Das Staatssekretariat für Migration hat rund 7800 Anfragen auf ein humanitäres Visum von Personen aus Afghanistan erhalten.
SEM
Das Staatssekretariat für Migration (SEM). - sda

Das Wichtigste in Kürze

  • 7800 Personen aus Afghanistan haben sich beim Staatssekretariat für Migration gemeldet.
  • Sie möchten alle ein humanitäres Visum stellen.
  • Das SEM nimmt eine Einschätzung vor, ob die Kriterien für eine Erteilung erfüllt sind.

Das Staatssekretariat für Migration (SEM) hat bisher 7800 Anfragen von Personen aus Afghanistan erhalten. Sie alle möchten ein Gesuch für ein humanitäres Visum stellen. In drei Fällen gab das SEM einen positiven Bescheid für solche Voranfragen.

«Das SEM hat bisher keine formellen Gesuche um Erteilung von humanitären Visa behandelt.» Das teilte die Behörde am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit. Diese Gesuche müssten bei einer Schweizer Auslandsvertretung eingereicht werden.

Bisher habe das SEM «rund 7800 Mails erhalten von Personen aus Afghanistan, die gerne ein solches Gesuch stellen würden.» Es handle sich um Voranfragen. Das SEM bestätigte damit einen Bericht von Radio SRF. Bei den meisten Anfragen ging es demnach um Familienangehörige.

Das SEM nimmt eine Einschätzung vor, ob die Kriterien für die Erteilung eines humanitären Visums erfüllt sein könnten. Die Einschätzung habe keine rechtliche Wirkung. «Wir haben also keine Gesuche abgelehnt, und es sind auch keine Gesuche pendent.»

SEM richtet sich nach strengen Kriterien

In den meisten Fällen belegten die Informationen und allfällige Dokumente die Kriterien für ein solches Visum nicht. «In drei Fällen gehen wir davon aus, dass die Kriterien erfüllt sein könnten.» Insbesondere zwei Kriterien müssen laut SEM erfüllt sein. So müsse die betreffende Person glaubhaft machen können, dass ihr eine konkrete und unmittelbar lebensbedrohende Gefahr drohe.

Die Zugehörigkeit zu einer möglicherweise gefährdeten Gruppe genüge nicht. Auch die Machtübernahme der Taliban als solche sei nicht ausreichend. Weiter müsse ein enger Bezug zur Schweiz nachgewiesen werden. Bei Ehegatten oder minderjährigen Kindern könne «allenfalls» ein Familiennachzug stattfinden.

Humanitäre Visa, Familienzusammenführung und Resettlement sind drei verschiedene Möglichkeiten von legalen und sicheren Fluchtwegen. Die Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH) fordert, dass die Schweiz die Erteilung von humanitären Visa erleichtert.

Zudem fordert sie, dass die Familienzusammenführungen beschleunigt, um afghanische Geflüchtete aufzunehmen. Die aktuelle Praxis in Bezug auf humanitäre Visa sei äusserst restriktiv, teilte die SFH auf Anfrage mit. Die Schweiz vergebe kaum humanitäre Visa. Der Ermessensspielraum werde sehr eng ausgelegt.

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