Panne bei Arbeitslosengeldern dauert noch «mehrere Wochen»

Keystone-SDA
Keystone-SDA

Bern,

Die seit Beginn des Jahres auftretenden Probleme bei der Auszahlung der Arbeitslosengelder werden zwar kleiner. Es soll jedoch noch mehrere Wochen dauern, bis alle Rückstände aufgearbeitet sind. Die zuständige Bundesbehörde räumt Fehler ein.

Arbeitslosenkasse
Viele Arbeitslose erhalten seit der Einführung eines neuen Systems am 6. Januar ihr Geld erst mit teils langer Verzögerung. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Das neue Auszahlungssystem der Arbeitslosenkassen funktioniert inzwischen stabiler.
  • Es gibt noch Rückstände bei Neuanmeldungen, weshalb es weiterhin zu Verzögerungen kommt.
  • Der Rückstand soll in den nächsten Wochen abgebaut werden.

«Das Auszahlungssystem ist mittlerweile stabil und funktioniert zuverlässig», sagte Jérôme Cosandey, Leiter der Direktion für Arbeit beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), am Mittwoch an einer Video-Medienkonferenz.

Die Performance des neuen Auszahlungssystems der Arbeitslosenkassen Asal 2.0 werde laufend verbessert – die Fortschritte zeigten sich beispielsweise im steigenden Auszahlungsvolumen.

Cosandey räumte aber ein, dass aktuell noch Rückstände bei Neuanmeldungen bestünden. «Manche Arbeitslose müssen weiter warten auf ihre erste Auszahlung.» Zwar würden auch diese Altlasten kontinuierlich abgebaut.

SECO
Das neue Auszahlungssystem des Seco sei mittlerweile stabil und funktioniere zuverlässig. Dennoch müssen weiterhin Probleme behoben werden. - keystone

Dafür müssten aber viele Mitarbeitende der Arbeitslosenkassen weiterhin Überstunden leisten. «Es geht noch mehrere Wochen, bis wir wieder im grünen Bereich sind.»

Vorschüsse als Überbrückung

Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ist gesetzlich garantiert. Für Betroffene in finanziellen Engpässen stehen laut dem Seco Vorschusslösungen zur Verfügung. Betroffene seien gebeten, direkt mit der zuständigen Arbeitslosenkasse Kontakt aufzunehmen.

Seit Januar wurden Vorschüsse für insgesamt 3791 Personen geleistet, mit einer Gesamtsumme von 3,7 Millionen Franken.

Eine Beraterin des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums RAV Thun zeigt einer arbeitslosen Person eine Informationsbroschüre zum Thema elektronische Bewerbung wahrend eines Beratungsgesprächs. (Symbolbild) - Keystone

Er wolle nichts schönreden, sagte Cosandey weiter. «Die Geschwindigkeit des neuen Systems ist noch nicht dort, wo wir sie wollen.»

Immerhin sei die Situation deutlich besser als im Januar, als 150'000 Arbeitslose ihre Dokumente nicht digital einreichen konnten und Mitarbeitende der Arbeitslosenkassen nach Hause geschickt wurden, weil das neue System nicht stabil war.

Fehler in der Kommunikation eingeräumt

Auf die Frage einer Journalistin, ob der Bund Vertrauen verspielt habe, gab der Seco-Kadermann Fehler zu. Anfang Jahr habe seine Behörde «kommunikativ ungeschickt» agiert, sagte er. Ende Januar habe man das eingesehen. «Seit Februar kommunizieren wir offen.»

Kannst du nachvollziehen, dass es zu solchen Problemen kommt?

Bei der schweizweiten Einführung des neuen Systems am 6. Januar habe das Seco mit Kinderkrankheiten gerechnet, so Cosandey weiter. Jedoch habe man nicht damit rechnen können, dass gleichzeitig ein anderes System ausfalle.

«Wir haben den tiefsten Punkt hinter uns», zeigte er sich zuversichtlich. Ein grosser Teil des Rückstands habe aufgeholt werden können.

Digitalisierung bringt Entlastung

Versicherte könnten die Dokumente seit Februar wieder digital einreichen, weshalb es zu weniger Besuchen an den Schaltern der Arbeitslosenkassen komme. Jedoch bestünden weiterhin Herausforderungen technischer und menschlicher Natur.

Cosandey sprach von einem «grossen Sonderaufwand», den Mitarbeitende der Arbeitslosenkassen zu leisten hätten. «Sie machen am Morgen, am Abend, teilweise auch am Wochenende Überstunden, um den Rückstand aufzuholen.» Es brauche viel Geduld und eine hohe Frustrationstoleranz.

IT-Situation verbessert sich

Etwas besser sei die Situation bei der IT. Deren Mitarbeitende müssten nicht mehr Brände löschen, sondern könnten endlich die Geschwindigkeit des neuen Systems verbessern. Erste Erfolge sind laut dem Seco schon erzielt worden. So seien beispielsweise neue Server in Betrieb genommen worden.

Insgesamt bewerteten die IT-Fachleute die Situation in der ersten Februarwoche mit einem Durchschnittswert von 1,96 – auf einer Skala von eins bis zehn. Mittlerweile sei dieser Wert bei 4,85.

Wartest du aktuell auf Geld von der Arbeitslosenkasse?

Das Thema beschäftigt auch die Politik. In der Frühjahrssession hielt Bundespräsident und Wirtschaftsminister Guy Parmelin in der Fragestunde des Nationalrats fest, dass der Rückstand bei der Auszahlung von Taggeldern bis zum Sommer aufgeholt werden solle.

Die Geschäftsprüfungskommission des Ständerats (GPK-S) ist an Abklärungen. Sie hatte sich in den vergangenen Jahren mehrfach mit dem Projekt befasst.

Kommentare

User #4991 (nicht angemeldet)

Versagen auf der ganzen Linie - aber die richtig Schuldigen ziehen sich eh aus der Verantwortung und opfern wohl diejenigen die von Anfang an den Mahnfinger oben hatten

User #1943 (nicht angemeldet)

Peinlich. Einfach nur peinlich.

Weiterlesen

Ostern
65 Interaktionen
Krieg
ölpreis
58 Interaktionen
Experte erklärt

MEHR AUS STADT BERN

Baustelle Bern Tram
Zwei Wochen Lärm
Berner Obergericht
Fälle immer komplexer
YB Europa League
7 Interaktionen
Minimal-Ziel Rang 4
Kurator Martin Waldmeier
2 Interaktionen
Zentrum Paul Klee