Software-Update: Arbeitslosenkassen brauchen 200 Mitarbeitende mehr

Stephan Felder
Stephan Felder

Zürich,

Neue IT-Probleme bringen Arbeitslosenkassen an ihre Grenzen. Rund 200 zusätzliche Mitarbeitende sollen verzögerte Auszahlungen auffangen.

Arbeitslosenkasse
Wegen Problemen bei einer Software-Umstellung brauchen die Arbeitslosenkassen aktuell 200 Mitarbeitende mehr. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Rund 200 zusätzliche Mitarbeitende sollen Engpässe bei den Arbeitslosenkassen entschärfen.
  • Seit Einführung der neuen Seco-Software kam es zu Verzögerungen und 22'000 Überstunden.
  • Das Seco verspricht langfristige Verbesserungen, doch die Lage bleibt angespannt.

Die Schweizer Arbeitslosenkassen stehen unter Druck: Die Auszahlung von Geldern läuft derzeit massiv zeitverzögert ab. Arbeitslose müssen teils monatelang auf ihr Geld warten.

Auslöser der Probleme ist die neue Software des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). Seit deren Einführung häufen sich Pannen und Verzögerungen. Nau.ch berichtete.

Das Seco zeigte sich zuletzt selbstkritisch. An einer Medienkonferenz räumte die Behörde Fehler ein und entschuldigte sich insbesondere für die Kommunikation. Gleichzeitig stellte Jérôme Cosandey, Leiter der Direktion für Arbeit, eine rasche Verbesserung in Aussicht.

Rund 22'000 Überstunden seit Dezember

Bei den Kassen selbst ist die Zuversicht jedoch gedämpft. «Zwar verbessert sich die Situation langsam, und das Schlimmste liegt wohl hinter uns.»

Das sagt Jean-Claude Frésard, Präsident des Verbands der öffentlichen Arbeitslosenkassen gegenüber der «NZZ». Eine Entwarnung sei aber verfrüht.

Die Zahlen unterstreichen das: Seit Dezember sind bei den befragten Kassen rund 22'000 Überstunden angefallen. Das entspricht etwa elf Vollzeitstellen über ein Jahr hinweg.

Auch private Kassen, etwa jene der Gewerkschaft Unia, sind betroffen und mussten zusätzliches Personal einstellen. Insgesamt werden laut einer Umfrage unter öffentlichen Kassen derzeit rund 200 zusätzliche Mitarbeitende eingestellt.

Das Seco relativiert den Personalaufbau. Die zusätzlichen Stellen müssten «im Kontext betrachtet werden», heisst es.

Neben der neuen Software spielten auch steigende Arbeitslosenzahlen eine Rolle, zudem seien gewisse Neueinstellungen Teil der üblichen Fluktuation.

Langfristig soll die Software die Effizienz steigern

Langfristig bleibt der Bund optimistisch. Die Digitalisierung und automatisierte Prüfungen sollen die Effizienz steigern und die Kassen entlasten.

Kurzfristig ist davon jedoch wenig zu spüren. Im Alltag kämpfen die Kassen weiterhin mit technischen Problemen.

Besonders das E-Service-Portal «Job-Room» sorgte zuletzt für Schwierigkeiten: Hochgeladene Dokumente kamen teilweise nicht an.

Hast du schon einmal Arbeitslosengeld bezogen?

Das Seco betont zwar, die Übermittlung funktioniere inzwischen zuverlässig, räumt aber vereinzelte Unregelmässigkeiten ein.

Grösseres Gewicht haben laut Frésard die langsamen Prozesse. Eine Auszahlung, die früher zwei bis drei Minuten dauerte, brauche heute bis zu 20 Minuten. Auch das Öffnen von Dokumenten sei oft zeitaufwendig.

Uneinigkeit bei der Frage nach Normalisierung

Das Seco erklärt dies mit zusätzlichen Kontroll- und Freigabeschritten, die neu direkt im System integriert seien. Kurzfristig erhöhe das den Aufwand, langfristig sollen aber Fehler reduziert werden. Eine Normalisierung erwartet die Behörde in den kommenden Monaten.

Für Frésard bleibt der Zeitpunkt ungewiss. «Wann es zu einer Normalisierung kommen wird, ist für die Arbeitslosenkassen die Millionenfrage», sagt er. «Ich kann sie Ihnen ehrlich gesagt nicht beantworten.»

Klar sei hingegen: Ohne technische Verbesserungen müssten die Kassen ihre Sondermassnahmen fortsetzen. In einzelnen Fällen wurden bereits Schalterzeiten reduziert oder zusätzliche Sicherheitskräfte eingesetzt, um den Andrang zu bewältigen.

Kommentare

User #5137 (nicht angemeldet)

"Kurzfristig erhöhe das den Aufwand, langfristig sollen aber Fehler reduziert werden" ...Anmerkung: Zu späte zahlungen haben anscheinend weder Priorität noch sind sie als fehler zu betrachten...

User #4856 (nicht angemeldet)

Immer wieder gibt es Software Update Probleme gleich wo man hinschaut. . Hey, ich habe bis jetzt immer gedacht Menschen die solches programmieren sind schlaue Köpfe. Hab mich wohl sehr getäuscht. Und wer muss dann zahlen? Wir die Steuerzahler, werden noch mehr ausgebeutet.

Weiterlesen

30 Interaktionen
Neuanmeldungen
Arbeitslosenkasse
67 Interaktionen
Vermieter drohte
4 Interaktionen
Bern

MEHR AUS STADT ZüRICH

1 Interaktionen
Gegen Migrolino
Taxi
227 Interaktionen
Kampf ums Überleben
Pfosten Spielfeld Handball Spieler
Handball