Freispruch

    Skitourenleiter kämpfen nach Lawinendrama um Freispruch

    Keystone-SDA
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    Thun,

    Zwei Skitourenleiter wehren sich vor dem Regionalgericht in Thun BE gegen eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung. Sie sind für die Tour verantwortlich, bei der 2023 in Meiringen zwei 18-Jährige durch eine Lawine ums Leben kamen.

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    Beim Lawinenniedergang in Meiringen wurden 2023 zwei junge Menschen verschüttet. (Archivbild) - Handout: Kantonspolizei Bern

    «Niemand wollte das», sagte der Staatsanwalt am Mittwoch in seinem Plädoyer. «Aber die Beschuldigten trafen einen verhängnisvollen Entscheid.»

    Der hauptverantwortliche Bergführer sei zu einer bedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen à 90 Franken zu verurteilen. Für den Co-Leiter, der den Entscheid mittrug, verlangte der Staatsanwalt eine bedingte Geldstrafe von 75 Tagessätzen à 80 Franken.

    Die beiden Verteidiger plädierten auf Freispruch. Sie wiesen den Vorwurf zurück, ihre Mandanten hätten ihre Sorgfaltspflichten verletzt. Vielmehr hätten sie nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Die Anklage stütze sich auf ein Gutachten, das nicht logisch und widersprüchlich sei. Ein Restrisiko gebe es bei Skitouren immer, die Lawine sei nicht vorhersehbar gewesen.

    Beim Unglück vom 21. März 2023 bei der Gstelliwang waren eine US-Amerikanerin und ein Brite ums Leben gekommen, die zur Skitourengruppe eines Internats gehörten. Für das Tourengebiet galt an jenem Tag mässige Lawinengefahr der Stufe 2+. Gewarnt wurde insbesondere vor Lawinen im schwachen Altschnee.

    Die erste Abfahrt verlief problemlos. Bei der zweiten Abfahrt löste sich eine Lawine und riss die beiden Jugendlichen über eine mehrere hundert Meter hohe Felswand mit.

    Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hat der Bergführer bei der zweiten Abfahrt eine zu gefährliche Route gewählt. Teile des Hangs seien über 40 Grad steil gewesen. Damit habe er auch das Sicherheitskonzept der Schule missachtet. Dem Co-Leiter wird vorgeworfen, trotz Mitverantwortung und Mitspracherecht nicht interveniert zu haben.

    Der Bergführer bekräftigte vor Gericht, er habe sich gewissenhaft auf die Tour vorbereitet. Aufgrund der ihm vorliegenden Informationen habe «alles gestimmt». Das Altschnee-Problem sei ihm bekannt gewesen, doch habe er es auf der gewählten Route nicht als Sicherheitsrisiko eingestuft.

    «Ich fühle mich nicht schuldig», sagte der zweite Angeklagte, der heute nicht mehr als Tourenleiter tätig und arbeitslos ist. Vor Ort habe ihn nichts beunruhigt, und er habe sehr grosses Vertrauen in den Bergführer. Deshalb sei der Routenentscheid für ihn okay gewesen.

    Der Verfasser des Gutachtens ist selber Bergführer. «Es ist immer ein schmaler Grat», sagte er vor Gericht. Einerseits wolle man den Gästen etwas bieten und eine «coole Tour» ermöglichen. Anderseits müsse man sich stets daran erinnern, dass man letztlich dafür bezahlt werde, die Leute heil wieder zurückzubringen.

    Die Eltern der jungen US-Amerikanerin waren für den Prozess in die Schweiz gereist. Der Vater sprach vor Gericht vom «grössten Albtraum, den es geben kann».

    Die Mutter sagte unter Tränen, seit dem Tod ihres einzigen Kindes sei sie am Boden zerstört. Sie zeigte ein grosses Porträt ihrer Tochter herum und blieb damit eine Weile direkt vor den beiden Angeklagten stehen.

    Der Vater betonte, er wolle niemandem die Schuld geben. Er wolle einfach die Wahrheit erfahren und wissen, wie und warum es zu dem Unglück kommen konnte. Die Eltern des ebenfalls getöteten Briten liessen sich von der Gerichtsverhandlung dispensieren.

    Das Urteil wird am Freitag erwartet.

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