Schweizer Trychler marschieren in Moskau für «Freundschaft»
In Moskau haben sich die Schweizer Trychler mit der Botschaft getroffen. Gemäss einem Experten könnte der Kreml die Aktion als Propaganda nutzen.

Das Wichtigste in Kürze
- Rund 30 Personen aus der Schweiz und Deutschland marschierten mit Trycheln durch Moskau.
- Die Schweizer Botschaft bestätigt ein Treffen mit der Gruppe.
- Ein Experte sieht die Aktion als potenzielles Propagandamaterial für den Kreml.
Ende Januar sorgten Schweizer Kuhglocken für Aufsehen in der Moskauer Innenstadt. Rund 30 Personen aus der Schweiz und Deutschland zogen mit Trycheln durch die Strassen.
Auf einem Transparent mit Schweizer und russischer Flagge stand mehrsprachig «Freundschaft mit Russland». Ziel des Marsches war die Schweizer Botschaft, wo die Gruppe von Botschafter Jürg Burri empfangen wurde.

Zu sehen ist die Aktion unter anderem in einem Videobeitrag des staatlich finanzierten Senders «Russia Today». In der Europäischen Union ist RT seit dem russischen Angriff auf die Ukraine gesperrt. In der Schweiz ist das Portal weiterhin abrufbar.
Reise kostet 1850 Franken pro Person
Organisiert wurde die Reise vom Luzerner Vital Burger. Die siebentägige Fahrt nach Moskau stand unter dem Motto «Dialog mit Moskau» und kostete laut Einladung 1850 Franken pro Person.
Burger sagt gegenüber der «Sonntagszeitung», sämtliche Teilnehmenden hätten die Reise selbst bezahlt. Ziel sei gewesen, «zuzuhören» und die Perspektive der russischen Bevölkerung besser zu verstehen.
Die Gruppe fordert eine Normalisierung der Beziehungen zwischen der Schweiz und Russland. In einem Schreiben an den Botschafter wird für Entspannung und einen «solidarischen Neubeginn» plädiert. Der in Russland lebende Publizist Peter Hänseler, der ebenfalls teilnahm, spricht von einem «offenen Austausch» auf der Botschaft.
Trychler treffen sich für 90 Minuten mit Botschafter
Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bestätigt das rund 90-minütige Treffen. Die Gruppe habe sich angekündigt, vom Marsch selbst habe die Botschaft jedoch nichts gewusst. Zu den inhaltlichen Forderungen nimmt das EDA keine Stellung.
Der Bund rät weiterhin von Reisen nach Russland ab. Ob die russischen Behörden im Vorfeld informiert waren, ist unklar. Die Organisatoren verneinen eine Zusammenarbeit.
Experte sieht in der Aktion propagandistischen Nutzen für den Kreml
Gegenüber der Zeitung schätz der Sozialwissenschaftler Marko Ković die Situation ein. Er hält es für wenig plausibel, dass eine solche Aktion ohne Wissen staatlicher Stellen stattfinden konnte. In Moskau seien öffentliche Umzüge bewilligungspflichtig.
Ković sieht in der Aktion vor allem einen propagandistischen Nutzen für den Kreml. «Es kann gut sein, dass die Trychler wirklich nur das Beste wollen. Aber für den Kreml sind sie vor allem nützliche Naive», so Kovic.

Bilder von westlichen Bürgerinnen und Bürgern, die öffentlich Sympathie für Russland zeigen, seien «Gold wert» für die staatliche Kommunikation. Burger weist diesen Vorwurf zurück. Ihm gehe es ausschliesslich um Verständigung zwischen den Völkern.
Die Aktion fand in einem angespannten Kontext statt. In der Nacht vor dem Marsch meldeten Beobachter erneute Drohnenangriffe im Ukraine-Krieg. Der Konflikt dauert seit fast vier Jahren an und fordert weiterhin zahlreiche Opfer auf beiden Seiten.















