Eine Studie der Universität Basel deckt auf, dass Pflegefachpersonen enorm häufig verbaler und körperlicher Gewalt ausgesetzt sind.
Nahezu jede dritte Pflegefachperson in der Schweiz hat im Verlauf ihres Berufslebens schon schwere körperliche Gewalt erlebt (Symbolbild, gestellt).
Nahezu jede dritte Pflegefachperson in der Schweiz hat im Verlauf ihres Berufslebens schon schwere körperliche Gewalt erlebt (Symbolbild, gestellt). - sda - Keystone/LUIS BERG

Das Wichtigste in Kürze

  • 73 Prozent der befragten Pflegepersonen einer Basler Studie erlebten verbale Gewalt.
  • 30 Prozent wurden sogar bereits Opfer eines schweren Angriffs.
  • Besonders betroffen sind junge Frauen mit wenig Berufserfahrung.

Fast jede dritte Pflegefachperson ist während ihrer Tätigkeit auf einer stationären Psychiatrie bereits einmal Opfer schwerer Gewalt geworden. Das geht aus einer Umfrage unter mehr als tausend Pflegerinnen und Pflegern in der Deutschschweiz hervor.

Ein Forschungsteam um Michael Simon, Pflegewissenschaftler und Professor an der Universität Basel, erfasste die Häufigkeit und den Schweregrad von verbaler, physischer und sexueller Gewalt von Patientinnen und Patienten gegenüber Pflegenden. Diese sollten angeben, ob sie im Laufe des Monats vor der Befragung, Opfer eines solchen Angriffs geworden waren.

30 Prozent Opfer von schwerem Angriff

Demnach berichteten 73 Prozent der 1128 Pflegefachpersonen über verbale Gewalt und 63 Prozent über Gewalt an Sachen. Zudem berichteten 40 Prozent über verbale sexuelle Gewalt und 28 Prozent über körperliche Gewalt.

14 Prozent berichteten sogar über körperliche sexuelle Gewalt. Zudem waren fast 30 Prozent im Laufe ihres Berufslebens bereits Opfer eines schweren Angriffs geworden. Dies schreiben die Forschenden in der Fachzeitschrift «International Journal of Mental Health Nursing».

Junge Frauen besonders betroffen

Die Gefahr eines verbalen sexuellen Übergriffs bei jüngeren Frauen mit weniger als drei Jahren Berufserfahrung ist besonders hoch. Dies teilte die Universität Basel am Dienstag mit. Pflegende mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung wiesen das geringste Risiko für alle Arten von Gewalt auf.

Die etablierten Schutzstrategien auf den Psychiatrie-Stationen wie Aggressionsmanagement-Trainings oder Alarmvorrichtungen haben den Forschenden zufolge offenbar nur eine begrenzte Wirksamkeit. Sie fordern deshalb politische und pädagogische Strategien, um wirksame Präventions- und Interventionsstrategien zur Gewaltvermeidung zu entwickeln.

Die befragten Pflegekräfte, 70 Prozent von ihnen weiblich, waren zum Zeitpunkt der Befragung in 13 Psychiatrie-Kliniken in der Deutschschweiz tätig.

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