Trotz Trockenheit: Glarner haben «Wasser für mehr als 100 Jahre»
Die Schweiz ächzt unter der Trockenheit, vielerorts wird das Wasser knapp. Im Glarnerland sprudelt es dagegen munter weiter aus den Leitungen. Warum?

Das Wichtigste in Kürze
- Die Trockenheit bereitet vielen Schweizer Regionen grosse Sorgen.
- Nicht so im Glarnerland: Dort ist ein riesiges Grundwasservorkommen vorhanden.
- Der unterirdische See könnte die Glarner Bevölkerung über 100 Jahre lang mit einwandfreiem Trinkwasser versorgen.
Nach einer etwas weniger heissen Woche nimmt der Sommer in der Schweiz erneut Anlauf: In den kommenden Tagen steigen die Temperaturen vielerorts wieder deutlich an.
Ein Blick auf die Gefahrenkarte von «Meteoschweiz» zeigt, dass zahlreiche Ortschaften schon wieder rot-orange angestrichen sind.
In vielen Kantonen wurde ein absolutes Feuerverbot verhängt, einige Regionen rufen bereits zum Wassersparen auf. Doch im Glarnerland bleibt die Lage entspannt. Der Grund dafür liegt tief unter der Erde.
Riesiger Grundwassersee sorgt für Reserven
Wie die «Südostschweiz» berichtet, versorgt die Gemeinde Glarus Nord rund die Hälfte der Glarner Bevölkerung mit Trinkwasser. Der dafür zuständige Abteilungsleiter Tiefbau Marcel Züger bringt die Situation gegenüber der Zeitung auf den Punkt: «Wir sind privilegiert.»
Der Grund dafür ist ein riesiges Grundwasservorkommen zwischen Netstal, dem Walensee und Bilten. Laut Züger könnte dieses Reservoir die gesamte Glarner Bevölkerung während weit mehr als 100 Jahren mit einwandfreiem Trinkwasser versorgen.
Das Wasser sammelt sich in den Schotterschichten, die die Linth seit der letzten Eiszeit abgelagert hat. Über 65 Kilometer lang ist der Fluss, der aus diversen Quellflüssen entsteht und in den Zürichsee mündet.
Rund ein Drittel des Trinkwassers in Glarus Nord stammt aus dem unterirdischen Grundwassersee. Mit zwei Pumpwerken wird das Wasser gefördert, das zusammen mit Quellwasser mehrere Ortschaften mit sauberem Trinkwasser versorgt.
Wasserstand tief – aber kein Grund zur Sorge
Ganz verschont wurde aber auch das Glarnerland nicht. Der Wasserstand des Grundwassersees ist derzeit ungewöhnlich tief, wie Daten auf der Hydrodaten-Website des Bundesamtes für Umwelt zeigen.
Mitte Juli wurde der tiefste Wert des Jahres gemessen, ehe Regen den Pegel leicht ansteigen liess. Doch selbst dieses Anstieg änderte nichts daran, dass sich der Wasserstand auf dem Niveau bewegte, dass normalerweise im Winter gilt.
Dennoch besteht laut Züger kein Anlass zur Sorge. Der Grundwassersee ist im Durchschnitt rund 48 Meter tief, genutzt werden lediglich die obersten acht Meter. Entsprechend fallen selbst Schwankungen von mehreren Dezimetern oder wenigen Metern angesichts des riesigen Wasservorkommens kaum ins Gewicht.
Sollte das Wasser eines Tages dennoch knapp werden, könnten Gemeinden Einschränkungen beschliessen. Aktuell seien solche Massnahmen – etwa ein Bewässerungsverbot – jedoch nicht nötig.

















