Revolut gibt KI Zahlungsdaten von Kunden - auch Schweizer möglich

    Simon Ulrich
    Simon Ulrich

    Zürich,

    Die Neobank nutzt Transaktionsdaten für eigene KI-Modelle. Ein Datenschützer kritisiert, dass Schweizer Kunden darüber nicht ausdrücklich informiert werden.

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    Revolut nutzt Zahlungsdaten zum Training eigener künstlicher Intelligenz (KI). Auch Daten von Schweizer Kundinnen und Kunden können einfliessen. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Revolut nutzt Zahlungsdaten seiner Kunden, um eigene KI-Modelle zu trainieren.
    • Auch Daten der über 1,3 Millionen Schweizer Nutzer könnten dafür verwendet werden.
    • Die Bank entfernt persönliche Angaben, doch eine Wiedererkennung bleibt laut Rechtsanwalt Martin Steiger möglich.
    • Steiger kritisiert zudem unklare Informationen zur Nutzung der Zahlungsdaten.

    Jeder Einkauf, jede Restaurantrechnung, jede Überweisung: Wer mit Revolut bezahlt, hinterlässt eine Datenspur. Die Zahlungsdaten seiner Kundschaft wiederum nutzt die Bank, um ihre eigenen KI-Modelle zu trainieren.

    Das sagte Revolut-Chef Nik Storonsky kürzlich an einer Tech-Konferenz in Turin, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Täglich verarbeitet das Unternehmen nach seinen Angaben 30 bis 40 Millionen Transaktionen.

    Auf Anfrage von Nau.ch bestätigt Revolut: Auch Daten von Schweizer Kunden können für das Training verwendet werden. Ob solche Informationen tatsächlich einfliessen, bleibt offen. Die genaue Zusammensetzung der Trainingsdaten sei ein «Geschäftsgeheimnis», erklärt ein Sprecher.

    Revolut will in der Schweiz expandieren

    In der Schweiz nutzen bereits über 1,3 Millionen Menschen Revolut. Das britische Unternehmen bietet seine Dienste vor allem über eine Smartphone-App an. Nutzer können damit Geld überweisen, in verschiedenen Währungen verwalten und per Karte bezahlen. Besonders für Zahlungen im Ausland ist Revolut beliebt.

    Eine eigene Schweizer Banklizenz besitzt Revolut bisher nicht. Im September jedoch hat das Unternehmen bei der Finanzmarktaufsicht Finma eine solche beantragt. Zudem will es in den kommenden fünf Jahren mehr als 150 Millionen Franken in der Schweiz investieren.

    Parallel dazu entwickelt Revolut eigene KI-Technologien. Das neue Modell namens «Pragma» soll beispielsweise betrügerische Zahlungen erkennen und Kreditrisiken beurteilen.

    Anders als ChatGPT führt das System keine Gespräche. Es analysiert Muster in der Kontoaktivität und schätzt etwa ein, wie verdächtig eine Zahlung ist. Laut Revolut erkannte «Pragma» in Tests rund 65 Prozent mehr Betrugsfälle als das bisherige System.

    In der Schweiz werde das neue Modell derzeit nicht eingesetzt, schreibt das Unternehmen.

    «Weitreichende Rückschlüsse» auf das Privatleben

    Doch was bedeutet es, wenn Kundendaten zum Training solcher Systeme verwendet werden?

    Datenschutzexperte Martin Steiger warnt vor der Aussagekraft von Zahlungsinformationen. Daraus liessen sich «weitreichende Rückschlüsse» auf die Gesundheit, politische und religiöse Überzeugungen oder das Beziehungsleben ziehen. Besonders aufschlussreich seien längere Transaktionsverläufe.

    Revolut betont, die Informationen vor dem Training zu schützen. Namen, Adressen und Geburtsdaten würden entfernt. Die Daten würden zudem gefiltert und technisch aufbereitet. Fachleute sprechen von Pseudonymisierung.

    Würdest du deiner Bank erlauben, deine Zahlungsdaten zum Training eigener KI-Systeme zu verwenden?

    Vollständig anonym sind die Daten damit allerdings nicht. Unter Umständen könnten Personen anhand der verbleibenden Informationen wiedererkannt werden, erklärt Steiger. Entscheidend sei, welche Daten tatsächlich verwendet würden.

    Welche konkreten Zahlungsinformationen in «Pragma» einfliessen, will Revolut allerdings nicht offenlegen.

    Datenschutzexperte kritisiert Revolut

    Steiger kritisiert auch, wie Revolut seine Kunden über die Datennutzung informiert. In den Schweizer Datenschutzhinweisen finde er keine ausdrückliche Erwähnung des KI-Trainings mit Zahlungsdaten.

    Revolut widerspricht. Die Datenschutzerklärung informiere darüber, dass Kundendaten zur Weiterentwicklung und Verbesserung von Produkten und Dienstleistungen genutzt werden können.

    «Das Training von KI-Modellen wie Pragma betrachten wir nicht als eigenständigen kommerziellen Zweck», erklärt das Unternehmen. Deshalb sei diese Nutzung bereits durch die bestehenden Hinweise abgedeckt.

    Auffällig: In anderen Datenschutzerklärungen, etwa für Deutschland oder Grossbritannien, erwähnt Revolut das Training eigener Modelle ausdrücklich. In der Schweizer Fassung fehlt hingegen ein solcher Hinweis.

    Die Frage, warum die hiesige Kundschaft weniger konkret über diese Form der Datennutzung informiert wird, liess das Unternehmen unbeantwortet.

    Martin Steiger Datenschutz
    Martin Steiger ist Anwalt und Unternehmer für Recht im digitalen Raum. (Archiv) - keystone

    Auch die rechtliche Begründung des Unternehmens überzeugt Steiger nicht. Revolut beruft sich auf überwiegende private Interessen gemäss Schweizer Datenschutzgesetz. Dieser Verweis sei zu pauschal, kritisiert der Jurist.

    Allerdings ist das Training solcher Systeme ohne ausdrückliche Einwilligung nicht grundsätzlich verboten.

    Datenschutzrechtler David Rosenthal erklärt: «Das Datenschutzrecht verlangt bei uns für das Training von KI-Modellen mit eigenen Transaktionsdaten zur Betrugsbekämpfung normalerweise keine Einwilligung.»

    Voraussetzung sei unter anderem, dass sich das Modell keine persönlichen Kundendaten merke und später wieder preisgeben könne.

    Den konkreten Fall Revolut könne er mangels genauer Informationen jedoch nicht beurteilen, so Rosenthal.

    So können Schweizer Kunden widersprechen

    Wer nicht möchte, dass seine Daten für das KI-Training verwendet werden, kann sich dagegen wehren.

    Revolut bestätigt gegenüber Nau.ch ausdrücklich, dass Schweizer Kunden einen Ausschluss ihrer Daten vom Modelltraining verlangen können. Dafür können sie sich per E-Mail an [email protected] wenden.

    Ein solcher Widerspruch gilt laut Rosenthal bei vergleichbaren Verfahren grundsätzlich für künftige Trainings. Bereits erlernte Muster müssten nicht aus einem Modell entfernt werden, sofern darin keine personenbezogenen Informationen mehr enthalten seien.

    Damit haben Schweizer Kunden zumindest die Möglichkeit, der künftigen Verwendung ihrer Daten zu widersprechen. Auch wenn offenbleibt, ob ihre bisherigen Zahlungen bereits ins KI-Training eingeflossen sind.

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    Kommentare

    User #5625 (nicht angemeldet)

    Fast jede AI integration verlangt Datenrechte. Es geht gar nicht anders.

    User #4788 (nicht angemeldet)

    Revolut ist eine russische Bank.

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