Wallis

    Walliser Alpkäse droht wegen Hitze jetzt Label-Verlust

    Riccardo Schmidlin
    Riccardo Schmidlin

    Oberwallis,

    Bei der anhaltenden Hitze schwitzt nicht nur der Mensch, sondern auch der Alpkäse. Ohne Investitionen leidet die Qualität.

    Käse
    Die Qualität des Käses kann durch die Hitze beeinträchtigt werden. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Walliser Alpkäse braucht teure Kühlung, sonst droht der Verlust der AOP-Zertifizierung.
    • Die grösste Walliser Alp investierte fast 500'000 Franken in eine neue Befeuchtungsanlage.
    • Hitze und Trockenheit treiben auch die Futterpreise für Schweizer Bauern stark hoch.

    Die Temperaturen steigen und steigen – und das hat Folgen für den Walliser Alpkäse.

    Hitzewellen treffen die Käsebetriebe im Oberwallis gleich doppelt: Das Gras auf den Weiden leidet, und der Käse reift schlechter.

    Wer nicht investiert, riskiert die Qualität seines Produkts, berichtet der «Walliser Bote».

    Im schlimmsten Fall droht sogar der Verlust des Qualitäts-Labels AOP.

    Isst du gerne Walliser Bergkäse?

    Das steht für «Appellation d'Origine Protégée». Es garantiert, dass ein Produkt aus einer bestimmten Region stammt und nach traditionellen Methoden hergestellt wird.

    So war etwa bereits das AOP-Label des Alpkäses der Binneralp zeitweise in Gefahr, wie die Oberwalliser Zeitung berichtet. Die Binneralp ist die grösste Kuhalp im Kanton – deren Käse wurde zigfach goldprämiert.

    Walliser Alp investiert fast eine halbe Million Franken

    Um die Qualität weiterhin sicherstellen zu können, investierte die Alpgenossenschaft Binntal in eine neue Befeuchtungsanlage.

    Durch sie können im Käsekeller eine dauerhaft hohe Luftfeuchtigkeit sowie kühle Temperaturen sichergestellt werden.

    Doch das hat gekostet: Die Alpgenossenschaft steckte fast eine halbe Million Franken in das Projekt.

    «Die teure Investition war nötig. Sonst hätten wir heute grosse Probleme», sagt Präsident Theo Imhof dem «Walliser Boten».

    Steigen die Temperaturen, beginnt der Käse zu schwitzen

    Urs Guntern ist Direktor der Sortenorganisation Raclette du Valais AOP. Laut ihm haben viele Betriebe bereits in Isolation und Kühlanlagen investiert.

    Der Kanton Wallis unterstützt bauliche Sanierungen auch finanziell. Andere Betriebe hätten allerdings Nachholbedarf.

    Guntern warnt gegenüber der Zeitung: «Wer jetzt Probleme hat, sollte nicht warten, bis es zu spät ist.»

    Als kurzfristige Lösung können etwa mobile Kühlgeräte oder Wasserschläuche Abhilfe schaffen. Letzteres ist aber bei Trockenheit kritisch wegen des hohen Wasserverbrauchs.

    Genaue Zahlen zu Betrieben mit Nachholbedarf hat Guntern nicht. Das allgemeine Niveau im Kanton sei aber hoch. Trotz Klimawandel bleibe der Qualitätsanspruch kompromisslos hoch.

    Schweizer Bauern leiden unter Hitze

    Nicht nur Käseproduzenten leiden unter der Hitze.

    Die anhaltende Hitze und Trockenheit setzen der Schweizer Landwirtschaft zu. Besonders Ackerkulturen leiden. Bewässerung wird immer wichtiger.

    Im Wallis und im Mittelland fielen in den vergangenen drei Monaten vielerorts lediglich 45 bis 60 Prozent der üblichen Niederschlagsmenge. Gleichzeitig sind die Böden stark ausgetrocknet.

    Für die Bauern hat das direkte Folgen. «Der Einfluss einer anhaltenden Trockenheit auf die Landwirtschaft ist gross», erklärte der Schweizer Bauernverband auf Anfrage von Nau.ch.

    Vor allem Ackerkulturen wie Kartoffeln, Zuckerrüben, Sonnenblumen oder Brotweizen seien auf ausreichend Feuchtigkeit im Boden angewiesen.

    «Riesige Misere»: Preise von Futter für Rinder und Co. explodieren

    Und: Am Wochenende wurde bekannt, dass die Trockenheit auch auf dem Futtermarkt für Probleme sorgt.

    Ein Beispiel: Bodenheu kostete im vergangenen Winter pro 100 Kilogramm weniger als 25 Franken. Inzwischen bezahlt man jedoch bereits rund 35 Franken – ein Preisaufschlag von satten 40 Prozent.

    Futter
    Tierfutter wird wegen der anhaltenden Hitze und Trockenheit in der Schweiz immer teurer. - keystone

    Grund: Nicht nur die Schweiz kämpft mit Hitze und Trockenheit. Grosse Teile Westeuropas ächzen unter hohen Temperaturen und fehlendem Niederschlag.

    Futtermittelhändler Thomas Flury warnte im «Schweizer Bauer»: «Das gibt eine riesige Misere.» Er habe «Respekt und fast Angst» davor.

    Kommentare

    User #1746 (nicht angemeldet)

    Bin ich alleine, der es sieht? In fünf Stunden wird alles Kopf stehen.

    User #1746 (nicht angemeldet)

    Glaub mir, das Spiel mit der Angst kann ich. Warte.

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