Stadt Luzern

Sophie (100) lebt jeden Sommer fünf Wochen auf Campingplatz

Luna Gerber
Luna Gerber

Luzern,

Die 100-jährige Sophie zeigt, dass Alter tatsächlich nur eine Zahl ist: Jedes Jahr sieht man sie auf einem Tessiner Campingplatz.

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Die 100-Jährige Sophie will vom Vollen schöpfen – und geht daher heute noch jedes Jahr für mehrere Wochen zelten. - SRF

Das Wichtigste in Kürze

  • Sophie Marty lebt seit 56 Jahren in einer Wohnung, wo sie fünf Kinder alleine grosszog.
  • Mit 100 kocht die Luzernerin selbst, meistert Alltag eigenständig und geht zelten.
  • Die fünf Wochen auf dem Campingplatz geben ihr viel, so etwa soziale Kontakte.

«Darf ich 100-Jährige duzen?», scherzt SRF-Moderatorin Mona Vetsch, bevor die Türe aufgeht.

Sophie Marty macht auf. Sie lebt bereits seit 56 Jahren in der Luzerner Wohnung, in der sie Vetsch im Rahmen einer SRF-Doku besucht.

Nachdem ihr Mann verstarb, zügelte sie in diese Wohnung, gemeinsam mit fünf kleinen Kindern.

Vetsch bringt ihre Bewunderung für die Luzernerin auf den Punkt: So habe sie sich eine 100-Jährige nicht vorgestellt.

Der Beitrag dreht sich um das Thema «Longevity», also Langlebigkeit. Gegenüber Nau.ch klärt die Organisation Pro Senectute die Kernfrage des Trend-Begriffs: «Wie Menschen nicht nur länger leben, sondern auch länger gesund und aktiv bleiben.»

Sophies Devise? Eigeninitiative darf nicht auf Eis gelegt werden. Um gut zu altern, müsse man dranbleiben. Routine ist das A und O, jeder Tag habe bei ihr einen klaren Ablauf.

Selbstständig bis ins hohe Alter

Es gibt Älplermagronen mit Apfelmus. Sophie kocht immer selbst, doch das ist längst nicht das Einzige, was sie ganz alleine im Alltag meistert.

«Ich habe Kolleginnen, die ins Altersheim gegangen sind und gesagt haben, dann müssten sie ja nicht mehr kochen. Nach zwei bis drei Monaten haben die dann aber schon alles vergessen.»

«... dann könnt ihr mir eine Pistole geben»

Tochter Myrta ist bei den Dreharbeiten auch zu Besuch. Was ihre Mutter vom Altersheim hält, macht sie unmissverständlich klar.

Sie habe mal zu ihr gesagt: «Wenn ihr mich ins Altersheim steckt, könnt ihr mir eine Pistole mitgeben.»

Als alle bei Tisch sitzen, sagt Sophie: «Andere gehen ins Sanatorium, wo lauter Krankenschwestern und halbkranke Leute rumlaufen.» Das monotone Klientel sei aber nichts für sie.

Campen ist für Seniorin pure «Erholung»

Deshalb hat die fünffache Mutter ein Ritual, wie sie Vetsch zu Apfelmus und Hörnli erzählt: Jeden einzelnen Sommer treffe man sie auf dem Campingplatz im Tessin. Fünf Wochen lang lebt Sophie im Zelt – die Tradition währt bis heute.

Was es ihr gibt? Die Luzernerin treffe unendlich viele verschiedene Menschen. Und: Es sei pure «Erholung».

sophie am campen
«Sonst ist man ja kein Zelter»: Sophie mag älter werden, doch ihre Sommer-Tradition bleibt – komme, was wolle. - SRF «Dok»

«Nein, will ich nicht»: Das ist Sophies klipp und klare Antwort auf Mona Vetschs Frage, ob sie sich nicht manchmal mehr Komfort wünsche. «In einem Hotel bin ich allein. Und so habe ich einen Haufen Leute, die mir winken.»

Auch das schlimmste Hudelwetter kann Sophie nicht vom Zeltplatz bringen. «Sonst ist man ja kein Zelter», bemerkt die 100-Jährige humorvoll.

Gehst du regelmässig campen?

Gemäss Pro Senectute macht Sophie also alles richtig. Zu den Hauptfaktoren für ein langes, aktives Leben gehörten nämlich soziale Kontakte und gesellschaftliche Teilhabe. Das sagt Mediensprecher Peter Burri Follath gegenüber Nau.ch.

Heute seien über 2000 Schweizer 100 Jahre oder älter. Vor fünfzig Jahren waren es nur sechs, wie er gegenüber Nau.ch erklärt. Fälle von aussergewöhnlich aktiven Senioren erlebe man deswegen auch bei der Organisation vermehrt.

Burri Follath: «Ein Beispiel aus unserer Praxis ist eine Sportkursleiterin, die mit 93 Jahren regelmässig Bewegungskurse für Seniorinnen und Senioren leitet. Sie zählt damit zu den ältesten aktiven Kursleitenden in diesem Bereich.»

«Zugeben können, dass man langsamer wird»

Nach dem Eintritt ins Pensionsalter könne man durchschnittlich noch mit 14 gesunden Lebensjahren rechnen, so der Mediensprecher weiter. Die Schwelle hat Sophie schon lange überschritten.

Vetsch fragt die Luzernerin, wie sie die Welt mit ihren 100 Jahren erlebt. «Man braucht etwas länger», antwortet sie darauf.

Doch: Das Leben verlangsamt sich nicht erst mit 100, sondern «vorher schon. Man muss es nur zugeben können, dass man langsamer wird».

Freust du dich, älter zu werden?

Das Älterwerden schlichtweg zu akzeptieren, scheint also ihr Geheimtipp. «Ich kann nicht mehr so leben wie du oder meine Töchter es tun», reflektiert sie gegenüber Mona Vetsch.

Trotzdem will die 100-Jährige noch ein paar Jahre durchs Leben gehen. Spätestens, bis auch ihre zwei Jüngsten in die Pension gehen: «Ich denke mir immer, vielleicht brauchen sie bis dahin noch Hilfe.»

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Kommentare

User #1100 (nicht angemeldet)

Als 285-jähriger denke ich manchmal, vielleicht waren die 239 kryonischer Tiefschlaf auf der Alienbasis PRX-13 nähe Saturn nicht so gut für mich.

User #5527 (nicht angemeldet)

Sie muss noch üben. Sage ich als 285-jähriger.

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