicht gewusst, in welche Richtung er gehen soll.
Das habe sich in den letzten Tagen geändert. «Der Körper sendete mir gewisse Signale», so Widmer. Ein paar Pausen mehr während der Saison täten ihm gut.
Mit der WM 2026 wählte Silvan Widmer nun die grösstmögliche Bühne als Abschied. Besser so, als wenn es plötzlich nicht mehr ins Team reicht?
«Solche Gedanken habe ich mir nicht gemacht», antwortet Widmer. Er werde die Nati-Kollegen künftig vermissen und auf die Zusammenzüge verzichten müssen. Beim Entscheid sei es aber auch darum gegangen, was das Beste für die kommenden Jahre und seine Karriere sei.

Einen Platz im Team hätte Silvan Widmer offenbar weiterhin gehabt. «Ich habe herausgespürt, dass das Interesse von ‹Muri› dagewesen war, mich auch künftig aufzubieten. Das hat mich emotional gemacht und bewegt», schildert Widmer.
Doch: Es sei trotzdem die Entscheidung gereift, «dass ich einen Schlussstrich ziehen will».

Seit der Bekanntgabe des Nati-Rücktritts am Vormittag hätten sich nun schon viele Nati-Kollegen gemeldet. «Das ist auch emotional, so viele Nachrichten zu erhalten», freut sich der Aussenverteidiger. Die Reaktionen seiner Ex-Mitspieler hätten bestätigt, «dass wir mehr als nur Teamkameraden sind – nämlich wirklich eine Familie.»
Auf die Frage, ob er jetzt aus dem Whatsapp-Teamchat gekickt werde, antwortet Widmer: «Das werden wir sehen. Ich nehme an, irgendwann werde ich aus dem Chat gekickt. Aber bis jetzt ist es noch nicht passiert», sagt Widmer lachend.
Es werde wegen der nächsten Zusammenzüge aber bald viel Organisatorisches besprochen. «Da habe ich dann irgendwann nichts mehr zu suchen».
Widmer auf Clubebene weiterhin ambitioniert
Nau.ch will vom Ex-Nati-Spieler wissen: Hätte die Nati an der WM die Argentinier rausgehauen, wenn man die Rote Karte nicht gekriegt hätte?
«Ich glaube fest, dass wir das Spiel gewonnen hätten, weil das Momentum auf unserer Seite war.» Mit hundertprozentiger Sicherheit könne er das aber nicht sagen.
Ob man gegen die Argentinier gar nicht hätte gewinnen «dürfen» – dazu will Widmer nichts sagen.

Ist eine Rückkehr zum FC Aarau in Zukunft ein Thema – etwa, um beim Aufstieg zu helfen?
«Mir blutet jedes Jahr das Herz, wenn sie knapp am Aufstieg vorbeischrammen», sagt Widmer. Aber: «Ich will auf höchstmöglichen Niveau Fussball spielen.»
Reiche es in der Bundesliga mal nicht mehr, müsse er sich überlegen, wo es weitergehe. «Dann ist der FC Aarau vielleicht ein Thema – mal schauen».

In Mainz wird Widmer vom Schweizer Urs Fischer trainiert. Nau.ch fragt: In welcher Sprache redet ihr im Club miteinander? Und was sind die Ziele für diese Saison?
«Wir sprechen Schweizerdeutsch, auch wenn wir etwas verheimlichen wollen, was sehr selten vorkommt», sagt Widmer schmunzelnd. Er habe auch mit Fischer über den Nati-Rücktritt gesprochen.
Für die Saison habe man das Ziel, «möglichst schnell nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Dann wollen wir eine erfolgreiche Saison spielen.» Wenn es für mehr reichen könnte, sprich einen Europa-Platz, «werden wir uns höhere Ziele setzen».
Debüt im Jahr 2014
Silvan Widmer erzielte in seiner Nati-Karriere fünf Tore und lieferte vier Vorlagen. Sein Debüt gab er im Oktober 2014 unter Vladimir Petkovic. Den letzten Einsatz im Schweizer Dress hatte Widmer im Viertelfinal der WM 2026 gegen Argentinien.
Das Turnier in den USA, Kanada und Mexiko war die vierte Endrunde des Aargauers.












