Schau in Chiasso spiegelt das Band von Max Bill in den Süden
Eine Ausstellung in Chiasso zeigt die prägende Figur der Zürcher Konkreten, Max Bill, als Brückenbauer nach Italien und ins Tessin. Mit über 168 Exponaten ist die chronologisch aufgebaute Ausstellung im m.a.x Museo äusserst umfassend.

Der vierte Saal bildet den Höhepunkt der sich über drei Stockwerke erstreckenden Schau: Hier schlägt einem die Kraft der Farben und Formen des Universalkünstlers Max Bill entgegen, zum Beispiel mit «rot und blau quantengleich», sinnigerweise in den Tessiner Wappenfarben.
Die Quadrate hat Bill in dieser späten Schaffensphase in die Diagonale gestellt. Hier wird spürbar, was der in Winterthur Geborene mit dem Ideal der «freien Form im Raum» meinte. Der Architekt, Maler, Plastiker und Publizist war überzeugt, dass Schönheit aus der Funktion heraus entstehe.
Die Ausstellung am Südzipfel der Schweiz zeigt Max Bills Rolle als «Protagonisten der Moderne», und zwar im Hinblick auf die Beziehungen zwischen Zürich, dem Tessin und Italien – eine für Bill «wichtige Achse», wie Direktorin und Co-Kuratorin Nicoletta Ossanna Cavadini an der Medienkonferenz erklärte.
Den Auftakt bilden ein Selbstporträt, Schwarz-Weiss-Fotografien aus dem Tessin und ein selten ausgestellter Frauenkopf aus Bronze von 1925. Briefe an Alice Valangin zeigen Bills Nähe zur Künstlergruppe um Max Ernst und Wladimir Vogel, die in den 1930er-Jahren Comologno im Onsernonetal zu einer «Brutstätte» für neue Ideen machte, wie Cavadini sagte.
Auch in Italien war Max Bill präsent. Sein Schweizer Pavillon an der 6. Triennale di Milano sorgte mit seiner funktionalen Raumorganisation 1936 für Furore, war er doch «ohne jegliche politische Prägung» in einer Zeit der Propaganda, wie Co-Kuratorin Karin Gimmi sagte. Zu dieser Zeit habe Max Bill Beziehungen zu Vertretern der italienischen Architektur-Avantgarde geknüpft. Nach dem Krieg beschäftigte er sich mit dem Wiederaufbau und brachte erneut Impulse nach Mailand.
Max Bill gilt als einer der bedeutendsten Schweizer Künstler des 20. Jahrhunderts. Nach einer Ausbildung an der Kunstgewerbeschule in Zürich und dem Bauhaus in Dessau gründete er mit Camille Graeser, Verena Loewensberg und Richard Paul Lohse die Zürcher Konkreten. Später widmete sich Bill auch der Plakat- und Produktgestaltung.
Die Ausstellung «Max Bill (1908–1994): Die Grammatik der Schönheit» ist vom 29. März bis 12. Juli im m.a.x. Museo Chiasso zu sehen.










