Klimawandel

Schweizer Teenies sorgen sich weniger um Klimawandel

Laurin Zaugg
Laurin Zaugg

Bern,

Eine Befragung zeigt, dass sich deutsche Jugendliche heutzutage weniger vor dem Klimawandel fürchten. Auch in der Schweiz ist dieser Trend zu erkennen.

Klimawandel
Schweizer Jugendliche interessieren sich nicht mehr so stark für den Klimawandel wie noch vor ein paar Jahren. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Schweizer Jugendliche interessieren sich tendenziell immer weniger für den Klimawandel.
  • Dies ist vor allem den vielen anderen globalen Krisen der heutigen Zeit zuzuschreiben.
  • Nachhaltigkeit scheint jungen Menschen jedoch nach wie vor ein Anliegen zu sein.

Jugendliche sehen sich heutzutage mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Noch vor wenigen Jahren war der Klimawandel Thema Nummer eins unter jungen Menschen.

Zwar scheint das Thema Nachhaltigkeit auch heute noch zu beschäftigen, jedoch nicht mehr im selben Ausmass. Aufgrund der aktuellen Weltlage machen sich Jugendliche momentan nebst dem Klimawandel zusätzlich über viele andere Dinge Gedanken.

Laut einer repräsentativen Befragung in Deutschland hielten 2025 nur noch rund vier von zehn Jugendlichen das Thema für sehr wichtig. 2021 waren es noch rund sechs von zehn.

Nau.ch hat beim Dachverband Schweizer Jugendparlamente (DSJ) nachgefragt, wie sich das Engagement für den Klimawandel in der Schweiz verändert hat.

In der Studie «Schweizer Jugend- und Demokratiemonitor 2025» befragte der DSJ rund 2000 junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren. Die Studie analysiert unter anderem, für welche politischen Themen sich die junge Generation interessiert.

Interesse am Klimawandel gesunken

Wie die Studie zeigt, ist 2025 das Interesse am Thema Klimawandel im Ranking der Anliegen gesunken.

Der Verband ordnet ein: «Der Vergleich ist nur bedingt zulässig, da die Themenauswahl den Aktualitäten angepasst werden.»

Beim genaueren Betrachten der Zahlen aus 2025 und jenen von 2023 stellt man trotzdem Bemerkenswertes fest: Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die sich für das Themengebiet interessieren, ist von 44 auf 23 Prozent gesunken.

Über die Hälfte findet, es werde bereits genug unternommen

Viele, nämlich 54 Prozent, hätten zudem den Eindruck, es werde bereits genug gegen den Klimawandel unternommen.

Das Thema Nachhaltigkeit sei jungen Menschen grundsätzlich jedoch nach wie vor ein Anliegen: 79 % geben an, dass ihnen ökologische Nachhaltigkeit sehr oder eher wichtig ist.

Das zeigt laut dem DSJ folgendes: Die hohe Bedeutung von Nachhaltigkeit werde nicht automatisch in ein Gefühl von Dringlichkeit oder Handlungsbedarf übersetzt.

«Rückzug aus sichtbarem Aktivismus»

Der deutsche Generationenforscher Rüdiger Maas beobachtet, dass Jugendliche zwar weiterhin Sorge empfinden, gleichzeitig aber «geringe politische Wirksamkeit» wahrnehmen. «Dies kann zu Resignation oder Rückzug aus sichtbarem Aktivismus führen», sagt er gegenüber Nau.ch.

Rüdiger Maas
Rüdiger Maas ist Generationenforscher und promovierter Psychologe. - ruedigermaas.de

Die Art von Klimaengagement habe sich deshalb verändert: «Viele junge Menschen bevorzugen heute stärker individualisierte Formen.» Als Beispiele nennt Maas einen bewussten Konsum oder Mobilitätsentscheidungen, anstatt dauerhafter Strassenproteste.

Jugendliche sind von mehreren Krisen gleichzeitig betroffen

Heutzutage werden die Jugendlichen via Social Media auch ständig an aktuelle Krisen erinnert, so der Generationenforscher. Die heutige Jugend unterscheide sich von früheren Generationen vor allem dadurch, «dass sie mit mehreren globalen Krisen gleichzeitig sozialisiert wurde.»

Das sagt auch Olivier Reber, Mediensprecher von Pro Juventute. Mit globalen Entwicklungen und Sorge um ihre berufliche Zukunft erleben Jugendliche laut Reber mehrere Krisen gleichzeitig. «Das kann Gefühle von Unsicherheit oder Hilflosigkeit verstärken.»

Klimawandel noch immer relevant

Die repräsentative Jugendstudie 2026 von Pro Juventute zeige zudem, dass der Klimawandel noch immer relevant sei.

olivier reber
Olivier Reber, Mediensprecher von Pro Juventute. - Screenshot

«Rund ein Drittel der Befragten gab an, sich wegen des Klimawandels Sorgen zu machen. Dieser Wert hat sich seit der ersten Erhebung 2024 kaum verändert», sagt Reber.

«Die Klimakrise macht 4 von 10 Jugendlichen grosse Sorgen»

Auch Moritz Wülser von Klimastreik Schweiz erklärt, dass die Klimakrise Jugendliche nach wie vor beschäftigt: «Die Klimakrise macht vier von zehn Jugendlichen grosse Sorgen. Sie ist laut dem UBS-Sorgenbarometer mit 31 Prozent die zweitgrösste Sorge der Schweizer Bevölkerung.»

Bereitet dir der Klimawandel Sorgen?

Der Klimawandel bleibt für Jugendliche also weiterhin ein wichtiges Thema, auch wenn andere globale Krisen ihm teilweise an Bedeutung entziehen. Das Engagement verlagert sich dabei zunehmend von öffentlichem Aktivismus hin zu individuellen Handlungen.

Kommentare

User #5652 (nicht angemeldet)

Die Klimakatastrophe wird uns viel Geld kosten,aber das ist für die reiche Schweiz mit seinen Reichen Bewohner kein Problem .

User #2347 (nicht angemeldet)

Das sind aber genau die, die am meisten fliegen...

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