Wohnungsnot: Gekündigte Mieter landen in Asylunterkünften!

Gerry Reinhardt
Gerry Reinhardt

Rapperswil-Jona,

Wer seine Wohnung verliert, landet in der Schweiz teils in einer Asylunterkunft. Jetzt zeigt sich: Das ist in mehreren Gemeinden Realität.

Amriswil
Kahle Gänge, geteilte Räume, eine Zimmertür mit Nummer: Einblick ins ehemalige Bahnhofshotel Amriswil TG, das heute Wohnungslosen als Notunterkunft dient. - SRF (Screenshot)

Das Wichtigste in Kürze

  • Immer mehr Schweizer landen nach einer Kündigung in Asylunterkünften.
  • Bezahlbare Wohnungen fehlen – Gemeinden haben kaum andere Optionen.
  • Ein Drittel der befragten Gemeinden bestätigt das wachsende Problem.

Der Schweizer Mietmarkt steht unter Druck. Leerstände sind selten, Mieten steigen, und wer seine Wohnung verliert, findet kaum Bezahlbares. Immer häufiger landen gekündigte Mieter und Randständige deshalb in Unterkünften, die eigentlich für Asylsuchende gedacht sind.

Das zeigt eine Recherche von SRF «10 vor 10». Die Redaktion befragte rund 60 Städte und grosse Gemeinden in zwölf Kantonen.

Ein Drittel der Gemeinden betroffen

Das Ergebnis ist deutlich: Ein Drittel der befragten Gemeinden gibt an, Obdachlose auch in Asyl- oder Flüchtlingsunterkünften unterzubringen. Viele bezeichnen es als Einzelfälle. Oft hätten Betroffene die Miete nicht bezahlt oder seien wegen ihres Verhaltens ausgewiesen worden.

Würdest du bei Wohnungsnot vorübergehend in eine Asylunterkunft ziehen?

Zahlen aus einzelnen Gemeinden zeigen jedoch, dass das Phänomen verbreitet ist. In Dietikon ZH lebten seit 2015 insgesamt 26 Obdachlose in Asylunterkünften. In Wädenswil ZH sind es aktuell rund 45 Personen – innerhalb von zwei Jahren hat sich ihre Zahl verdoppelt.

Internat, Hotel, Spital: umfunktionierte Unterkünfte

In Rapperswil-Jona SG etwa hat die Stadt ein ehemaliges Mädcheninternat des Klosters Mariazell für ukrainische Flüchtlinge angemietet. Inzwischen teilen sich auch gekündigte Mieter das Haus mit den Geflüchteten.

Eine Schweizer IV-Bezügerin, der nach einer Totalsanierung gekündigt worden war, wurde dort untergebracht: zusammen mit ihrem Partner, ohne eigene Küche, ohne eigenes Bad.

Robin Bannwart
Robin Bannwart, Ressortssekretär Gesellschaft Rapperswil-Jona, erklärt die Notlage der Gemeinde. - SRF (Screenshot)

Laut Robin Bannwart, Ressortssekretär Gesellschaft Rapperswil-Jona, stehe die Notsituation an erster Stelle: «Wir unterscheiden grundsätzlich nicht, ob es Schweizer sind oder eine andere Nationalität.»

Gemischte Unterkunft sorgt für Spannungen

In Amriswil TG hat die Stadt ein ehemaliges Bahnhofshotel angemietet. Tamara Sulzberger, Leiterin Soziale Dienste, sagt, dort lebten heute mehrheitlich Personen, die ihre Wohnungen verloren haben. Von ursprünglich vielen Ukrainerinnen und Ukrainern seien nur noch zwei übrig.

Tamara Sulzberger
Tamara Sulzberger, Leiterin Soziale Dienste Amriswil, steht vor einer knappen Wohnungssituation. - SRF (Screenshot)

Aktuell teilen sich zehn Männer, hauptsächlich Randständige, die Unterkunft mit zwei Ukrainerinnen. Das führt laut Sulzberger zu Problemen: «Wir mussten auch schon Leute aus dem Zimmer rausnehmen, weil es wirklich bedrohliche Situationen gab.»

Die Gemeinde plane, die Unterkunft künftig nur noch für die eigene Bevölkerung zu nutzen.

Auch der Mittelstand ist betroffen

In Rapperswil-Jona traf es nicht nur Randständige. Nach dem Abriss einer Siedlung verloren rund 130 Personen der unteren Mittelschicht ihr preisgünstiges Zuhause. Die Stadt mietete daraufhin zusätzlich eine Etage im Asylheim für die Betroffenen dazu.

Spitalpersonalhaus Schwyz
Das ehemalige Spitalpersonalhaus in Schwyz – heute Unterkunft für knapp 100 Personen. - SRF (Screenshot)

Auch in Schwyz lebt ein kleiner Teil der rund 100 Bewohnerinnen und Bewohner eines ehemaligen Spitalpersonalhauses als gekündigte Mieter. Dies zusammen mit Geflüchteten, und unter eingeschränkten Bedingungen: Die Duschen befinden sich derzeit im Aussencontainer.

Rechtliche Pflicht, aber knappe Ressourcen

Bannwart verweist auf Artikel 12 der Bundesverfassung, der Gemeinden verpflichtet, für ein Obdach zu sorgen. Die finanzielle Seite werde im Nachhinein geregelt. Doch preisgünstiger Wohnraum fehlt flächendeckend – und Notwohnungen sind laut mehreren Gemeinden meist für Familien reserviert.

Die Schweizerin aus Rapperswil-Jona hatte nach einem Monat im Asylheim Glück: Sie fand eine bezahlbare Wohnung und konnte ausziehen.

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Kommentare

User #2956 (nicht angemeldet)

Politsch werden immer mehr ziele erreicht? Oder ist Politik einfach nur dumm?

User #2262 (nicht angemeldet)

Bananen- bzw. Gurken-Republik Schweiz..

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