Schweizer wandern wegen Sommerhitze aus
Lange wanderten Schweizer wegen kalter Winter aus – jetzt wird die Sommerhitze zum neuen Auswanderungsgrund.

Das Wichtigste in Kürze
- Auslandschweizer berichten, dass Sommerhitze zunehmend zum Auswanderungsgrund wird.
- Viele empfinden das Klima im Ausland dank besserer Infrastruktur als erträglicher.
- Trotz besserem Klima vermissen manche Ausgewanderte vor allem ihre Familie.
Bisher zogen die meisten Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer aus einem ganz bestimmten Grund weg: Dem Winter. Lange, graue Kälteperioden und die Feuchtigkeit des Mittellands trieben viele in wärmere Gefilde.
Wie Swissinfo, das Newsportal der SRG für Schweizerinnen und Schweizer im Ausland, berichtet deutet sich nun jedoch ein Wandel an: Die zunehmende Sommerhitze in der Schweiz könnte künftig selbst zum Auswanderungsgrund werden. Was für die einen der Wunsch nach mehr Sonne war, wird für andere zunehmend zur Flucht vor der Hitze.
Für Norbert Roth ist das längst kein abstraktes Zukunftsszenario mehr: Der Klimawandel habe massgeblich zu seinem Wegzug beigetragen, sagt er – «die Hitze, die vielen Gewitter, die starken Hagelstürme». Heute lebt er an der Nordsee.
Auch Andrea Wildi ertrug die Schweizer Sommerhitze irgendwann nicht mehr und wanderte nach Irland aus. In die Schweiz komme sie während der Sommermonate nur noch, wenn es unbedingt nötig sei, sagt sie.
Klimaanlagen statt Beschwerden
Paradoxerweise berichten manche Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer aus wärmeren Regionen, dass sie dort weniger unter hohen Temperaturen leiden als hierzulande.
Das hat mitunter mit einer besser angepassten Infrastruktur zu tun. «In Florida sind wir Hitze gewohnt, aber auch Klimaanlagen. Es überrascht mich etwas, wie sehr sich die Menschen in der Schweiz über die Sommerhitze beklagen», schreibt Ruth Härri.

Monique Staehli lebt auf Sizilien und denkt trotz Waldbränden und Wassermangel nicht ans Wegziehen. Sie habe das Meer direkt vor der Haustür, bald würden alle Räume mit solarbetriebenen Klimaanlagen ausgestattet. Das seien Lösungen, die sich in der Schweiz schwieriger umsetzen liessen, so Staehli.
Für manche Ausgewanderte kommt hinzu, dass sich Investitionen in Kühlung und Hitzeschutz in Ländern mit tieferen Lebenshaltungskosten leichter finanzieren lassen. Besonders im Ruhestand.
Die Familie zieht stärker als das Wetter
Trotz aller Klimavorteile bleibt für viele Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer letztlich ein anderer Faktor entscheidend: Die Nähe zur Familie. Verena Edmondson-Siegenthaler wanderte vor 28 Jahren nach Australien aus, um dem Nebel und den grauen Wintertagen zu entkommen.

Aus klimatischer Sicht sei das eine ausgezeichnete Entscheidung gewesen, das Klima in Westaustralien sei aussergewöhnlich. «Doch je älter ich werde, desto mehr vermisse ich meine Geschwister», sagt sie.








