Pfusch-Beauty-OPs im Ausland belasten Schweizer Gesundheitssystem

Rowena Goebel
Rowena Goebel

Region Zug,

Schönheits-OPs boomen. Doch viele Schweizer lassen den Eingriff bei unseriösen Anbietern im Ausland durchführen. Die Folge: Kosten für die Allgemeinheit.

Beauty-OPs
Eine Chirurgin warnt: Viele Schweizer lassen sich von vermeintlichen Schnäppchen-Preisen blenden – und lassen sich von unseriösen Anbietern im Ausland operieren. (Symbolbild) - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Immer mehr Menschen legen sich für die Schönheit unters Messer.
  • Viele Schweizerinnen und Schweizer gehen dafür ins Ausland, wo es meist günstiger ist.
  • Doch eine Chirurgin warnt: Es gibt viele unseriöse Anbieter.
  • Gibt es Komplikationen, entstehen Folgekosten für das Schweizer Gesundheitssystem.

Brustvergrösserungen, Haartransplantationen oder Nasen-OPs: Schönheits-Eingriffe boomen. Doch Qualität hat auch ihren Preis. Das wollen viele Schweizerinnen und Schweizer umgehen – und lassen sich von unseriösen Anbietern im Ausland locken.

Immer wieder landen Patienten in dubiosen Kliniken, die nicht professionell arbeiten. Das Risiko für Entzündungen oder andere Komplikationen ist hier natürlich grösser.

Läuft tatsächlich etwas schief, werden oft Folgebehandlungen in der Schweiz nötig. Das ist nicht nur für die Patienten eine Belastung – sondern auch für das Schweizer Gesundheitssystem.

Diese Schönheits-OPs kosten Krankenkassen am häufigsten Geld

Die Zuger Schönheitschirurgin Kelly Vasileiadou, bekannt als Dr. Kelly, sagt zu Nau.ch: «Wir sehen regelmässig Patienten, die nach Schönheitsoperationen im Ausland mit Komplikationen zurückkehren und in der Schweiz medizinisch versorgt werden müssen.»

Typische Beispiele sind laut der Ärztin:

- Infektionen nach Brustoperationen oder Fettabsaugungen, die Nachkontrollen, Spitalaufenthalte, intravenöse Antibiotika oder sogar Notfalloperationen erfordern.

- Wundheilungsstörungen oder Gewebeschäden, die mehrere Folgeeingriffe notwendig machen.

- Falsch platzierte oder infizierte Implantate, die entfernt oder umpositioniert werden müssen.

- Folgeeingriffe für die Entfernung von Implantaten und Füllmaterialien, die in der Schweiz nicht zugelassen sind.

«Viele Probleme zeigen sich erst Tage oder Wochen nach der Rückreise», erklärt Vasileiadou. «Dann sind die behandelnden Kliniken im Ausland oft nicht mehr erreichbar.»

Bei gewissen Eingriffen sind Komplikationen, die Nachbehandlungen in der Schweiz nötig machen, besonders häufig. Etwa bei grossflächigen Fettabsaugungen, Brustoperationen mit Implantaten oder Facelifts.

Schweizer lassen sich von Preisen blenden

Ein grosses Problem: Viele lassen sich von den «vermeintlichen Schnäppchenpreisen» blenden, wie die Expertin erklärt.

Besonders beliebt für Schönheits-OP-Reisen seien die Türkei, Tschechien und Deutschland. Dort sind Eingriffe meist günstiger als in der Schweiz.

Dr. Kelly
Schönheitschirurgin Kelly Vasileiadou warnt vor unseriösen Beauty-OP-Anbietern im Ausland. - zVg

Ein Beispiel: Laut Online-Vermittler «Flymedi» zahlt man für ein Facelift in der Türkei zwischen 3000 und 5000 Euro (2700 und 4600 Franken).

In der Schweiz sind die Preis-Spannen deutlich höher. In der Klinik von Dr. Kelly kostet ein Facelift zwischen 14'500 und 24'500 Franken.

Dass ein Eingriff im Ausland günstiger ist, muss noch nichts heissen. Doch extrem tiefe Preise sind ein Warnsignal, wie Dr. Kelly betont. «Irgendwo werden dann Personal, Zeit, Material oder Sicherheit eingespart.»

82 Prozent der Nachbehandelten wurden im Ausland operiert

Auch die Forschung zeigt: Schönheits-OPs, die im Ausland gemacht wurden, haben deutlich häufiger Nachbehandlungen zur Folge.

2023 veröffentlichte das Universitätsspital Zürich eine Studie zu Patientinnen und Patienten, die nach einer Schönheitsoperation nachbehandelt werden mussten.

Die Studie untersuchte den Zeitraum von 2015 bis 2019.

Männer
Ein beliebter Eingriff bei Männern: Haartransplantationen. - pixabay

In diesen vier Jahren wurden 228 Personen am Unispital Zürich wegen Komplikationen nach Schönheitseingriffen behandelt. 82 Prozent von ihnen hatten den ursprünglichen Eingriff im Ausland machen lassen.

Trotzdem – im Ausland gibt es «sehr gute und hochqualifizierte plastische Chirurginnen und Chirurgen», wie Dr. Kelly betont.

«Das Problem ist nicht ‹das Ausland› an sich. Problematisch ist fehlende Transparenz, aggressive Preismodelle und unzureichende Nachsorge bei einzelnen Anbietern.»

Krankenkasse zahlt Behandlung bei gefährlichen Komplikationen

Doch wer zahlt, wenn jemand auf eine Pfusch-Klinik hereinfällt und eine medizinische Nachbehandlung in der Schweiz braucht?

Klar: Schönheitsoperationen müssen Patientinnen und Patienten selbst berappen. Das gilt auch für geplante Folgeeingriffe, wie Dr. Kelly erklärt.

«Werden jedoch Komplikationen medizinisch notwendig und stellen sie eine akute Gesundheitsgefährdung dar, werden diese Behandlungen meist von der Grundversicherung übernommen.»

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Das gilt beispielsweise bei schweren Infektionen, Blutvergiftungen oder ausgeprägten Wundheilungsstörungen mit Gewebeschädigung.

Die Krankenkassen prüfen zwar jeden Fall einzeln, wie Dr. Kelly erklärt.

Doch: «Nach unserer Erfahrung laufen diese medizinisch begründeten Nachbehandlungen in einem Grossteil der Fälle dann über die Krankenversicherung. Auch, wenn der ursprüngliche Eingriff ästhetisch motiviert war.»

Zwei Tage im Spital fast doppelt so teuer wie ursprüngliche OP

Die nötigen Folgebehandlungen sind «immer deutlich teurer als der ursprüngliche Eingriff», erklärt die Expertin.

Laut einer Spitalstatistik kostete ein Akutpatient in einem Schweizer Spital 2023 durchschnittlich rund 2625 Franken pro Tag. Nur ein Tag im Spital kostet also fast gleich viel wie ein tiefpreisiges Facelift in der Türkei.

OP
Ein Tag in einem Schweizer Spital kostet in manchen Fällen fast so viel wie die Operation selbst. (Archivbild) - keystone

Wird ein weiterer Tag nötig, kostet das das Gesundheitssystem fast doppelt so viel, wie der Patient für die OP zahlte.

Dr. Kelly erklärt: «Kosten entstehen vor allem durch stationäre Behandlungen, Notfallversorgung, längere Arbeitsausfälle und komplexe Nachbehandlungen.»

Krankenkassen planen keine speziellen Massnahmen

Das Problem ist schon länger bekannt, wie die Studie aus 2023 zeigt. Gross scheint es die Krankenkassen jedoch nicht zu beschäftigen.

Auf Anfrage von Nau.ch kann der Branchenverband der Krankenversicherer Prioswiss keine Zahlen nennen. «Wir können die Kostenentwicklung für medizinisch notwendige Nachbehandlungen nicht getrennt auswerten», heisst es.

Braucht es Massnahmen gegen solche Kosten?

Auch konkrete Massnahmen, wie beispielsweise Sensibilisierungskampagnen für Patienten, sind nicht geplant.

Dazu heisst es nur: «Die Versicherer kontrollieren die Abrechnungen im Rahmen ihrer üblichen Rechnungskontrolle. Treten hierbei Auffälligkeiten zutage, wird diesen nachgegangen.»

Kommentare

User #2036 (nicht angemeldet)

Mitte Links will es so.

User #2036 (nicht angemeldet)

Ich arbeite Tag und Nacht an der nächsten Krankenkasse Prämie Erhöhung. Eine Bundesrätin

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