«Longevity»: Uni setzt auf Stadtkarte statt Kommerzialisierung
Beim Thema «Longevity» setzt Christina Röcke vom «Healthy-Longevity-Center» der Universität Zürich auf Barrierefreiheit statt Biohacking. Gesunde Langlebigkeit gehe auch mit Einschränkungen. Eine neue Stadtkarte soll nun zeigen, wo die Hürden und Hilfen für ein mobiles Leben im Alter liegen.

Geografisch liegt das «Healthy-Longevity-Center» der Universität Zürich (UZH) nahe am privaten Gesundheitsinstitut «Swiss Center for Health & Longevity» – ideell jedoch scheinen die beiden weit voneinander entfernt. Während Biohacking, Bluttuning und Triple Detox Booster ein gesünderes und vor allem längeres Leben versprechen, warnt UZH-Psychologin Christina Röcke vor solchen Versprechen.
Hinter der Kommerzialisierung von gesunder Langlebigkeit stehe meist ein Anti-Aging-Narrativ, meinte sie im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Ein solches Gesundheitsverständnis sei kontraproduktiv, arbeite mit Ängsten und mache schlussendlich eher krank.
«Was hilft es mir zu wissen, dass ich eine Krankheit habe oder haben könnte, wenn es noch keine Behandlung dafür gibt und ich vielleicht sowieso nie betroffen sein würde?» Statt primär Gesundheitswerte zu tracken, empfiehlt die Co-Direktorin des «Healthy-Longevity-Centers», ebenso soziale Räume zu stärken.
Gemäss der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehöre Mobilität auch zu den zentralen Aspekten für gesunde Langlebigkeit. Und die sei davon abhängig, wie zugänglich die Umwelt ist.
«Personen ohne Einschränkungen nehmen Barrieren oft nicht wahr. Wer aber schon einmal auf Krücken angewiesen war, wird am eigenen Leib erfahren haben, wie zugänglich eine Innenstadt wie Zürich beispielsweise ist», meinte Röcke. Sie ist der Überzeugung, dass gesundes Altern mit Einschränkungen möglich sei.
Betroffene brauchen dafür die richtige Umwelt, so die Psychologin. Hürden für soziale Zugehörigkeit und Teilhabe müssten dafür möglichst gering gehalten werden. Eventuell wäre es mobilitätseingeschränkten Menschen problemlos möglich, einen Weg zu Fuss zurückzulegen, bräuchten dabei aber eine Pause und eine Sitzgelegenheit dafür.
Für sie sei es daher wichtig zu wissen, wo auf dem Weg Hilfen oder Hindernisse liegen. Ohne Kenntnisse darüber würden Menschen mit eingeschränkter Mobilität eventuell weniger das Haus verlassen oder wären dabei auf Unterstützung angewiesen. Ein Kartierungsprojekt der Zürcher Innenstadt will das nun ändern.
Dafür haben Menschen verschiedenen Alters, mit Gehhilfen, mit Kinderwagen oder schwerem Gepäck, sämtliche Hilfen und Hürden wie Trottoirs, Rampen oder Zebrastreifen im Zürcher Kreis 1 erfasst. Auf ihren Erhebungen wurde eine Karte erstellt, die nun auf die ganze Stadt Zürich ausgeweitet werden soll.
Damit setzt das Projekt «Zu-Reach» unter der Leitung von Dr. Hoda Allahbakhshi auf einen partizipativen Forschungsansatz, der Betroffene direkt in die Datensammlung einbezieht. «Zu-Reach» sei so nahe an den alltäglichen Herausforderungen dran, die es zu lösen gelte, so Röcke.
Es gebe viele Hürden, die ein angeregtes und mobiles Leben im Alter erschweren. Werden Hindernisse in einer Karte ausgewiesen, können sie besser umgangen werden. So werde Mobilität zugänglicher für alle.






