Stadt Basel

Basler Familie wartet drei Monate auf Arbeitslosengeld

Elena Hatebur
Elena Hatebur

Basel,

Weil das Geld der Arbeitslosenkasse ausbleibt, kann eine Basler Familie ihre Miete nicht mehr bezahlen. Ihr Vermieter hat bereits mit der Kündigung gedroht.

Arbeitslosenkasse
Dunkle Zeiten für eine Basler Familie: Drei Monate musste sie auf das Geld der Arbeitslosenkasse warten. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Zahlungen der Arbeitslosenkasse an eine Basler Familie blieben aus.
  • Deshalb musste sich das Ehepaar mehrere Monate mit 1000 bis 2000 Franken durchkämpfen.
  • Nun hat die Familie das Geld erhalten – doch das Vertrauen ist brüchig.

Seit Wochen musste eine fünfköpfige Familie mit 1000 bis 2000 Franken auskommen. Für den Alltag reichte das kaum. Das Ehepaar aus Basel ist seit rund drei Monaten arbeitslos, wie die «Basler Zeitung» berichtet.

Bei Mutter Maria Ilic*, wie sie die Zeitung nennt, ging der Arbeitgeber Konkurs. Bei ihrem Mann kam es aus anderen Gründen zur Kündigung.

Es bleibt ein verschwindend kleiner Betrag aus selbstständiger Erwerbsarbeit, mit dem die Lebenskosten gestemmt werden müssen. Denn die Zahlungen der Arbeitslosenkasse blieben aus.

Dabei hatte sich das Ehepaar unmittelbar nach dem Stellenverlust beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) gemeldet. Auch die öffentliche Arbeitslosenkasse in Basel wurde kontaktiert. Seither haben sie zahlreiche Bewerbungen verschickt.

Vermieter drohte mit Wohnungskündigung

Für die Familie wurden die vergangenen Wochen zur Belastungsprobe. Nachdem bereits die zweite Miete nicht bezahlt werden konnte, drohte der Vermieter mit der Kündigung.

Auch die Krankenkasse leitete Betreibungen ein. Zeitweise stand sogar im Raum, dass der Strom abgestellt werden könnte.

Im Alltag zeigt sich die Situation besonders deutlich. Manchmal hatten die Kinder Essenswünsche: «Dann mussten wir ihnen sagen, dass wir uns das gerade nicht leisten können», erzählt Maria Ilic.

Kasse verliert Dokumente

Während sich die Lage zuspitzt, geht es bei der Kasse kaum voran. Mehrfach wird dem Ehepaar mitgeteilt, dass Dokumente fehlen.

Die Familie reagiert jeweils sofort, beschafft die Unterlagen und reicht sie erneut ein. Doch dann folgt der nächste Rückschlag: Bei der Kasse sind angeblich Dokumente verloren gegangen.

Also wiederholte das Paar die Anmeldung.

Verzögerungen wegen neuem IT-System

Die Schwierigkeiten bei der Auszahlung von Arbeitslosengeldern haben sich bereits zu Jahresbeginn abgezeichnet.

Mit der Einführung eines neuen IT-Systems kam es zu Verzögerungen, viele Betroffene wurden vertröstet.

Warst du schon mal arbeitslos?

Aber: Eine Häufung solcher Fälle bestreitet Dieter Wirth, Arbeitslosenversicherungs-Bereichsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung beim Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) Basel-Stadt.

Gegenüber der «Basler Zeitung» verweist er auf den Regierungsrat: Die Auszahlungen seien grundsätzlich sichergestellt.

Gespräch bringt Bewegung in den Fall

Das Gespräch mit der Zeitung bringt Bewegung in den Fall. Noch am selben Tag meldet sich Wirth persönlich bei der Familie: «Wir haben Ihr Dossier jetzt vertieft angeschaut und konnten die Zahlungen für die Perioden Dezember und Januar bereits auslösen.»

Er entschuldigt sich für die Situation. Eine solche Entwicklung dürfe nicht passieren. «Sie ist auf eine unglückliche Verkettung von Fehlern auf unserer Seite zurückzuführen.» Mit der neuen Software habe das Ganze allerdings «nur am Rande» zu tun.

Am nächsten Tag trifft das Geld tatsächlich ein. Das Vertrauen steht allerdings weiter auf unsicherem Fundament: «Die Enttäuschung ist immer noch da.» Man habe viel Zeit, Nerven und Geduld verloren, so die Familie.

* Name geändert

Kommentare

User #5664 (nicht angemeldet)

Sehr traurig was da geschehen ist. SO ETWAS DÜRFTE NIE GESCHEHEN!! Warum hat es erst geklappt, als eine Zeitung eingeschaltet wurde?? Das finde ich sehr sehr mysteriös! Muss man bei Gewissen Ämter zuerst zur Zeitung gehen, damit sie endlich richtig arbeiten??? Denn das sie es als IT Panne bezeichnen, kann ich mir nicht vorstellen. Den erst nach dem es die Zeitung erfuhr wurde richtig Damof gemacht. Das ist sehr beschämet für die einst gut funktionierte Schweiz.

User #5668 (nicht angemeldet)

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