Schweizer wollen Abnehmspritzen immer mehr aus «Lifestyle-Gründen»
Abnehmspritzen sind in der Schweiz stark gefragt – auch aus «Lifestyle-Gründen». Kritiker sehen darin einen Prämien-Treiber, die SVP will höhere Hürden.

Das Wichtigste in Kürze
- Hausärzte beobachten mehr Nachfrage nach Abnehmspritzen aus Lifestyle-Gründen.
- SVP-Nationalrat Mike Egger will deshalb die BMI-Schwelle für die Kassenvergütung erhöhen.
- Übergewicht verursachte 2022 Folgekosten von 3.7 Milliarden Franken im Gesundheitswesen.
Wer in der Schweiz eine Abnehmspritze will, findet dafür immer häufiger den Weg in die Arztpraxis. Präparate wie Ozempic, Wegovy oder Mounjaro sind stark nachgefragt. Das bleibt nicht ohne Folgen für die Krankenkassen: Kritikerinnen und Kritiker sehen im Boom einen Kostentreiber für die Prämien. Das berichtet «SRF».
Hausarzt Jawid Jalal von Medix spürt die Entwicklung im Praxisalltag. «Es gibt deutlich mehr Nachfrage von Patientinnen und Patienten, die adipös sind und Gewicht verlieren wollen. Aber auch von jenen, die das mehr aus Lifestyle-Gründen machen», sagt der Facharzt für Allgemeine Innere Medizin.
SVP-Egger will höhere Hürden für Abnehmspritzen
Die Krankenkassen bezahlen eine Abnehmspritze nur unter klaren Bedingungen. Der Body-Mass-Index (BMI) muss mindestens 35 betragen. Bei Zusatzerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck genügt ein BMI von 28.
SVP-Nationalrat Mike Egger geht das nicht weit genug. In einem Vorstoss fordert er, die Hürden zu erhöhen. «Ich habe in meinem Umfeld Erfahrungen gemacht, dass das sehr einfach verschrieben wird. An Leute, die nicht stark übergewichtig sind», sagt er.

Menschen mit Diabetes wolle er ausdrücklich ausnehmen. Der Schwellenwert für die Kostenübernahme solle aber steigen, damit zuerst andere Massnahmen zum Zug kämen.
Egger verweist bei seinem Vorstoss auf die Kosten. Allein dieses Medikament verursache heute Systemkosten von 160 Millionen Franken. Zudem würden viele Patientinnen und Patienten die Behandlung wegen Nebenwirkungen rasch wieder abbrechen.
Übergewicht kostet Milliarden
Auch der Krankenkassenverband Prio.Swiss kritisiert, die Spritzen würden zu schnell verschrieben. Kommunikationsleiterin Martina Wagner betont aber, die Grundversicherung solle solche Präparate weiterhin zahlen. Voraussetzung sei, dass alle Vorgaben bei Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit erfüllt sind.
Gesundheitsökonom Simon Wieser warnt davor, nur auf die Kosten der Abnehmspritzen zu schauen. Er hat untersucht, was Übergewicht das Gesundheitssystem kostet. Für 2022 beziffert er die Gesundheitskosten durch Folgekrankheiten auf 3,7 Milliarden Franken. Dazu kommen 2,9 Milliarden Franken an Einkommensverlusten, weil Betroffene weniger produktiv waren.

Wieser plädiert für den längeren Blick. Aktuell überwögen die höheren Kosten. Künftig könnten sie sinken, wenn sich Folgekrankheiten vermeiden liessen. Hinzu komme die bessere Lebensqualität bei jenen, die auf die Medikamente ansprechen. «Das Gesundheitswesen ist nicht nur da, um Kosten zu sparen, sondern auch, um Gesundheit zu schaffen», sagt er.
Egger hält trotzdem an seiner Forderung fest. Er nehme Übergewicht ernst, betont er, doch die Kosten seien eine Tatsache. Hausarzt Jalal weist derweil den Vorwurf der leichtfertigen Verschreibung zurück. «Wir haben klar definierte Regeln, wer dieses Medikament von der Krankenkasse vergütet bekommt. Da gibt es wenig Handlungsspielraum.»








