Wartete Nestlé mit dem Babynahrungs-Rückruf zu lange?
Anfang Januar rief Nestlé in der Schweiz Babynahrung wegen Gifts zurück. Nur: Der Konzern wusste schon viel länger über die Verunreinigung Bescheid.

Das Wichtigste in Kürze
- Nestlé muss wegen Giftstoffen in Babynahrung Produkte in 60 Ländern zurückrufen.
- Bescheid über das Gift wusste der Nahrungsmittelkonzern offenbar bereits im Dezember.
- Doch erst im Januar startete die grosse Rückrufaktion in den meisten Ländern.
Am Dienstag rief der Nahrungsmittelkonzern Nestlé in der Schweiz und Österreich Babynahrung zurück.
Der Grund: Eine Zutat eines Zulieferers enthält möglicherweise den Giftstoff Cereluid, welcher zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen kann.
Betroffen sind vom Rückruf 800 Produkte aus zehn Nestlé-Werken. Mittlerweile sind 60 Länder betroffen.
Doch es stellt sich die Frage: Blieben die Produkte möglicherweise unnötig lange auf dem Markt?
Nestlé wusste seit Dezember Bescheid
Fakt ist: Bereits im Dezember wurde Babynahrung in Frankreich, Spanien und Dänemark wegen Cereluid zurückgerufen. Es komme deshalb zu einem «vorsorglichen und proaktiven» Rückruf, hiess es damals.
Es handle sich um einen freiwilligen Rückruf in Zusammenarbeit mit den Behörden. Die Sicherheit der Babys habe für den Nahrungsmittelkonzern «oberste Priorität».
Das führte bei den österreichischen Behörden offenbar für Wachsamkeit, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Bei selbst durchgeführten Produkttests wurde der Giftstoff auch bei unserem östlichen Nachbarn nachgewiesen.
Davon hatte Nestlé bereits vor Weihnachten Kenntnis und führte einen stillen Rückruf durch. Die betroffenen Produkte wurden in Österreich aus den Regalen entfernt.
1,2 Milliarden Franken Kosten
Die Konsumentinnen und Konsumenten in anderen Ländern wurden jedoch nicht informiert. Das lässt die NGO «Foodwatch» auf den Plan treten.
Sie wirft Nestlé und auch den Behörden vor, die Öffentlichkeit wochenlang im Unklaren gelassen zu haben. Zudem fordert «Foodwatch» volle Transparenz.
Auch finanziell ist der Rückruf für Nestlé und seinen neuen CEO Philipp Navratil ein schwerer Schlag. Er könnte den Nahrungsmittelkonzern bis zu 1,2 Milliarden Franken Umsatz kosten, schreibt der «Tages-Anzeiger».















