ÖV wird 4 Prozent teurer – Kritik: «Überschreitet Schmerzgrenze»
Reisende müssen ab Ende 2026 tiefer in die Tasche greifen. Besonders beim GA drohen spürbare Aufschläge. Der Konsumentenschutz sieht das kritisch.

Das Wichtigste in Kürze
- Ab Dezember 2026 steigen die ÖV-Preise im Schnitt um 3,9 Prozent.
- Grund sind höhere Kosten für Energie, Personal, Material und Ausbau.
- Betroffen sind nationale Billette und Abos im Direktverkehr.
- Laut Konsumentenschutz überschreitet ein GA über 4000.- für viele wohl die Schmerzgrenze.
Reisende im Schweizer öffentlichen Verkehr müssen ab Dezember 2026 mehr bezahlen. Die Branche erhöht die Preise im nationalen Direktverkehr im Schnitt um 3,9 Prozent.
Der Entscheid wurde vom Strategierat der Alliance Swisspass getroffen, wie die ÖV-Branchenorganisation am Dienstag mitteilt. Betroffen sind schweizweit gültige Billette und Abonnemente. Die konkreten Preise werden im Frühling 2026 bekannt gegeben.
Konsumentenschutz: GA-Schmerzgrenze für viele wohl überschritten
Schon jetzt ist klar: «Der Konsumentenschutz sieht die Tariferhöhungen kritisch.» Das erklärt Chantal Sempach vom Konsumentenschutz auf Anfrage von Nau.ch.
Natürlich müsse der öffentliche Verkehr finanziert werden. Dazu müssten auch die ÖV-Nutzerinnen und -Nutzer ihren Beitrag leisten.

«Doch eine Preiserhöhung von rund vier Prozent ist viel, insbesondere, da die Tarife bereits 2023 deutlich erhöht wurden. Viele Haushalte stehen wegen steigender Lebenshaltungskosten ohnehin stark unter Druck», sagt Sempach.
Aktuell kostet das GA für die zweite Klasse noch 3995 Franken. Ab Dezember wird es teurer. Für den Konsumentenschutz ist klar: «Ein GA, das über 4000 Franken kostet, überschreitet für viele Kundinnen und Kunden wohl die Schmerzgrenze.»
Konsumentenschutz fordert enge Abstimmung mit dem Preisüberwacher
Deshalb fordert der Konsumentenschutz, «dass die Alliance Swisspass die Preiserhöhungen eng mit dem Preisüberwacher abstimmt». Und: «Wir fordern, dass die Alliance Swisspass sämtliche relevanten Informationen zu Kosten, Einsparungen und Alternativen offenlegt. Damit eine realistische und transparente Beurteilung möglich wird.»
Es brauche zudem mehr Innovation, statt immer höhere Preise: «Neue, flexible Abos, angepasst auf moderne Mobilitätsmuster (beispielsweise vermehrtes Homeoffice) würden den ÖV attraktiver machen», erklärt Sempach.
Kosten steigen – Einnahmen reichen nicht mehr aus
Als Gründe nennt die Branche die gestiegene Teuerung, höhere Energiepreise sowie wachsende Kosten für Personal und Material. Gleichzeitig nimmt die Nachfrage im öffentlichen Verkehr weiter zu, was zusätzliche Investitionen erfordert.
Auch politische Entscheide belasten die Finanzierung. Dazu gehört etwa der Wegfall der Rückvergütung der Mineralölsteuer ab 2027 sowie ein aus Sicht der Branche zu tiefer Kreditrahmen für den regionalen Personenverkehr.
Strategieratspräsident Marco Lüthi sagt: «Preiserhöhungen sind für Kundinnen und Kunden ein sensibles Thema. Deshalb hat die Branche diesen Schritt sehr sorgfältig geprüft.»
Unterschiedliche Anpassungen je nach Angebot
Nicht alle Preise steigen gleich stark: Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien werden kaum oder gar nicht teurer.
Das Generalabonnement dürfte stärker ansteigen als Einzelbillette. Das Halbtax-Abo wird um 5 Franken teurer. Anpassungen sind auch bei Velo- und Hundebilletten vorgesehen.
Mehr Angebot trotz steigender Preise
Parallel baut die Branche ihr Angebot weiter aus. Dazu gehören dichtere Fahrpläne, neue Nachtverbindungen und grössere Angebotsausbauten – etwa in der Nordwestschweiz. Diese Erweiterungen verursachen zusätzliche Kosten.
Die neuen Preise treten mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2026 in Kraft. Regionale Tarifverbünde entscheiden unabhängig über ihre eigenen Anpassungen.









