«Schämten sich»: Gruppe fängt Elterntaxis an Goldküste ab

Die Schule Herrliberg an der Zürcher Goldküste kämpft mit einer neuen Aktion gegen Elterntaxis. Der Erfolg fällt aktuell bescheiden aus.

Elterntaxis
Am Mittwochmorgen kurz vor acht Uhr fahren Dutzende Elterntaxis zu den Parkplätzen der Schule Herrliberg ZH. - Nau.ch / Nico Leuthold

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Verkehrsaufkommen in Herrliberg ZH ist gross – Schülerinnen und Schüler sollen zu Fuss zur Schule gehen.
  • Eine Elterngruppe versucht die Elterntaxi-Chauffeure zur Vernunft zu bringen.
  • Die Reaktionen reichen laut einem Gruppenmitglied von Abwinken über Schämen bis Entschuldigen.

Das Verkehrsaufkommen vor der Schule Herrliberg an der Zürcher Goldküste ist gross. Dafür sorgen Mamis und Papis, die ihre Kinder zur Schule chauffieren.

Die Menge der Elterntaxis sei in den vergangenen Jahren gemäss Beobachtungen ungefähr gleichgeblieben, sagt Martin Schmäh zu Nau.ch. Er ist Polizeichef der zuständigen regionalen Polizei.

Die Polizei Region Meilen ist auch zum Start dieses Schuljahrs während zwei Wochen insbesondere vor dem Schulareal präsent.

«Dabei macht sie Fahrzeuglenker auch aktiv auf ein allfälliges Fehlverhalten aufmerksam», sagt Schmäh.

Dies etwa bei Missachten der Vortrittsrechte von Kindern oder wenn sie Kinder ausserhalb der erwähnten «Drop-off-Zone» ein- und ausluden. «Ebenfalls führt die Polizei Region Meilen Geschwindigkeitskontrollen auf den Schulweg-Achsen durch.»

SUV und Porsches fahren ein

Neu kämpft die Schule mit einer Aktion gegen die Elterntaxis. Seit dem Schulstart am Montag stehen lauter Plakate vor den Parkplätzen. «Wir laufen zur Schule. Mach auch du mit!», fordern diese auf.

Das Plakat macht auf die Vorteile des Schulwegs zu Fuss aufmerksam. Dies stärke die Sicherheit im Strassenverkehr, die Bewegung und Konzentration und die Selbständigkeit, steht dort. «Danke, dass Sie Ihr Kind ermutigen, den Schulweg zu Fuss zu gehen», schliesst es ab.

Sollen Eltern die Kinder zu Fuss zur Schule schicken?

Auch Expats haben keine Ausrede, chauffieren sie ihr Kind trotzdem in die Schule. Den Aufruf hat die Schule extra auch auf Englisch übersetzt. Am Mittwochmorgen zeigt sich jedoch: Die Plakate nützen kaum.

Kurz vor acht Uhr kurven dutzende SUV und Porsches zu den Parkplätzen. Unbeirrt laden sie ihre Kinder an den «Kiss & Ride»-Elterntaxiparkplätzen ab.

Eine Flyer-Aktion soll die Eltern zur Vernunft bringen. Eine Elterngruppe fängt die Elterntaxis ab und drückt den Fahrerinnen und Fahrern einen Flyer in die Hand. Dieser ruft dazu auf, den Schulweg zu Fuss zurückzulegen.

«Hatten schon Blinker zum Einbiegen gesetzt»

Die Gruppe mit den gelben Bändeln ist die ganze Woche jeweils morgens, mittags und nachmittags bei den Parkplätzen präsent.

«Ich hoffe sehr, dass unsere Aktion etwas hilft», sagt Mitglied Stefanie Jekel zu Nau.ch. «Wenn wir nur jeweils bei einer Familie erreichen, dass die Kinder zu Fuss gehen, ist das schon ein Erfolg.»

Die Gruppe redet bei manchen Eltern hinter dem Steuer jedoch gegen eine Wand. «Eine Mutter winkte ab und sagte, sie habe solche Flyer bereits bekommen», sagt Stefanie Jekel.

«Andere schämten sich», vermutet sie. «Denn sie hatten schon den Blinker zum Einbiegen in den Parkplatz gesetzt, fuhren aber weiter, als sie uns sahen.»

Jekel erlebt auch Mamis und Papis, die sich entschuldigen. «Eine Mutter sagte, sie habe einen Arzttermin und müsse ihr Kind deshalb mit dem Auto abholen.» In solchen Fällen seien die Fahrten in Ordnung.

«Wir wollen Elterntaxis ja nicht verbieten.»

«Packen gleich auch Schulkinder ins Auto»

Die Schule Herrliberg ist nicht die Einzige, die mit Elterntaxis kämpft. Die Stadt Wallisellen ZH hat im Frühling für ein einjähriges Pilotprojekt eine Halteverbotszone eingerichtet. Demnach dürfen dort zu bestimmten Zeiten morgens, mittags und nachmittags keine Fahrzeuge halten.

In anderen Schweizer Gemeinden bestehen solche Halteverbote bereits. Oft setzen sie zur Verkehrssicherheit auch auf «Kiss & Ride»-Zonen.

Warum besteht so grossen Widerstand, die Kinder zu Fuss in die Schule zu schicken? Eine Rolle könnte die Herkunft der Familien spielen. «Im Ausland ist es verbreiteter, die Kinder mit dem Auto zur Schule zu bringen», sagt Stefanie Jekel.

Andere Eltern setzen laut Jekel auf das Auto, weil sie Geschwister in die Kita bringen oder von dort abholen müssten.

«Dann packen sie gleich auch die Schulkinder ins Auto.» Mit allen Kindern morgens zu Fuss zu gehen, liege zeitlich nicht drin. «Schliesslich müssen die Mütter und Väter pünktlich am Arbeitsplatz sein.»

Pedibus als Lösung

Manchmal stehen auch die sozialen Kontakte dem Schulweg zu Fuss im Weg.

Zu Beginn der ersten Klasse hätten viele Kinder noch keinen Anschluss zu anderen, sagt Jekel. «Deshalb haben sie keine Möglichkeit, gemeinsam zur Schule zu laufen.»

Eine ideale Lösung sei der Pedibus, sagt Jekel. Dabei legen Eltern eine Route fest, auf der sie eine Gruppe von Kindern abwechselnd zur Schule begleiten. Auch holen sie die Kinder dort wieder ab.

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Kommentare

User #5324 (nicht angemeldet)

Einfach bei Schulbeginn und Schulende Nagelteppiche auslegen 😁

User #4344 (nicht angemeldet)

Ich bin ja auch dafür, dass wir dagegen sind. Aber ich verweise darauf, dass es völlig legal ist.

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