Wer sich eine Verletzung mit einer Schusswaffe selbst zufügt, stirbt häufiger als wenn ihm diese von aussen zugefügt wird. Warum das so ist, bleibt unklar.
1,6 Prozent aller im Schweizer Traumaregister aufgeführten Schwerverletzten gehen auf Schuss- und 
Stichwaffen zurück. (Themenbild)
1,6 Prozent aller im Schweizer Traumaregister aufgeführten Schwerverletzten gehen auf Schuss- und Stichwaffen zurück. (Themenbild) - sda - KEYSTONE/DOMINIC FAVRE

Das Wichtigste in Kürze

  • Forscher identifizierten 134 Patienten mit Schuss- und Stichverletzungen.
  • 83 Prozent der Patienten waren Männer.
  • Patienten mit Schusswaffenverletzung starben in fünfzig Prozent der Fälle.

Eine Schussverletzung, die sich jemand selbst beigebracht hat, endet in zwei Drittel der Fälle tödlich. So geht es aus einer Analyse des Schweizer Traumaregisters (STR) hervor. Generell überlebt die Hälfte der hospitalisierten Patienten eine schwere Schussverletzung. Das Register weist Schwerverletzte aus, die lebend die Notfallaufnahme erreichen.

Selbst beigebrachte Schussverletzungen

Die Frage, weshalb selbst beigebrachte Schussverletzungen eher tödlich enden als von anderen Personen verschuldete, sei nicht Gegenstand der Studie gewesen. Eine mögliche Erklärung wäre, dass es bei Eigenverletzungen seltener Streifschüsse gebe und die Verletzung infolgedessen schwerer sei.

Die Forschenden identifizierten von 2017 bis 2019 134 Patienten mit schweren Traumata. Von diesen wurden 64 mit Schusswunden und 70 mit Stichwunden ins Spital eingeliefert wurden. Rund 83 Prozent der Patienten waren Männer, das Durchschnittsalter betrug 40,5 Jahre. Die Sterblichkeitsrate der mit Schusswaffen verwundeten Patienten lag bei fünfzig Prozent; bei Stichwaffen belief er sich auf neun Prozent.

Hohe Chance zu sterben

42 Patienten mit schweren Schussverletzungen hatten sich diese selbst beigebracht. Unter diesen Patienten lag die Sterblichkeit bei 66,7 Prozent; so das Team im Fachmagazin «European Journal of Trauma and Emergency Surgery» berichtet. Wurde die Schussverletzung selbst am Kopf zugefügt, betrug die Mortalität sogar 78,6 Prozent. Demgegenüber überlebten vier von fünf Hospitalisierten, bei denen eine andere Person die Schusswunde verschuldet hatte.

Die Sterblichkeit durch Schusswaffen liege im Untersuchungszeitraum höher als in Deutschland, wie das Inselspital am Donnerstag mitteilte. Die Studienautoren erklären sich dies damit, dass sich hierzulande mehr Personen schwere Schusswaffenverletzungen selbst zufügen. Inwieweit die Tatsache eine Rolle spiele, dass Schweizer Wehrpflichtige ihre Waffe zu Hause aufbewahren können, sei «schwierig einzuschätzen.»

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