ÖV-Tariferhöhung treibt GA-Pendler zurück ins Auto
Die angekündigte Tariferhöhung im öffentlichen Verkehr bringt selbst treue GA-Nutzer ins Grübeln. Für viele dürfte das Auto wieder zur Alternative werden.

Das Wichtigste in Kürze
- Ab Dezember 2026 werden die Preise im öffentlichen Verkehr um 3,9 Prozent erhöht.
- Der VCS rechnet damit, dass die Versuchung wächst, ins Auto zu steigen.
- Der Preisüberwacher hatte von den angekündigten Tarifmassnahmen keine Kenntnis.
Wer ab diesem Dezember in Bus, Tram oder Zug steigt, wird tiefer ins Portemonnaie greifen müssen. Konkret: Die Billette werden 3,9 Prozent teurer.
Auf den ersten Blick wirkt das wie eine moderate Anpassung. Doch die Wirkung könnte grösser sein als gedacht. Denn während der öffentliche Verkehr teurer wird, wächst bei vielen die Versuchung, wieder ins Auto zu steigen.
Der Verkehrsclub der Schweiz (VCS) rechnet genau damit. Er prognostiziert gegenüber Nau.ch: «Besonders jene, die ein Auto zur Verfügung haben, werden möglicherweise gelegentlich eine Strecke mit dem Auto fahren.»
Auch weil das Bahnticket selten mit der Vollkostenrechnung einer Autofahrt verglichen wird. So rechnen viele Autofahrer etwa Gebühren für ein Parkticket oft nicht ein. Das Auto wirkt so günstiger, als es tatsächlich ist.
Das GA wird deutlich teurer
Die konkreten Preise will Alliance Swisspass zwar erst im Frühling vorlegen. Klar ist aber schon jetzt: Das Generalabonnement (GA) soll um rund 160 Franken teurer werden.
Für Kinder, Jugendliche und Familien soll die Erhöhung zwar geringer ausfallen oder ganz wegfallen. Doch für viele Pendlerinnen und Pendler stellt sich bereits jetzt die Frage: Lohnt sich das GA noch?
IGöV sieht Politik in der Pflicht
Aus Sicht der Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr Schweiz (IGöV) ist die Entwicklung bedenklich.
Vizepräsident Christoph Wydler sagt gegenüber Nau.ch: «Die Preiserhöhungen stehen nicht im Einklang mit dem Ziel, den Anteil des umweltfreundlichen Verkehrs zu erhöhen.»
Zwar koste der Ausbau des Angebots Geld. Doch die IGöV sieht die Politik in der Pflicht. Sie soll den Ausbau mitfinanzieren, statt die Subventionen zu kürzen. Kantonale Abstimmungen hätten gezeigt, dass sich die Bevölkerung eher tiefere Preise wünsche.
Hinzu kommt eine Entwicklung, die schon länger für Kritik sorgt: «Bisher stiegen die Tarifpreise wesentlich stärker als die Kosten der Autos, was vom Preisüberwacher regelmässig kritisiert wurde.»
Ob die aktuell hohen Spritpreise dieses Ungleichgewicht nun abschwächen, bleibe offen.
Preisüberwachung wusste nichts von Tarifmassnahmen
Bei der Preisüberwachung (PUE) zeigt man sich auf Anfrage von Nau.ch verhalten überrascht. «Der Preisüberwacher hatte von den konkreten Plänen der Branche für Tarifmassnahmen im Nationalen Direkten Verkehr keine Kenntnis.»
Man werde aber selbstverständlich dem «gesetzlichen Auftrag nachkommen und die Beschlussvorlage des Strategierats prüfen».
Psychologische Schmerzgrenze ist «nicht zu unterschätzen»
Für viele dürfte die Erhöhung dennoch mehr sein als nur eine Zahl auf dem Papier. Insbesondere für einkommensschwache Personen und Familien.
Zwar seien GA-Nutzer erfahrungsgemäss «etwas weniger preissensibel», schreibt der VCS. Doch der Preisanstieg auf über 4000 Franken dürfte dennoch spürbar sein.
«Das könnte durchaus eine Schmerzgrenze sein – psychologisch ist auch ein geringer Aufschlag nicht zu unterschätzen.»
Bei Einzeltickets werde der Kaufentscheid, anders als beim GA, immer wieder gefällt. Dort dürfte sich die psychologische Schmerzgrenze künftig besonders deutlich zeigen.













