Stadt Zürich

Uni Zürich verkauft einzelne Zigis – Kanton reagiert

Cheri Reinhardt
Cheri Reinhardt

Zürich,

Im «Café Complet» der UZH gibt es Zigaretten einzeln an der Kasse. Das ist verboten. Nach einer Anfrage von Nau.ch greift der Kanton ein.

Uni Zürich Complet
Im Café Complet der Universität Zürich werden Zigaretten einzeln für 50 Rappen verkauft. Der Einzelverkauf ist in der Schweiz verboten. - Nau.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • Im «Café Complet» der UZH wurden Einzelzigaretten für 50 Rappen verkauft.
  • Das BAG bestätigt: Der Einzelverkauf ist seit Oktober 2024 verboten.
  • Sonst drohen Bussen von bis zu 40'000 Franken.
  • Der Betreiber ZFV hat den Verkauf gestoppt, der Kanton untersucht den Fall.

In der Cafeteria «Café Complet» der Universität Zürich steht ein Glas an der Kasse. Darin: lose Zigaretten, 50 Rappen das Stück.

Als wären sie ein Snack. Wer will, nimmt sich eine Marlboro Gold zur Pause.

Dass das in der Schweiz seit Oktober 2024 verboten ist, hat den Café-Betreiber ZFV Unternehmungen offenbar bislang nicht gestört.

Uni Zürich Zigarette
Ein Kaffee, ein Mineralwasser und eine Zigi. Die Quittung für einen kleinen Snack. - Nau.ch

Nau.ch hat den Verkauf selbst getestet und dokumentiert. Die Quittung ist eindeutig: «Zigi (Stk.)», CHF 0.50. Das ist keine Schlamperei eines einzelnen Mitarbeitenden, jemand hat diese Taste bewusst ins Kassensystem eingegeben.

Bussen bis zu 40'000 Stutz drohen

Gemäss dem Tabakproduktegesetz dürfen Zigaretten in der Schweiz nur in vorverpackten Originalpackungen von mindestens 20 Stück verkauft werden. Das Bundesamt für Gesundheit bestätigt dies auf Anfrage von Nau.ch ausdrücklich. Bei Verstössen drohen Bussen bis zu 40'000 Franken.

Zigaretten einzeln kaufen für 50 Rappen – würdest du zugreifen?

Dabei ist der Einzelkauf nicht einmal ein Schnäppchen. Ein 20er-Päckli Marlboro Gold kostet in der Schweiz rund 9 Franken, also etwa 45 Rappen pro Zigarette.

Im «Café Complet» zahlt man 50 Rappen das Stück. Wer dort einzeln kauft, zahlt mehr als das reguläre Päckli. Illegal und trotzdem teurer.

Tiefer Preis, tiefer Einstieg

Warum der Gesetzgeber den Einzelverkauf überhaupt verboten hat, erklärt die Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention (AT) Schweiz auf Anfrage von Nau.ch.

Das Verbot diene dem Jugendschutz. Jugendliche seien besonders preissensibel. Je tiefer die Einstiegshürde, desto leichter falle der Einstieg in den Tabakkonsum. 50 Rappen sind eine tiefe Hürde, mitten auf einem Universitätscampus.

AT Schweiz ging bisher davon aus, dass der Kleinhandel die Vorschrift einhält. Bekannt seien der Organisation lediglich vereinzelte Meldungen aus Wohn- und Pflegeeinrichtungen.

Café-Betreiber stoppt Verkauf

Konfrontiert mit den Recherchen von Nau.ch bestätigt der Café-Betreiber ZFV Unternehmungen den Verstoss. Man nehme dies sehr ernst und habe den Verkauf umgehend gestoppt.

Bemerkenswert: Der ZFV hat nach Bekanntwerden des Falls eine Sensibilisierungsinformation an alle eigenen Betriebe versendet. Das legt nahe, dass der Konzern nicht ausschliessen kann, dass der Einzelzigarettenverkauf nicht nur im «Café Complet» praktiziert wurde.

Café Complet Uni Zürich
Der Eingang zum Café Complet an der Uni Zürich. - Nau.ch

Die Universität Zürich selbst beantwortete die Fragen von Nau.ch nicht. Auf die Frage nach Vorgaben für Gastronomiepartner ging die UZH nicht ein.

Auch zum möglichen Widerspruch mit ihrer Rolle als Bildungsinstitution äussert sie sich nicht. Die Medienstelle verweist lediglich auf den ZFV.

Kanton greift ein

Das Kantonale Labor Zürich, zuständig für den Vollzug des Tabakproduktegesetzes im Kanton Zürich, reagiert auf die Recherche von Nau.ch: Der Fall war bisher nicht bekannt.

Man gehe dem Hinweis nach. Der ZFV werde per Verfügung aufgefordert, den Verkauf sofort einzustellen.

Die Intervention ist für den ZFV kostenpflichtig. Im Wiederholungsfall folgt eine Strafanzeige.

Kommentare

Pueppi68

Aus meiner Sicht wird aktuell alles dafür getan, Raucher zu diskriminieren. Die Preise werden immer weiter erhöht, und Rauchverbote werden ständig ausgeweitet – dabei sollte man eher darüber nachdenken, die Preise wieder zu senken und das Rauchen in bestimmten Bereichen wieder zu erlauben. Gleichzeitig wird die Belastung durch andere Stoffe völlig ignoriert. Zum Beispiel sind Haarsprays und übertriebene Parfüms ebenfalls voller potenziell schädlicher Inhaltsstoffe, werden aber nicht eingeschränkt oder verboten. Diese einseitige Bevormundung ist aus meiner Sicht absolut inakzeptabel. Übrigens: Ich selbst bin Nichtraucher. Trotzdem finde ich es problematisch, wie stark die Bevölkerung mittlerweile durch Gesetze reguliert wird. Ob man eine ganze Schachtel Zigaretten kauft oder einzelne – wo liegt da bitte der große Unterschied? Diese Regelungen wirken auf mich überzogen und wenig sinnvoll. Gleichzeitig werden andere Themen, wie beispielsweise aus meiner Sicht fragwürdige Tierversuche, weiterhin öffentlich toleriert. Diese Ungleichbehandlung ist schwer nachvollziehbar.

User #2539 (nicht angemeldet)

Gut, wenn dagegen vorgegangen wird. Auch sollte kontrolliert werden wo es an Unis oder der ETH zu Werbezwecken gratis Bier, also Alkohol gibt. Auch dagegen sollte man vorgehen.

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