Kriminelles Netzwerk rund um «Problem-Haus» in Lausanne zerschlagen

Keystone-SDA
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Lausanne,

An der berüchtigten Liegenschaft an der Rue de Genève 85 in Lausanne ist wieder Ruhe eingekehrt. Mehrere Polizeieinsätze haben den kriminellen Aktivitäten rund um das Gebäude ein Ende gesetzt – darunter Drogenhandel, Geldwäscherei und Sozialhilfebetrug.

Lausanne
An der berüchtigten Liegenschaft an der Rue de Genève 85 in Lausanne ist wieder Ruhe eingekehrt. - keystone

Das Gebäude galt seit Jahren als Drehscheibe des lokalen Drogenmarkts und sorgte regelmässig für Schlagzeilen. Frühere Polizeimassnahmen hätten das Problem jedoch nicht nachhaltig lösen können, sagte der Waadtländer Generalstaatsanwalt Eric Kaltenrieder am Dienstag an einer gemeinsamen Medienkonferenz von Staatsanwaltschaft, Stadt Lausanne sowie der Stadtpolizei Lausanne und der Kantonspolizei Waadt.

Um die Situation unter Kontrolle zu bringen, sei schliesslich ein «neuer Ansatz» entwickelt worden, so der Staatsanwalt. Statt sich ausschliesslich auf den Drogenhandel zu konzentrieren und damit in den von Dealern besetzten Wohnungen «stecken zu bleiben», hätten die Ermittler den Fokus auf Geldwäscherei und die Nutzung der Wohnungen ausgeweitet, um direkt gegen die Verantwortlichen der Liegenschaft vorzugehen.

Diese Strategie führte zwischen Februar und Oktober 2025 zu insgesamt 28 gezielten Grossaktionen. Dabei standen jeweils 40 bis 50 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz, wie Olivier Botteron, Kommandant der Lausanner Polizei, erklärte.

Bei Hausdurchsuchungen wurden 82 Zimmer kontrolliert. Insgesamt nahm die Polizei 143 Personen fest – überwiegend aus Nigeria und Gabun – und zeigte diese wegen Verstössen gegen das Ausländergesetz an. Gegen elf Personen ermittelt die Justiz wegen Drogenhandels, gegen sechs wegen Verdachts auf Geldwäscherei.

Die Ermittlungen brachten im vergangenen Dezember zudem einen gross angelegten Sozialversicherungsbetrug ans Licht. Der Schaden wird auf rund 1,9 Millionen Franken geschätzt.

Insgesamt sollen 41 Personen beteiligt gewesen sein, vor allem Paare, die offiziell getrennt lebten, tatsächlich aber weiterhin zusammenwohnten. Einer der Partner meldete mithilfe eines gefälschten Mietvertrags einen Wohnsitz an der Rue de Genève 85 an, um unrechtmässig Sozialleistungen zu beziehen.

Laut Stéphane Volper, Chef der Lausanner Kriminalpolizei, wurden die Ermittler durch eine auffällige Häufung von in Eritrea geborenen Personen aufmerksam, die unter dieser Adresse beim Einwohneramt registriert waren.

Im Zusammenhang mit den verschiedenen Straftaten eröffneten die Justizbehörden zahlreiche Strafverfahren. Allein im Bereich des Drogenhandels seien bereits rund hundert Verurteilungen ausgesprochen worden, hiess es.

Auch der Eigentümer der Liegenschaft steht im Fokus der Justiz. Ihm wird Geldwäscherei vorgeworfen, weil er Mieteinnahmen aus Drogengeldern entgegengenommen haben soll. Der frühere Verwalter sowie der Hauswart werden verdächtigt, im Zusammenhang mit dem Sozialhilfebetrug gefälschte Mietverträge ausgestellt zu haben.

Das Gebäude steht inzwischen unter gerichtlicher Beschlagnahmung, rund 70 Prozent der Wohnungen sind leer. Die noch bewohnten Wohnungen seien mittlerweile ausschliesslich an rechtmässige Mieter vergeben.

Der für die Sicherheit zuständige Lausanner Stadtrat, Pierre-Antoine Hildbrand (FDP), sprach von einer «Rückkehr zur Normalität» in einem Quartier, das in den vergangenen Jahren «massiv belastet» gewesen sei. Er würdigte die «gemeinsame Anstrengung» von Staatsanwaltschaft, Polizei und Stadtverwaltung, die einer Situation «ungewöhnlichen Ausmasses» ein Ende gesetzt habe.

Wo sich die früheren Akteure des Netzwerks heute aufhalten, wissen die Behörden nach eigenen Angaben nicht. Laut Generalstaatsanwalt Kaltenrieder gibt es derzeit jedoch keine Hinweise darauf, dass sich das Netzwerk an einem anderen Ort neu organisiert hat.

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