RAV-Geld-Chaos: Arbeitslose Zürcherin schaut «jeden Tag in die App»
Die IT-Umstellung beim RAV sorgt für massive Verzögerungen. Betroffene warten Mitte Februar noch immer auf Auszahlungen. Auch die Zürcherin Ljilja zitterte.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Systemumstellung erfolgte im Dezember.
- Mehrere Betroffene berichten von ausstehenden Zahlungen.
- Ausgleichskassen-Mitarbeitende arbeiten teilweise das Wochenende durch.
Im Dezember wurde bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren und Arbeitslosenkassen ein neues IT-System eingeführt. Ziel war eine Modernisierung der Prozesse.
Was daraus folgte, war ein Chaos. Betroffene meldeten sich auf LinkedIn und anderen Plattformen, dass sie seit Tagen auf ihr Geld warten.
Darunter die Zürcherin Ljilja Mucibabic (47), die derzeit bei der Arbeitslosenkasse gemeldet ist. Sie ist vereinzelt noch für Tele Top tätig. Mucibabic berichtete auf LinkedIn, dass sie auch am 11. Februar nichts auf dem Konto hatte.

Weder die Januarauszahlung noch die Nachzahlung für Dezember. Dabei sei die Systemumstellung im Dezember zunächst gut kommuniziert worden, inklusive einer provisorischen Vorauszahlung.
Ab Mitte Januar nahm das Chaos zu.
«Ich habe täglich meine Bank‑App gecheckt», erzählt sie. Im Normalfall würde eine Auszahlung wenige Tage nach Einreichen der Unterlagen erfolgen. Doch im Job‑Room sah sie nur ‹in Prüfung›.»
Erst am 13. Februar sei das Januar-Geld eingegangen, allerdings ohne klare Erklärung, wann und warum genau. Und wie Mucibabic gegenüber Nau.ch ergänzt, sei auch diese Abrechnung nicht ganz korrekt erfolgt. Was genau falsch lief, sei für sie nicht nachvollziehbar.
Unsicherheit trotz Digitalisierung
Im Gespräch beschreibt Mucibabic die emotionale Belastung: «Du schaust jeden Tag in die App und weisst nicht, wann etwas passiert.»
Immerhin: Sie könne auf finanzielle Unterstützung durch ihre Mutter zurückgreifen, doch andere hätten diese Möglichkeit nicht.
Der Job‑Room, das Online-Portal für Stellensuchende und Arbeitslosenkassen, habe wiederholt technische Fehlermeldungen gezeigt. Die Unsicherheit, ob und wann ein Antrag bearbeitet wird, sei grösser als das eigentliche Problem.
Mitarbeitende am Limit
Mehrere Kantone bestätigen gegenüber Nau.ch Rückstände bei den Auszahlungen. Im Thurgau ist von einer «schwierigen Situation» die Rede. Das Personal arbeite teils abends und am Wochenende, um den Rückstand zu bewältigen.
Auch Zürich meldet Verzögerungen. Eine Taskforce sei im Einsatz, alle verfügbaren Ressourcen würden mobilisiert, heisst es. Für inhaltliche Fragen verweist der Kanton an das zuständige Bundesamt SECO.
In Bern läuft die Aufarbeitung ebenfalls unter Hochdruck. Mitarbeitende seien stark gefordert und würden «vereinzelt auch am Wochenende» arbeiten, wie es auf Anfrage heisst.
Das SECO selbst gibt keine Zahl der Betroffenen bekannt. Es schätzt jedoch, dass im Januar rund zwölf Prozent weniger ausbezahlt wurde als erwartet.
Strukturelles versus Einzelfall
Mucibabic geht nicht von einem Einzelfall aus. Sie weiss von weiteren Personen, die bis heute auf ihre Januarauszahlung warten.
Für sie ist klar: Die Probleme sind strukturell bedingt, ausgelöst durch die Einführung des neuen Systems auf nationaler Ebene. Eine gestaffelte Einführung hätte viele Fehler vermeiden können, sagt sie.
Ob sie ihr Geld nur erhalten habe, weil sie den Fall öffentlich gemacht habe? «Das wäre spekulativ», sagt sie.
Menschliche Lehren
Obwohl die Auszahlung nun erfolgt ist, bleibt bei Mucibabic ein bitterer Nachgeschmack. Nicht das IT-System sei das eigentliche Problem, sondern die fehlende, klare Kommunikation an die Direktbetroffenen.
«Wenn man den Leuten einfach sagt, was los ist», sagt sie, «dann fühlt sich das weniger nach Chaos an.»
Die Fragilität des Systems zeigt sich nicht nur in technischen Fehlfunktionen. Sie zeigt sich in der täglichen Unsicherheit jener Menschen, die ohnehin am Rande stehen.
Und noch immer warten viele auf ihr Geld.




















