Schädlich? Schülerin isst Wähe im Zug vom Boden

Bettina Zanni
Bettina Zanni

Zürich,

Kurz vor dem ersten Bissen gleitet einer Schülerin in einer S-Bahn ein Wähenstück aus der Hand. Sie isst sie dann vom Boden. Ein Experte erklärt, was passiert.

Bakterien
Das Wähenstück schmeckte der Schülerin trotz des Bodenkontakts. (Symbolbild) - Nau.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Schülerin isst ein Wähenstück, das ihr in einer Zürcher S-Bahn auf den Boden gefallen ist.
  • Laut der Fünf-Sekunden-Regel ist das kein Problem.
  • «Totaler Quatsch», sagt ein Lebensmittelmikrobiologe der ZHAW.

Und schon ist der Zvieri futsch! Danach sieht es aus, als eine Schülerin an einem Nachmittag in eine Zürcher S-Bahn einsteigt.

Mit ihren Kolleginnen und Kollegen herumblödelnd balanciert sie eine soeben ausgepackte Takeaway-Zwetschgenwähe zu ihrem Sitzplatz. Im Gang der S-Bahn passiert es: Das Stück fällt herunter und klatscht mit der belegten Seite direkt auf den Boden des Mittelgangs.

Die Schülerin erntet von den Passagierinnen und Passagieren mitleidige Blicke. Das Mädchen hebt das Stück auf, am Boden bleiben noch ein paar traurige Reste kleben. Doch: Den Zvieri lässt sie sich vom Missgeschick nicht verderben.

«Wäh, da bekommst du Würmer!»

Anstatt das Wähenstück in den Kübel zu werfen, legt die Schülerin es zurück in den Karton. Kaum hat sie sich hingesetzt, verspeist sie den Zvieri gierig.

Ihre Kameraden kichern und witzeln dabei. «Wäh, da bekommst du Würmer!», ruft ein Kollege.

Isst du Lebensmittel noch, wenn sie Bodenkontakt hatten?

Das Mädchen isst lachend weiter. Dazu fällt ihr auch noch die Plastikgabel mehrmals auf den Boden. Dennoch schnabuliert sie damit weiter.

Keime würden schneller übertragen

Die Verfechter der Fünf-Sekunden-Regel hätten ebenso lustvoll zu Wähe und Gabel gegriffen.

Dieser zufolge kann man heruntergefallene Lebensmittel nach dem Aufheben ohne Bedenken essen. Dies, sofern ein Lebensmittel nicht länger als fünf Sekunden auf dem Boden lag. Denn diese Zeitspanne soll für Bakterien und Keime zu knapp sein, um Lebensmittel zu kontaminieren.

Lars Fieseler, Lebensmittelmikrobiologe an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), widerspricht jedoch. «Die Fünf-Sekunden-Regel ist totaler Quatsch», sagt er zu Nau.ch. «Weil Keime schon nach weniger als einer Sekunde übertragen werden.»

Tierfäkalien am Boden

Der Professor leitet das Zentrum für Lebensmittelsicherheit und Qualitätsmanagement. Sehr wahrscheinlich könnten die «mikrobiologischen Kriterien» zur Überprüfung der «guten Herstellungspraxis» nicht mehr eingehalten werden, sagt Lars Fieseler. Dies würde sich wahrscheinlich nach einer mikrobiologischen Untersuchung der Wähe zeigen.

«An einem Kiosk dürfte eine solche Wähe also nicht mehr in den Verkauf gebracht werden», merkt er an. Dies einmal davon abgesehen, dass das Produkt nach dem Herunterfallen nicht mehr in Form wäre.

Für Hungrige hat er bei einem Missgeschick einen klaren Rat. «Um auf der sicheren Seite zu bleiben, würde ich die Wähe nicht essen, weil das Risiko für Übelkeit steigt.»

Die Böden geraten laut dem Experten mit vielen Schuhen in Kontakt. «Da Schuhe gegebenenfalls auch mal mit Tierfäkalien in Kontakt kommen können, würde ich von S-Bahn-Böden sicher nichts essen.»

Am Ende müsse jedoch jede Person selber beurteilen, wie sauber eine Umgebung sei, auch daheim. «Und wie risikofreudig man is(s)t», fügt er augenzwinkernd an.

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Kommentare

User #5407 (nicht angemeldet)

Da Chlütteri

User #4646 (nicht angemeldet)

Wähenjournalisten hat nicht jeder.

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