Opfer von Crans-Montana: «Kann Finger nicht mehr biegen»
Eleonora Palmieri zog sich bei der Tragödie von Crans-Montana VS Brandverletzungen zu. Heute kämpft sie mit Einschränkungen und Schmerzen.

Das Wichtigste in Kürze
- «Ich war überzeugt zu sterben», sagt Eleonora Palmieri (29).
- Sie überlebte die Brandkatastrophe in der Bar in Crans-Montana mit Verletzungen.
- Probleme hat sie vor allem mit einer Hand.
Mit Brandverletzungen an Händen, Beinen und Gesicht hat Eleonora Palmieri die Brandkatastrophe von Crans-Montana VS überlebt. In der Silvesternacht kamen dort 41 Menschen ums Leben, über 100 wurden verletzt.
Eine Journalistin der Sendung «TG1» besucht die 29-jährige Tierärztin aus Cattolica IT zu Hause. Palmieri sitzt auf dem Sofa. Ihre linke Hand steckt in einem blauen Kompressionshandschuh, die rechte in einem hautfarbenen.
Die linke Hand sei weniger betroffen, weil sie sich hinter der rechten befunden habe, sagt Palmieri. Die linke Hand funktioniere wieder. Die Nägel seien aber noch angegriffen.
Auch sei die Haut stellenweise sehr dünn. «Sobald ich mich an etwas stosse, bilden sich Blasen.»
«Offene Verletzungen»
Die rechte Hand beschreibt das Brandopfer als hingegen «sehr viel empfindlicher». «Weil dort Haut vom Oberschenkel transplantiert wurde.» Vorher selbstverständliche Bewegungen sind nicht möglich. «Ich kann die Finger nicht mehr biegen, weil die Narben ziehen.»
Auch könne sie den Daumen nicht mehr öffnen. «Weil hier ein Stück Haut fehlt.»
Zudem leidet die Italienerin unter Schmerzen.
«Es hat noch offene Verletzungen, die Schmerzen verursachen.» Auf ihrer rechten Wange sind rote Punkte zu sehen. Dort sei gelasert worden, um die Narben zu entfernen. Auch die Haut an ihren Beinen seien einer Laserbehandlung unterzogen worden.
Ursprünglich wies fast ihr gesamtes Gesicht Brandspuren auf. «Die anderen Teile des Gesichts sind verheilt.»
Ein Bild, das ihr nie aus Kopf geht
Die Brandkatastrophe passierte, als die Gäste in der Bar «Le Constellation» ausgelassen in das neue Jahr feierten.
Im ersten Moment rechnete Eleonora Palmieri nicht damit, zu überleben. «Im ersten Moment dachte ich nicht, dass ich mich retten kann», sagt sie in der Sendung.
Die Luft sei immer dünner geworden, erinnert sie sich. «Das Feuer erhitzte die Umgebung mit Temperaturen, die meine Haut buchstäblich auflösten», sagt sie. «Ich war überzeugt, zu sterben.»
Nachdem sie es aus der Feuerhölle rausgeschafft hatte, traf sie ihre Freunde unter einem Vordach der Bank neben der Bar. «Ich setzte mich auf eine Marmorstufe und realisierte, noch am Leben zu sein.» Sie habe drei Atemzüge gebraucht, um dies zu kapieren.
Nie aus dem Kopf gehen, werde ihr ein Bild. «Wie das Feuer von der Treppe hochkam und mich überwältigt hat.»
«Bringt nichts, wütend zu sein»
Jessica Moretti, die mit Jacques Moretti die Bar besitzt, befand sich in der Unglücksnacht auch in der Bar. Sie blieb jedoch unverletzt. Ob es sie störe, dass Jessica Moretti unverletzt geblieben sei, fragt die Reporterin das Brandopfer.
«Ja, es stört mich», antwortet Palmieri. «Und ich frage mich, wie andere Personen ihres Teams oder der DJ verletzt wurden und sie völlig unversehrt blieb.»
Aktuell dauern die Ermittlungen zur Brandkatastrophe in der Bar an. Vorgeworfen werden dem Paar unter anderem geschlossene Fluchtwege und mangelnder Brandschutz. Würde Palmieri das Betreiberpaar treffen, würde sie gerne über die «Oberflächlichkeit» sprechen, mit der es die Bar geführt habe.
Wut verspürt Palmieri aber nicht. «Es bringt nichts, wütend zu sein, weil es einem Körper, der gesund werden muss, nicht gut tut.» Stattdessen versuche sie, gelassen zu sein und sich um ihre Zukunft zu kümmern. Sie überlasse es den Ermittlungsbehörden, für Gerechtigkeit zu sorgen.

















