UNO

    Sohn ist gegen Willen des Vaters in der Sonderschule – zieht vor UNO

    Rahel Sutter
    Rahel Sutter

    Luzern,

    Die schulpsychologischen Dienste stecken einen Buben (8) in die Sonderschule – gegen den Willen der Eltern. Der Vater zieht den Fall vor die UNO.

    Autismus
    Midelio wurde gegen den Willen seiner Eltern in die Sonderschule gesteckt (Symbolbild). - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Mit zwei Jahren wurde bei Midelio (8) Autismus festgestellt.
    • Er muss eine Sonderschule besuchen, seine Eltern wollen aber eine Regelschule für ihn.
    • Sein Vater zieht den Fall deswegen vor den Ausschuss der UNO-Kinderrechtskonvention.

    Midelio (8) ist ein besonderer Bub. Mit nur zwei Jahren wurde bei ihm frühkindlicher Autismus diagnostiziert. Sein Vater, Ismail D., bemerkte schnell, dass sein Sohn anders war: «Er lebt in seiner eigenen Welt, und manchmal ist es sehr schwierig, da reinzusehen», sagt er dem «Tages-Anzeiger».

    Als Midelio in den Kindergarten kam, entschied der schulpsychologische Dienst, den Buben in eine Sonderschule einzustufen. Eine Schule für Kinder mit geistiger Behinderung. Dies war ein Entscheid, der gegen den Willen seiner Eltern gefällt wurde.

    Heute ist Midelio acht Jahre alt. Er geht im Kanton Luzern ausserhalb seines Wohnortes auf eine heilpädagogische Sonderschule. Vieler seiner Klassenkameraden leiden unter Autismus. «Sie können kaum miteinander reden oder spielen», so Midelios Vater.

    «Ich bringe meinen Sohn jeden Morgen in eine Schule, in die ich nicht möchte.» Er sei überzeugt, dass er dort nicht angemessen gefördert werden könne. Denn der Vater des 8-Jährigen findet, dass sein Sohn von anderen Kindern in der normalen Schule stark profitieren könne.

    Justizkampf bisher ohne Erfolg

    Ismail D. und seine Frau haben seit zweieinhalb Jahren juristisch gegen diese Entscheidung gekämpft. Erst haben die Eltern den Entscheid beim kantonalen Bildungsdepartement angefochten. Dann folgte das Kantonsgericht und anschliessend das Bundesgericht – bisher war die Familie erfolglos.

    In der Schweiz ist die Integration von Kindern mit besonderen Bedürfnissen in Regelschulen gesetzlich verankert. Das Behindertengleichstellungsgesetz und eine interkantonale Vereinbarung fördern diese Praxis.

    Muss die Chancengerechtigkeit in der Schule verbessert werden?

    Auch auf Bundesebene hat sich die Schweiz zur inklusiven Bildung verpflichtet. Sie hat die Behindertenrechtskonvention der UNO unterzeichnet. Diese fordert, dass Menschen mit Behinderungen zusammen mit anderen aus ihrem Umfeld zur Schule gehen können.

    Midelios Fall geht zur UNO

    Midelios Fall hat nun landesweite Aufmerksamkeit erregt: Sein Vater zieht als Erster in der Schweiz vor den Ausschuss der UNO-Kinderrechtskonvention und hofft auf Veränderungen. Das Urteil vom Bundesgericht soll vom Ausschuss geprüft werden.

    Ismail D. sagt: «Ich wünsche mir, dass er – und alle anderen Kinder mit Behinderung – mit ihnen leben und wachsen kann.» Und das Wichtigste für ihn: «Dass Midelio später weiss, dass ich für ihn gekämpft habe».

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