Online-Identitätsdiebstahl steigt in der Schweiz stark an

Elena Hatebur
Elena Hatebur

Genève,

Die Zahl der Fälle von Online-Identitätsdiebstahl ist in der Schweiz stark gestiegen. Für Ermittelnde ist der Kampf schwierig, nur 20 Prozent werden aufgeklärt.

Schweizer Online-Identitätsdiebstahl
Online-Identitätsdiebstahl nimmt in der Schweiz stark zu. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Zahl der Fälle von Identitätsdiebstahl ist stark gestiegen.
  • Die Polizei rät, bei jedem neuen Fall Anzeige zu erstatten.
  • Oft führt dies jedoch nur zum Teilerfolg, die Ermittlungen sind komplex.

In Léas Briefkasten liegen Rechnungen. Ein Telefonabo, Ferien im Ausland, dazu mehrere Mahnungen von Online-Rechnungen.

Alles auf ihren Namen – dabei hat Léa nichts davon bestellt. Mehr als ein Dutzend Mal wird die Frau aus dem Kanton Freiburg Opfer von Identitätsdiebstahl. Die Forderungen summieren sich auf über 20'000 Franken, wie RTS berichtet.

Und sie ist kein Einzelfall.

Die Fälle explodieren

Noch vor wenigen Jahren war das Phänomen vergleichsweise selten. 2023 registrierte die Schweiz 478 Fälle von Identitätsdiebstahl. Rund zwei Jahre später sind es 8102.

Die Vorgehensweise ist oft dieselbe, wie der Sender schreibt. Täter erstellen gefälschte E-Mail-Adressen, bestellen Waren oder Dienstleistungen im Namen ihrer Opfer und lassen sich die Rechnung zustellen. Bezahlt wird nie.

Die Mahnungen hingegen landen zuverlässig bei den Betroffenen. Léa kennt dieses Spiel.

Jedes Mal erstattet sie Anzeige. «Es ist wichtig, das bei jedem neuen Fall zu tun, weil das der Polizei zusätzliche Informationen liefert», erklärt sie.

In ihrem Fall führt das laut dem Sender zumindest zu einem Teilerfolg. Die Kantonspolizei kann zwei mutmassliche Täter identifizieren.

Betrüger schliessen Leasingverträge ab

Auch Matteo aus Genf wurde Opfer eines Online-Identitätsdiebstahls. Er erhielt plötzlich Rechnungen und Mahnungen für Kontrollschilder, die er nie beantragt hatte.

Die Betrüger nutzten eine Kopie seines Ausweises und schlossen damit zwei Leasingverträge ab. Die beiden gebrauchten Mercedes wurden zum halben Neupreis von 80'000 Franken verkauft.

Mittlerweile konnte Matteo die Verträge zwar annullieren. Doch das Strassenverkehrsamt fordert weiterhin 378 Franken für Schilder, die Matteo nie genutzt hat. Inzwischen ist er sogar betrieben worden.

Hast du schon mal eine Rechnung für etwas erhalten, das du nicht bestellt hast?

«Das ist sehr frustrierend», sagt Matteo. Er müsse sich damit abfinden, dass er nichts tun könne.

Noch weiter geht der Fall von Lexie. Die Influencerin und Lastwagenfahrerin wird nicht über Verträge geschädigt, sondern über ihr digitales Abbild.

Unbekannte kopieren ihre Bilder und Videos, verändern sie mit Hilfe künstlicher Intelligenz und erstellen daraus Hunderte gefälschter Profile. Mit diesen Accounts werden anschliessend Internetnutzerinnen und -nutzer erpresst.

Für Ermittelnde ist der Kampf schwierig

«Hinter diesen Fällen steckt eine grosse Raffinesse. Es ist ein sehr dynamisches Umfeld», sagt Philippe Allain, Kommandant der Freiburger Kantonspolizei.

Nur etwa 20 Prozent der gemeldeten Fälle werden aufgeklärt. Trotzdem sei es entscheidend, Anzeige zu erstatten. «Sie ermöglichen es der Polizei, besser zu verstehen, was geschieht, und das Phänomen besser zu erfassen.»

Gleichzeitig sieht der Kommandant auch rechtliche Lücken, insbesondere im Umgang mit Plattformen.

Lennig Pedron, Direktorin von Trust Valley, einer öffentlich-privaten Organisation bei Lausanne, erklärt: «Man stiehlt Ihnen nicht mehr das Portemonnaie aus der Tasche, sondern Ihre digitale Existenz.»

Online-Identitätsdiebstahl steigt in der Schweiz stark an. Die Zahl der Fälle von Online-Identitätsdiebstahl ist in der Schweiz stark gestiegen. Für Ermittelnde ist der Kampf schwierig, nur 20 Prozent werden aufgeklärt.

Kommentare

User #4199 (nicht angemeldet)

Hey das ist eine Riesengefahr und darum brauchen wir unbedingt sofort für alle die E-ID

User #6202 (nicht angemeldet)

Dass dann ausgerechnet Strassenverkehrsämter auf betroffene Opfer noch weiter einprügelt - wen wundert es.

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