Private Überwachungskameras boomen in der Schweiz
Schweizer kaufen mehr als doppelt so viele Überwachungskameras als noch vor wenigen Jahren. Das hat mit den steigenden Einbrüchen zu tun.

Das Wichtigste in Kürze
- In der Schweiz wird immer mehr eingebrochen.
- Wer ein Haus oder eine Wohnung besitzt, schützt sich drum immer öfter mit Kameras.
- Die Verkaufszahlen haben sich in den letzten Jahren mehr als verdoppelt.
Es ist kurz nach 22.00 Uhr, als Nau.ch-Leser Markus K.* noch einen Blick in den Garten wirft. Bis auf den Lorbeerbusch, der wegen des Windes raschelt, ist es ruhig draussen.
Schon fast zu ruhig, denkt sich der Familienvater, während seine Augen weiter zur Überwachungskamera über der Terrassentür gleiten. Nur weil sie alles mitfilmt, geht er beruhigt schlafen.
Dabei lebt der Familienvater in einer kinderfreundlichen Berner Nachbarschaft, mit Spielplatz, Fussballfeld – und sogar einer Tempo-30-Zone. Heile Welt. Trotzdem hat Markus vor ein paar Wochen eine Überwachungskamera installiert – «für ein besseres Gefühl», sagt er.
Markus ist damit nicht alleine. Die hauseigene Videoüberwachung gibt vielen Schweizern ein besseres Gefühl – und hält potenzielle Täter gleich auf Abstand.
Nach Angaben der Datenschutzexpertin Ursula Uttinger und dem Onlinehändler Digitec Galaxus erleben Überwachungskameras seit einigen Jahren einen regelrechten Boom.
Das Zuhause wird zur Überwachungszone
Der Kauf von Haussicherheits-Gadgets in den Jahren 2022 bis 2025 habe sich mehr als verdoppelt, erklärt Digitec Galaxus auf Anfrage. Im Bereich Haussicherheit würden elektronische Zugangssysteme, Überwachungskameras und Einbruchmeldesysteme zu den absoluten Bestsellern gehören.
Auch laut einer Statistik des Verbandes Schweizerischer Errichter von Sicherheitsanlagen (SES) ist die Anzahl Videoanlagen von 2023 auf 2024 gestiegen.
Juliana Herriger-Bon vom Elektronikkonzern Media Markt sagt zu Nau.ch: «Das Segment der Sicherheitskameras entwickelt sich bereits seit Jahren sehr stabil und auf gutem Niveau.» Der Einsatz privater Überwachungskameras dürfte aber kein kurzfristiger Reflex, sondern ein langjähriger Trend sein.
Mehr Delikte, weniger Sicherheit
Allgemein bekannt sei, «dass die Einbruchzahlen seit Covid bis und mit 2024 ansteigend sind», sagt die Schweizerische Kriminalprävention (SKP) auf Anfrage.
Die Kriminalstatistik zeigt, dass 2024 die Einbruch- und Einschleichdiebstähle massiv zugenommen haben: Um satte 11,2 Prozent gegenüber 2023. Das entspricht 126 Fällen pro Tag (114 im Jahr 2023). Zahlen für 2025 fehlen noch.
Auch Fahrzeugeinbrüche hätten deutlich zugenommen – Delikte, die oft direkt das Wohnumfeld betreffen. Schwere Gewaltstraftaten erlebten 2024 einen Anstieg von rund 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Diese Entwicklungen bemerkt auch die Bevölkerung. Die SKP verweist auf eine Studie der ETH Zürich von 2025, wonach das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung signifikant gesunken ist.
Media Markt beobachtet eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Produkte. Höhere Auflösungen, benutzerfreundliche App-Steuerungen oder integrierte Solarpanels würden die Heimüberwachung «für einen breiteren Personenkreis interessant» machen.
Auch die Kriminalprävention erklärt: «Dass Videoüberwachungskameras sehr preisgünstig und einfach zu installieren wie bedienen sind, trägt vermutlich auch dazu bei, dass immer mehr Menschen diese Technik zum Schutz von Einbruch oder Vandalismus nutzen.»
Nicht zu vergessen sei bei der Installation jedoch der Datenschutz: «So dürfen zum Beispiel nur private Räume überwacht werden. Das angrenzende Trottoir oder des Nachbars Garten also nicht.»
*Name von der Redaktion geändert













