Schweizer Rentner sind überraschend wohlhabend
Geldsorgen im Alter? Für viele Schweizer Rentner offenbar kein Thema. Eine neue Studie zeigt sogar: Nach der Pensionierung wächst ihr Vermögen oft weiter.

Das Wichtigste in Kürze
- Die meisten Schweizer Rentner sind wohlhabend und müssen ihr Gespartes kaum antasten.
- Ihr Vermögen steigt durchschnittlich sogar noch an.
- Viele Pensionierte besitzen Immobilien – aber wenig frei verfügbares Geld.
Ein Leben lang eingezahlt – und trotzdem plagen im Alter viele Menschen Existenzängste. Doch zumindest in der Schweiz scheint diese Sorge für die Mehrheit überraschend oft unbegründet zu sein.
Zu diesem Schluss kommt die fast 200-seitige Studie des Lausanner Ökonomen Marius Brülhart und seines Teams von der Universität Lausanne. In «Vermögen und Erbschaften in der Schweiz des 21. Jahrhunderts» werteten die Forschenden dafür Millionen von Steuerdossiers aus. Und untersuchten, wie sich Vermögen im Ruhestand tatsächlich entwickelt.
Das Ergebnis ist für viele überraschend: Die meisten Rentner müssen ihr Erspartes im Alter gar nicht antasten – im Gegenteil. In vielen Fällen wächst das Vermögen nach der Pensionierung sogar weiter.
Ein Berner-Beispiel verdeutlicht die Vermögenssituation: Ein 65-Jähriger hat 2011 rund 500'000 Franken frei verfügbares Vermögen angespart. Bis zum 75. Altersjahr stieg dieser Betrag um weitere 100'000 Franken.
Selbst wenn man Verzerrungen durch sehr reiche Personen herausrechnet, bleibt das Bild ähnlich. Beim sogenannten Median – also der «typischen» Person – liegt das Vermögen mit 65 Jahren bei rund 220’000 Franken. Auch hier steigt es im Schnitt bis ins hohe Alter weiter an, um etwa 50’000 Franken.
Erst ab etwa 83 Jahren beginnt die Mehrheit, tatsächlich vom Ersparten zu leben. Diese Zahlen basieren auf offiziellen Steuerdaten aus der Schweiz, berichtet die «NZZ».
Immobilien unterbewertet
Ein zentraler Grund dafür ist der Immobilienbesitz. Viele Rentner besitzen ihr Eigenheim, dessen Wert in den Steuerdaten oft deutlich zu tief ausgewiesen wird. Das erklärt Marius Brülhart, Mitverfasser der Studie, gegenüber der «NZZ».
Die Kantone Bern und Luzern zeigen: Der tatsächliche Marktwert liegt im Schnitt rund doppelt so hoch wie der steuerlich erfasste Wert.
Davon profitieren ältere Menschen besonders, da sie überdurchschnittlich häufig Wohneigentum besitzen: In Paarhaushalten zwischen 65 und 70 Jahren leben rund drei Viertel in den eigenen vier Wänden.

Auch Erbschaften spielen eine immer grössere Rolle. In der Schweiz werden heute jährlich rund 100 Milliarden Franken vererbt – etwa dreimal so viel wie im Jahr 2000.
Gleichzeitig erhalten Erben ihr Vermögen immer später: Im Schnitt sind sie rund 60 Jahre alt, wenn sie eine Erbschaft antreten.
Ein weiterer, oft übersehener Punkt: Viele Rentner schenken bereits zu Lebzeiten grössere Vermögen an ihre Kinder weiter.
Diese vorzeitigen Übertragungen tauchen in den Daten nicht vollständig auf, was den tatsächlichen Reichtum zusätzlich unterschätzt. Doch trotz der frühen Schenkungen sind die Rentner weiterhin überraschend vermögend.
Dennoch gilt: Nicht alle Menschen im Ruhestand sind finanziell abgesichert. Altersarmut bleibt in der Schweiz Realität.
Die Studie zeigt jedoch, dass viele Senioren sogenannt «asset rich but cash poor» leben. Heisst: Sie besitzen viel Vermögen auf dem Papier, aber wenig frei verfügbares Geld im Alltag. Das Eigenheim bindet Kapital, während die laufenden Einnahmen oft begrenzt sind.















