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Pothole Rodeo: Diese zwei St. Galler tuckern über den Balkan

Benjamin Schmid
Benjamin Schmid

Gossau,

Vom Kiesplatz auf die Schlaglochpisten Osteuropas: Lukas Scheiwiller und der Gossauer Dominik Pfister wagen das Pothole Rodeo.

celtic rallye
Der Gossauer Dominik Pfister (l.) und Lukas Scheiwiller rasten bei der Celtic Rallye 2024 vor einer legendären britischen Telefonkabine – im Hintergrund ist ihr Nutzfahrzeug zu sehen. - pd

Mit einer modifizierten 500-Euro-Kiste und viel Humor rollen die Ostschweizer ins Abenteuer ihres Lebens. Es klingt nach einer verrückten Idee, doch für zwei Ostschweizer Nutzfahrzeug-Profis ist es das perfekte Abenteuer.

Vom 13. bis zum 25. Juli nehmen Lukas Scheiwiller (27) aus Gossau und Dominik Pfister (30) aus Züberwangen am Pothole Rodeo auf dem Balkan teil.

Die Regeln dieses Low-Budget-Rennens sind simpel und hart zugleich: Erlaubt sind nur Autos, die maximal 500 Euro gekostet haben.

Die Route führt über tausende Kilometer durch unwegsames Gelände. Bei diesem Event gehe es primär um Strassen, welche man sonst nie fahren würde, erklären die beiden. Es sei ein echter Härtetest für das Fahrzeug sowie für jedes Team.

pothole rodeo
Dominik Pfister und Lukas Scheiwiller (r.) kontrollieren ihr Auto auf Schäden. - pd

Die Idee zu diesem Roadtrip entstand ganz unspektakulär im Alltag. Die beiden arbeiten in der gleichen Firma im selben Team. Während einer ganz normalen Znünipause kam das Gespräch auf die nächste grosse Herausforderung. Die beiden sind keine Neulinge auf diesem Gebiet.

Schon im Jahr 2024 stellten sie sich der berüchtigten Celtic Rallye. Doch nach der nasskalten Erfahrung im Norden zog es die beiden Mechaniker dieses Mal in den Süden. «Im Jahr 2024 waren wir auf der Celtic Rallye, somit haben wir die Kälte und den Regen gesehen, nun wollen wir an die Wärme in den Balkan», betonen die beiden mit Vorfreude auf die sommerliche Hitze.

Vom Schrottplatz zur Perle

Mit ihrer Fachkompetenz als Automobilmechatroniker und Automobildiagnostiker für Nutzfahrzeuge sind die beiden perfekt aufgestellt. Das Schrauben liegt ihnen im Blut, auch wenn sie mit einem Augenzwinkern zugeben: «Wenn wir wählen könnten, wären wir lieber mit einem kalten Bier unter einer Veranda.»

Die grösste Aufgabe wartete ohnehin schon vor dem eigentlichen Start: Ein Auto für unter 500 Euro zu finden, ist heute eine Herausforderung. Fündig wurden die beiden schliesslich bei einem Kiesplatzhändler mit nicht allzu guten Deutschkenntnissen. Es wurde ein Mercedes-Benz Vito 638, den sie liebevoll als «wahre Perle» bezeichnen.

Könntest du dir vorstellen, so ein Abenteuer selbst zu unternehmen?

Beim Kauf war die Kiste absolut nicht fahrtüchtig. Gemäss dem Händler konnte das Fahrzeug überhaupt nicht mehr gestartet werden. Doch das Duo bewies echtes Handwerksgeschick. «Mit einer Spraydose und einem Schraubenzieher war dies jedoch kein Problem für uns», erinnern sich die Mechaniker schmunzelnd an den Moment des Triumphs.

Mit dem Abschlepper ging es schliesslich in Richtung Heimat, wo das Auto umgebaut wurde. Sie selbst taufen ihr Team und das Auto stolz nach der internen Mercedes-Baumusternummer: «sexxachtedrissg.»

Navigation mit Hand uns Fuss

Für die Strassenzulassung brauchte es noch sehr viel Liebe. Die Mechaniker schweissten neue Schweller ein, räumten den Motor auf und ersetzten alles, was im Weg stand. Es folgte eine «russische Höherlegung», grössere Bereifung und eine Zusatzbatterie mit Inverter für 230- Volt-Strom. Ein Dachträger von einem Toyota Hiace wurde mit Scheinwerfern und Drehlichtern bestückt, im Heck bauten sie ein Holzbett und einen Subwoofer ein.

Als besonderer Clou für den Balkan wurde dieses Jahr eine echte Gelenkarmmarkise für den Hausbalkon am Dachträger montiert. Auf die Navigation per GPS verzichten die Abenteurer bewusst.

«Wir werden auf Glück fahren, viele Wege führen nach Rom. Man fährt immer weiter, bis man wieder auf Zivilisation stösst. Mit Hand und Fuss kommen wir weit», zeigen sie sich pragmatisch.

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Dominik Pfister lotet die Tiefe des Wassers auf ihrer Route aus. - pd

Ihr Umfeld reagiert gemischt auf das Vorhaben. Während die Arbeitskollegen die Idee cool finden, ist die Freundin von Lukas besorgt – schliesslich haben die beiden ein Kleinkind zu Hause.

Pannenschnaps und Nervenkitzel

Die grösste Sorge gilt der Technik. Schon in Schottland kam das Automatikgetriebe in den steilen Pässen thermisch an seine Grenzen, und nun droht die Hitze des Balkans. Dennoch bleiben die Ostschweizer gelassen. Wenn etwas kaputtgehe, probiere man, es notdürftig zu reparieren, damit man die Ziellinie überqueren könne – egal wie.

Übernachtet wird spontan in günstigen Hotels, auf Campingplätzen im Fahrzeug oder beim Wildcampen. Damit die Stimmung auf engstem Raum passt, setzen sie auf gute Gespräche, Teamgeist, kalte Getränke und einen wilden Musikmix von Hardstyle über Schlager bis zu Schweizer Ländlermusik wie den «Rusch Büeblä».

Als wichtigste Begleiter abseits der Werkzeugkiste reisen ein originaler Mercedes-Wackeldackel, der schon im Norden ununterbrochen zunickte, und eine Flasche Pannenschnaps mit – laut den Mechanikern das beste Werkzeug, um Pannen gar nicht mehr so eng zu sehen.

Ansonsten gilt nur noch eins: Musik aufdrehen, alle Lichter an, Klimaanlage auf Vollgas, Fenster runter und das Abenteuer geniessen.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «Gossauer Nachrichten» erschienen.

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