Stadt-Land-Graben beim Eiskaffee verwirrt Beizgäste
Unter einem Eiskaffee verstehen Jung und Alt, aber auch Dörfler und Städter, nicht immer das Gleiche. Das sorgt für Verwirrung in den Beizen.

Das Wichtigste in Kürze
- Wer ein Eiskaffee bestellt, bekommt in der Dorfbeiz eher einen Coupe Glacé und im hippen Café in der Stadt ein Kafi mit Eiswürfeln.
- Die vielen verschiedenen Kaffee-Namen und -Zubereitungsarten, die es heute gibt, sorgen für Missverständnisse.
- Ein Beizer findet: Es ist wichtig, dass Restaurants heute klar kommunizieren, was kommt, wenn man ein «Iskafi» bestellt.
Früher war klar: In der Beiz gibts ein Café crème, einen Espresso oder eine Schale. Wer einen Eiskaffee bestellte, erwartete eine Glacé.
Heute gibt es x verschiedene Arten, Kaffee zu trinken: Iced Latte, Caramel Macchiato, Vanilla Mocha Latte, Caffè freddo, Cappuccino …
Kein Wunder, ist da der ein oder andere Gast verwirrt. Und bringt die ein oder andere Kellnerin auch mal etwas anderes als erwartet.
Glacé oder Kaffee mit Eiswürfeln?
Ein Lied davon singen kann Kaffeeliebhaberin Ayla B*. (29) aus Bern. «In der Stadt bekomme ich, wenn ich ein ‹Eiskaffee› bestelle, jeweils einen Kaffee mit Eis. Als mir in einer Beiz plötzlich eine Mocca-Glacé aufgetischt wurde, staunte ich!»
Sie habe das nur von Dorfbeizen gekannt.
Lektion (vermeintlich) gelernt: Als sie ein anderes Mal in einem Restaurant ausserhalb von Bern einen Kaffee mit Eis will, formuliert sie es vorsichtiger. «Wir hatten keine Karte, darum fragte ich, ob die Beiz auch kalten Kaffee anbiete», sagt sie.

Der Kellner nickt und kommt bald mit einer Kreation zurück, die B. an ein Frappé erinnert: Schaumig, süss und mit Sirup.
«Ich muss mich wohl noch klarer ausdrücken. Irgendwie hat jede Beiz ihre eigene Vorstellung von Eiskaffee!», meint sie.
Kaffeekultur «für Gäste heute nicht mehr übersichtlich»
«Für die Gäste ist es heute nicht mehr so übersichtlich», sagt Marco Seiler vom Berner Gastroverband zu Nau.ch. «Da ist die amerikanische Kaffeekultur mit Starbucks mitschuldig.»
Die Kette, berühmt für Getränke wie die «Pumpkin Spice Latte» (Kürbis-Gewürz-Milchkaffee), habe die Kaffeekultur in den Schweizer Städten weiterentwickelt. Damit würden auch jüngere Gäste angesprochen.

«Die Jungen bestellen eher keinen Kafi crème in der Beiz. Aber es ist cool, mit einem Kafibecher in der Hand durch die Gassen zu ziehen.»
Das zeigt sich eben auch beim kalten Kaffee.
«Im Emmental kauft wohl keiner Espresso auf Eis»
Seiler, der mit der Quartierbeiz in Thun BE selbst ein Restaurant führt, meint: «Für mich ist ein Eiskaffee ganz klassisch Kaffee, aufgerührt mit einer oder zwei Kugeln Glacé.»
Für die Jüngeren ist das weniger klar. «Sie erwarten eher einen Kaffee mit Eis, Milch und vielleicht einem aromatisierten Sirup, Starbucks-Style», sagt Seiler.
Ein Generationen-Graben also – «aber für mich gibt es auch einen Stadt-Land-Graben», meint der Berner. «Im Emmental kauft dir wohl keiner einen Espresso auf Eis ab.»
Das sei dort wohl schlicht zu unbekannt. «Anders natürlich, wenn man es den Gästen anbietet und erklärt. Zum Beispiel, wenn man an einem heissen Tag fragt, ob man ihnen den Espresso auf Eis bringen soll.»
Beizer: Klar kommunizieren ist beim Kafi wichtig
Was in der heutigen Zeit mit all den Kaffee-Optionen und unterschiedlichen Vorstellungen nicht geht, findet der Wirt: «Den Gästen nicht klar kommunizieren, was man dann bringt, wenn sie zum Beispiel ein Eiskaffee bestellen.»
Auf der Karte sollte stehen, ob es sich um eine Glacé oder um einen Kaffee mit Milch und Eiswürfeln handelt. «Und wenn jemand ein Eiskaffee bestellt, kann man kurz nachfragen, was der Gast damit meint.»
Das Personal müsse man schulen und sensibilisieren, sonst kann es zu Missverständnissen kommen. «Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt», sagt Seiler. Aber «Storytelling», also Wissensvermittlung, sei auch bei Kaffeespezialitäten wichtig.
Zürcher bestellen kein «Iskafi», sondern «Iced Cappuccino»
Noch einmal deutlich urbaner als in Thun BE ist die Gastro-Szene in Zürich.
Sara Hochuli vom Gastroverband der Stadt Zürich betreibt dort das Café Miyuko. Sie sagt zu Nau.ch: «Bei uns kam es in den letzten 16 Jahren nie zu einer Verwechslung. Das hat aber auch mit der Sprache in den Städten zu tun.»
In Zürich werde kaum noch ein «Iskafi» bestellt, «sondern eher ein Iced Cappuccino oder Iced Kafi Latte. Oder dann die Nachfrage auf Deutsch, ob der Milchkaffee auch kalt möglich ist.»
Schweizer Kaffeekultur verwirrt US-Touris
Was sie jedoch weiss: «Verwechslungen gibt es oft bei Touristen aus den USA.»
Sie bestellen einen «Latte» oder «Iced Latte», erklärt Hochuli. «Und wir dann: Iced Latte was? Milch mit …?»
Latte ist einfach das italienische Wort für Milch. Das wissen viele Amis aber nicht: «Für sie ist ein Latte immer Kaffee, ihnen ist nicht klar, warum das so heisst.»

Aber eben – heute gibt es nicht mehr nur Kafi mit Milch. «Sondern auch Chai Latte, Matcha Latte, Golden Latte, Houjicha Latte – oder eben Coffee Latte», listet Hochuli auf.
Wer jetzt nur Bahnhof versteht: Chai ist ein indischer Tee, die Golden Latte meint meist Milch mit Kurkuma-Gewürz und Houjicha ist ein gerösteter japanischer Tee.
Auch in der Stadt kann «Iskafi» Coupe bedeuten
Auch Hochuli erkennt beim «Iskafi» aber einen Stadt-Land-Graben: «Ich als Gast würde in einem ländlichen Café oder Restaurant bei einem Eiskaffee ganz klar einen Coupe mit Glacé erwarten.»
Es sei aber auch eine Frage, wie traditionell ein Betrieb ist. In einer gutbürgerlichen Beiz kann ein Coupe mit Mocca-Glacé auch in der Stadt «Iskafi» genannt werden.
Und dann gibt es auch noch andere Interpretationsarten. Etwa den italienischen Affogato, also Kaffee mit Vanilleglacé, Mocca-Frappés oder unterschiedliche Versionen von Kaffee mit Eis.

«Die Frage ist: Ist das Eiswürfel, Milch drüber und Espresso-Shots drauf, oder – so wie wir das machen – alles gemixt?»»
Kurz: Wenn du das nächste Mal «Iskafi» bestellst, empfiehlt es sich, gut nachzulesen – oder nachzufragen – was wirklich serviert wird.
*Name von der Redaktion geändert













