«Schweizer Schokolade» aber «hergestellt in Deutschland» – wie geht das?
Eine Edeka-Schoggi sorgt auf Reddit für Fragen. Edeka und Chocosuisse erklären, wie viel Schweiz tatsächlich in der Tafel steckt.

Das Wichtigste in Kürze
- Edeka verkauft eine Tafel ausdrücklich als «Schweizer Schokolade».
- Gleichzeitig steht auf der Verpackung: «Hergestellt in Deutschland».
- Auf Reddit wird deshalb über die Herkunft der Schoggi diskutiert.
Für Schweizer Konsumenten ist klar: Schweizer Schoggi geht über alles. Und wenn man sie im Ausland noch etwas günstiger bekommt, umso besser.
Doch bei einer Schokoladentafel des deutschen Händlers Edeka sorgt jetzt ausgerechnet die Herkunft für Stirnrunzeln.
Auf der Verpackung der «Herzstücke Alpenmilch» steht gross «Schweizer Schokolade». Gleichzeitig findet sich dort der Hinweis: «Hergestellt in Deutschland».
Wie geht das zusammen?

Genau darüber wird auf der Social-Plattform Reddit fleissig diskutiert. Einige Nutzer rätseln, wo die Schokolade denn nun tatsächlich herkommt.
Die Kombination sorgt hier für Fragen. Wie kann eine Schoggi gleichzeitig schweizerisch und in Deutschland hergestellt sein? Edeka erklärt gegenüber Nau.ch, was dahintersteckt.
Schoggi reist fertig nach Deutschland
Es handle sich um «um Schweizer Schokolade», erklärt das Unternehmen. Die Schokolade werde nach den in der Schweiz üblichen Qualitäts- und Herstellungsstandards produziert und hierzulande conchiert.
Beim Conchieren wird die Schokoladenmasse während längerer Zeit bearbeitet. Dabei entstehen unter anderem Geschmack und Konsistenz der Schokolade.
Danach geht die Reise allerdings weiter.
«Die fertig hergestellte und in der Schweiz veredelte Schokoladenmasse wird hierfür nach Deutschland transportiert und dort zu Tafeln geformt sowie verpackt», erklärt Edeka.
Der Hinweis «hergestellt in Deutschland» beziehe sich auf diesen nachgelagerten Verarbeitungsschritt.
Wer die Schokolade in der Schweiz für Edeka herstellt, bleibt geheim. Zu einzelnen Lieferantenbeziehungen wolle man sich nicht äussern.
Wann ist Schweizer Schoggi wirklich schweizerisch?
Bleibt die entscheidende Frage: Darf auf einer Tafel tatsächlich «Schweizer Schokolade» stehen, wenn diese erst in Deutschland ihre endgültige Form bekommt?
Chocosuisse sagt: grundsätzlich ja.
Der Verband der Schweizer Schokoladefabrikanten erklärt gegenüber Nau.ch, dass nach langjährigem Branchenverständnis fertig conchierte Schokolade beziehungsweise Schokoladenmasse als Schweizer Schokolade gilt.
«Entscheidend für die Herkunftsbezeichnung ist damit die Herstellung der Schokolade beziehungsweise der Schokolademasse», erklärt Chocosuisse.
Ist diese vollständig in der Schweiz erfolgt, könne die anschliessende Formgebung zu Tafeln und die Verpackung auch im Ausland stattfinden.
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Heisst also: Schweizer Schoggi muss nicht zwingend in der Schweiz ihre Tafelform bekommen.
Ob die konkrete Edeka-Tafel alle Voraussetzungen erfüllt, will der Verband ohne genaue Kenntnis der Kennzeichnung und des gesamten Herstellungsprozesses allerdings nicht abschliessend beurteilen.
Edeka selbst betont, die Bezeichnung werde im Einklang mit den geltenden Vorgaben verwendet.
Lindt-Goldhasen kommen aus Deutschland
Edeka ist nicht das einzige Beispiel dafür, dass bei Schokolade Schweizer Image und tatsächlicher Produktionsort nicht zwingend dasselbe sind. Auch der berühmte Goldhase des Schweizer Traditionsunternehmens Lindt & Sprüngli wird zumindest in verschiedenen Varianten in Deutschland hergestellt.

Beim klassischen 50-Gramm-Goldhasen nennt Lindt im eigenen Schweizer Onlineshop als Hersteller die Lindt & Sprüngli GmbH im deutschen Aachen.
Auch weitere Goldhasen-Varianten stammen laut Lindt aus Aachen.
Ganz vergleichbar mit der Edeka-Schokolade ist das allerdings nicht.
Lindt ist zwar ein Schweizer Unternehmen. Beim Goldhasen wird auf der entsprechenden Produktseite aber nicht behauptet, dass es sich um «Schweizer Schokolade» handelt.
«On» sorgt für Swissness-Debatte
Wie viel Schweiz in einem Produkt stecken muss, beschäftigt derzeit auch die Politik.
Auslöser ist der Schuhhersteller «On». Das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum erlaubt seit einer Praxisänderung, dass das Schweizerkreuz unter bestimmten Bedingungen auch auf im Ausland hergestellten Produkten verwendet werden darf. Etwa zusammen mit dem Hinweis «Swiss Engineering».

Das kommt im Parlament nicht gut an. Der Ständerat nahm deshalb am 24. September eine Motion an, die das Schweizerkreuz auf im Ausland gefertigten Waren wieder verbieten will.
Mit der Edeka-Schoggi ist der Fall allerdings nicht direkt vergleichbar. Für Lebensmittel gelten andere Regeln.












