Am 31. Dezember 2020 stiessen am Bahnhof Belp zwei BLS-Züge zusammen. Gemäss Sust war die Ursache dafür ungewöhnliches Bremsverhalten.
Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) hat ungewöhnliches Bremsverhalten bei BLS-Zügen des Typs «Mutz» festgestellt.
Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) hat ungewöhnliches Bremsverhalten bei BLS-Zügen des Typs «Mutz» festgestellt. - sda - Keystone/CHRISTIAN BEUTLER
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Das Wichtigste in Kürze

  • Das Problem scheint bei allen Fahrzeugen des Typs «Mutz» auftreten zu können.
  • Laut BLS ist dies von bestimmten Wetterbedingungen abhängig.

Ungewöhnliches Bremsverhalten war die Ursache für den Zusammenstoss zweier BLS-Züge Ende 2020. Das hat die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) laut BLS herausgefunden. Das Problem scheint bei allen Fahrzeugen dieses Typs auftreten zu können.

Am 31. Dezember 2020 stiess am Bahnhof Belp ein Zug des Typs «Mutz» mit einem anderen Fahrzeug dieses Typs zusammen, als er für die Weiterfahrt angekuppelt werden sollte. An beiden Zügen entstand Sachschaden von je 400'000 Franken.

Die Untersuchung der Sust zeigt, dass es sich um ungewöhnliches Bremsverhalten bei schlechten Schienenverhältnissen gehandelt hat, wie die BLS am Freitag mitteilte. Das habe die Sust bei einem Quervergleich sowie bei Versuchsfahrten mit einem Mutz-Fahrzeug Anfang Februar herausgefunden. Die Sust wird dazu am Freitag einen Zwischenbericht mit Sicherheitsempfehlungen veröffentlichen.

Zug Thun
Ein Zug der BLS am Bahnhof Thun (Archivbild) - Keystone

Die BLS geht davon aus, dass das ungewöhnliche Bremsverhalten nur bei bestimmten Wetterbedingungen wie nasse Witterung und Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt auftritt. Dadurch entstehe ein schlechter Rad-Schienen-Kontakt, was zu einer ungenügenden Bremswirkung und einem längeren Bremsweg führe, so die BLS.

Stadler sieht die Sicherheit der Fahrzeuge als gegeben

Der Fahrzeughersteller Stadler vermutet, dass das ungewöhnliche Bremsverhalten auf eine nicht optimale Bremswirkung von einem der drei Bremssysteme bei Langsamfahrten und schlechten Schienenverhältnissen zurückzuführen ist. Die anderen zwei Bremssysteme funktionierten jedoch einwandfrei. Damit sieht Stadler laut BLS die Anforderungen der Fahrdienstvorschriften als erfüllt und die Sicherheit der Fahrzeuge als gegeben an.

Die BLS habe bereits im Januar Massnahmen für die Reisesicherheit ergriffen, so das Bahnunternehmen. Das Lokpersonal sei angewiesen worden, bei schlechten Schienenverhältnissen die Geschwindigkeit vor Signalen früher und stärker zu reduzieren und zum sicheren Bremsen vermehrt Sand einzusetzen. Zudem würden die Bremsen der Züge mehr kontrolliert und ab dem 1. März fahre auf der Strecke zwischen Bern und Schwarzenburg ein anderer Fahrzeugtyp.

Laut BLS arbeiten das Bahnunternehmen, Stadler und die Sust zusammen und analysieren die Erkenntnisse «mit Hochdruck», um das Problem zu beheben. Die BLS fährt gesamthaft 39 Züge des Typs «Mutz». Mit jedem davon wird pro Tag über 500 mal gebremst.

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